Das Museumsufer & Städel: Frankfurts Museumsmeile
Auf wenigen hundert Metern am Schaumainkai reiht sich Museum an Museum – eine der dichtesten Museumslandschaften Europas, gekrönt vom Städel. So finden Sie sich zurecht, ohne sich zu verzetteln.
Es gibt Städte mit einem großen Museum, und es gibt Frankfurt. Hier müssen Sie sich nicht entscheiden: Treten Sie von der Altstadt über den Eisernen Steg ans Sachsenhäuser Ufer, dann liegt entlang des Schaumainkais ein Museum neben dem anderen – Weltkunst, Film, Design, Skulptur, Völkerkunde, Architektur, sogar Ikonen und die Bibel. Diese Dichte ist in Europa einzigartig, und die Frankfurter sind zu Recht stolz darauf. Ich wohne nur wenige Tramhaltestellen entfernt und ertappe mich trotzdem immer noch dabei, dass ich Häuser entdecke, in denen ich noch nie war. Diese Seite ist Ihr Kompass für das Ganze: welches Museum wofür steht, was die Kombitickets wirklich taugen – und wie ein entspannter Museumstag am Main aussehen kann, ohne dass Sie am Ende erschöpft und übersättigt nach Hause gehen.
Ein Ufer, ein Plan: wie das Museumsufer entstand
Die meisten Besucher nehmen an, diese Museumsmeile sei über Jahrhunderte gewachsen. Tatsächlich ist sie ein sehr bewusstes kulturpolitisches Projekt der 1980er-Jahre. Der damalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann prägte den Leitsatz „Kultur für alle“ und machte das südliche Mainufer zum Herzstück seiner Vision. Die alten Patriziervillen am Schaumainkai wurden restauriert, umgebaut und durch spektakuläre Neubauten von international renommierten Architekten ergänzt.
Wer mit offenen Augen am Ufer entlanggeht, liest diese Baugeschichte an den Häusern ab: Richard Meier hüllte das Museum Angewandte Kunst 1985 in strahlendes Weiß, Oswald Mathias Ungers setzte für das Deutsche Architekturmuseum ein berühmtes „Haus im Haus“, und Günter Behnisch entwarf den transparenten Bau des Museums für Kommunikation. Beim Städel schließlich verschwindet der jüngste Erweiterungsbau von schneider+schumacher (2012) fast vollständig unter dem Rasen – die zeitgenössische Sammlung liegt unter einer sanft gewölbten Gartenhalle mit runden Oberlichtern. Das Museumsufer ist damit nicht nur ein Ort für Kunst, sondern selbst ein Architekturspaziergang.
Das Südufer: die eigentliche Museumsmeile
Das Kernstück liegt am Schaumainkai auf der Sachsenhäuser Seite, grob zwischen Eisernem Steg und Friedensbrücke. Hier folgt Haus auf Haus, und weil jedes einen eigenen Schwerpunkt hat, sollten Sie vorher wissen, was Sie interessiert:
- Liebieghaus – die schönste Skulpturensammlung der Stadt, von der Antike über das Mittelalter bis zum Klassizismus, untergebracht in einer verwunschenen Gründerzeitvilla mit Garten. Berühmt sind die Forschungen zur ursprünglichen Farbigkeit antiker Statuen („Bunte Götter“).
- Deutsches Filmmuseum (DFF) – Geschichte, Technik und Magie des Kinos zum Anfassen, mit einem eigenen Programmkino im Haus. Die Dauerausstellung kostet 8 Euro (ermäßigt 4), Sonderausstellungen 15 Euro (ermäßigt 10, Stand 2026). Mehr dazu in meinem ausführlichen Beitrag zum Filmmuseum.
- Museum für Kommunikation – vom Postkutschenhorn bis zur digitalen Vernetzung; besonders familienfreundlich mit vielen Mitmachstationen. Details im eigenen Artikel zum Museum für Kommunikation.
- Museum Angewandte Kunst – Design, Mode, Buchkunst und Kunsthandwerk aus Europa und Asien im lichten Meier-Bau. Wechselnde, oft überraschend gegenwartsnahe Ausstellungen; mehr im Beitrag zum Museum Angewandte Kunst.
