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Sehenswürdigkeiten

Jüdisches Museum Frankfurt: Tickets & Öffnungszeiten

Zwei Häuser, eine große Geschichte: das Rothschild-Palais am Museumsufer und das Museum Judengasse über den Fundamenten des alten Ghettos. Was Sie erwartet, was der Eintritt kostet und wann Sie kostenlos hineinkommen.

Katharina Vogt
Katharina Vogt
19. Juni 2026 akt. 2. August 2026
Am Museumsufer in Frankfurt, wo das Jüdische Museum liegt

Manche Museen besucht man wegen einer einzelnen Ausstellung. Ins Jüdische Museum Frankfurt gehe ich, weil es die Geschichte meiner Stadt erzählt wie kein anderer Ort – über mehr als 800 Jahre und an zwei Häusern, die nur ein Fußweg voneinander trennt. Das eine steht als vornehmes Palais am Museumsufer, das andere über den freigelegten Mauern des mittelalterlichen Ghettos, mitten im heutigen Geschäftsviertel. Zusammen ergeben sie das, was diesen Ort so besonders macht: Sie zeigen jüdisches Leben nicht als abgeschlossenes Kapitel, sondern als selbstverständlichen Teil dieser Stadt – von der frühen Neuzeit bis heute.

Das Jüdische Museum Frankfurt gilt als das älteste eigenständige jüdische Museum der Bundesrepublik. Eröffnet wurde es 1988, ein halbes Jahrhundert nach der Zerstörung der Frankfurter Synagogen in der Pogromnacht. Wer sich darauf einlässt, verlässt es mit einem anderen Blick auf die Stadt – auf die Namen der Straßen, auf die Rothschilds, auf die leeren Stellen im Stadtbild, an denen einmal etwas gestanden hat.

Das Rothschild-Palais am Museumsufer

Der Hauptsitz liegt am Bertha-Pappenheim-Platz 1 am nördlichen Mainufer, dort, wo die Reihe der großen Museen beginnt. Untergebracht ist er in einem klassizistischen Palais am Untermainkai, das einst der Familie Rothschild gehörte – daher der Name. Schon das Gebäude erzählt also von jenem Aufstieg, der im Zentrum der Ausstellung steht: von einer Familie aus der engen Judengasse zu einer der einflussreichsten Bankdynastien Europas.

2020 hat das Museum nach jahrelangem Umbau wiedereröffnet und dabei einen hellen, gläsernen Anbau bekommen, den Lichtbau. Er nimmt heute das Foyer