- Museum der Weltkulturen – Völkerkunde und außereuropäische Kulturen, mit einem klaren Fokus auf zeitgenössische Perspektiven statt verstaubter Vitrinen. Ausführlich im Weltkulturen-Artikel.
- Deutsches Architekturmuseum (DAM) – für alle, die sich für Bauen und Stadt begeistern. Das Ungers-Stammhaus am Schaumainkai wird derzeit grundlegend saniert; das Programm läuft an einem Ausweichstandort weiter. Prüfen Sie vor dem Besuch kurz, wo das DAM gerade zu finden ist.
- Museum Giersch – regionale Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts in einer eleganten Mainufervilla am westlichen Ende der Meile, getragen von der Goethe-Universität.
- Ikonenmuseum – orthodoxe Sakralkunst, eine der bedeutendsten Sammlungen dieser Art in Deutschland, etwas versteckt hinter der Meile.
- Bibelhaus Erlebnis Museum – die Welt der Bibel lebendig und interaktiv erzählt, gut für Familien.
Dazu kommen kleinere Häuser wie der Portikus, eine Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst auf der Maininsel, und das Hindemith Kabinett im mittelalterlichen Kuhhirtenturm. Es ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei.
Das Städel: das Herzstück der Meile
Wenn ein Haus das Museumsufer krönt, dann das Städel Museum. Gegründet 1815 als Stiftung des Bankiers Johann Friedrich Städel, gilt es als die älteste und renommierteste Museumsstiftung Deutschlands. Die Sammlung spannt einen fast lückenlosen Bogen über mehr als 700 Jahre europäischer Kunst – vom frühen 14. Jahrhundert bis in die Gegenwart, von Botticelli und Vermeer über Tischbeins berühmtes Goethe-Porträt bis zu Beckmann, Richter und der Kunst von heute.
Das Wichtigste für die Planung (Stand 2026):
- Adresse: Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main.
- Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr, montags geschlossen.
- Eintritt: Erwachsene 19 Euro, ermäßigt 17 Euro, Familienkarte 30 Euro, Kinder unter 12 Jahren frei.
- Tuesday Special: Jeden Dienstag von 15 bis 18 Uhr Sammlung und Sonderausstellungen für 10 Euro – mein Spartipp.
- Anreise: U-Bahn U1/U2/U3/U8 bis Schweizer Platz, dann fünf Minuten zu Fuß, oder Tram 15/16 bis Otto-Hahn-Platz.
Buchen Sie gerade zu großen Sonderausstellungen ein Online-Zeitfenster vorab, dann sparen Sie sich die Schlange. Und nehmen Sie sich Zeit: In einer Stunde ist das Städel nicht zu schaffen. Wie Sie den Besuch im Detail planen, lesen Sie in meinem ausführlichen Städel-Guide.
Das Nordufer und die Altstadt
Der Name „Museumsufer“ führt ein wenig in die Irre, denn auch das nördliche, innenstadtseitige Mainufer und die angrenzende Altstadt gehören dazu. Hier finden Sie vor allem die stadtgeschichtlichen und die zeitgenössischen Häuser:
- Jüdisches Museum im Rothschild-Palais am Untermainkai, nach umfassender Erweiterung 2020 wiedereröffnet – eine der wichtigsten Adressen zur jüdischen Geschichte Frankfurts. Mehr im Beitrag zum Jüdischen Museum.
- Historisches Museum Frankfurt direkt am Römer, mit einem 2017 eröffneten Neubau und einem liebevoll gestalteten Blick auf die Stadtgeschichte. Details im Artikel zum Historischen Museum.
- Schirn Kunsthalle am Römerberg – keine feste Sammlung, dafür große, oft aufsehenerregende Wechselausstellungen.
- MMK Museum für Moderne Kunst – Gegenwartskunst im markanten „Tortenstück“ von Hans Hollein, eines der bedeutendsten Häuser seiner Art in Deutschland.
Nur wenige Schritte landeinwärts liegen außerdem das Archäologische Museum im ehemaligen Karmeliterkloster und das Caricatura Museum für Komische Kunst im Leinwandhaus – beide keine hundert Meter vom Ufer entfernt und schnell in einen Museumstag eingebaut.
Ein Ticket für vieles: MuseumsuferTicket, MuseumsuferCard & Co.
Wer mehr als ein Haus besuchen will, sollte die Kombiangebote kennen. Sie öffnen die Türen zu gut drei Dutzend teilnehmenden Museen – am Ufer und in der ganzen Stadt:
- MuseumsuferTicket: gilt an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Erwachsene 21 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familie 32 Euro (Stand 2026). Ideal für ein langes Wochenende, an dem Sie mehrere Häuser sehen wollen.
- MuseumsuferCard: die Jahreskarte für Vielbesucher – ein ganzes Jahr freier Eintritt in 37 Museen. Einzelperson 89 Euro, ermäßigt 45 Euro, Familie 150 Euro (Stand 2026).
- Frankfurt Card: die touristische Karte für ein oder zwei Tage bringt Ermäßigungen in vielen Museen und ist mit dem Nahverkehr kombiniert – praktisch, wenn Sie ohnehin viel mit U-Bahn und Tram unterwegs sind.
Ein ehrlicher Hinweis: Bei manchen großen Sonderausstellungen mit internationalen Leihgaben gelten Einschränkungen, hier kann ein Aufpreis oder ein gesondertes Ticket nötig sein. Und noch ein Familientipp: An jedem letzten Samstag im Monat, dem „Satourday“, gibt es in den städtischen Museen freien Eintritt für Kinder und ein eigenes Mitmachprogramm.
Das Museumsuferfest
Der wohl größte Tag des Jahres am Ufer ist das Museumsuferfest, das seit 1988 jedes Jahr am letzten Augustwochenende stattfindet. Drei Tage lang verwandeln sich beide Mainufer in eine riesige Bühne: Musik auf Dutzenden von Bühnen, Stände aus aller Welt, verlängerte Öffnungszeiten der Museen und am Sonntagabend ein großes Feuerwerk über dem Fluss. Hunderttausende feiern hier – es ist Frankfurts größtes Kulturfest. Wer in dieser Zeit in der Stadt ist, sollte unbedingt vorbeischauen, sich aber auf Gedränge einstellen. Danach lockt gleich nebenan das alte Sachsenhausen mit seinen Apfelweinlokalen zur Stärkung.
Mein Vorschlag für einen Museumstag
Der häufigste Fehler ist, möglichst viele Häuser an einem Tag „abzuarbeiten“. Das überfordert und macht keine Freude. Mein Rat: Suchen Sie sich ein Hauptmuseum und ein kleineres Nachbarhaus aus, und lassen Sie den Main den Rest erledigen.
So sähe mein Tag aus: Vormittags einen Kaffee in der Altstadt, dann zu Fuß über den Eisernen Steg – schon der Weg mit Blick auf die Skyline stimmt ein. Drüben starte ich frisch im Städel, wenn die Konzentration noch hoch ist, und plane dort gut zwei Stunden ein. Danach entweder nebenan ins Liebieghaus zu den Skulpturen oder ins Filmmuseum, je nach Laune. Zum Mittag ein Imbiss oder ein Eis am Ufer, dann ein langsamer Spaziergang die Uferpromenade entlang; an vielen Samstagen breitet sich hier der beliebte Flohmarkt aus, und der Blick auf die Türme der Bankenskyline ist gratis. Wer noch Energie hat, hängt das Museum für Kommunikation oder die Weltkulturen an. Und zum Abschluss geht es hinüber ins alte Sachsenhausen auf einen Bembel Apfelwein.
Das Museumsufer ist für mich der beste Beweis dafür, dass Frankfurt viel mehr ist als Banken und Flughafen. Nirgends sonst können Sie an einem Nachmittag von der Renaissance ins Kino, vom Design zur Ethnologie und wieder zurück an den Fluss spazieren. Verzetteln Sie sich nicht, wählen Sie bewusst aus, nutzen Sie die Kombitickets – und gönnen Sie sich dazwischen den Blick aufs Wasser. Dann wird die Museumsmeile zu genau dem, was sich Hilmar Hoffmann einst erträumt hat: Kultur, die Freude macht.
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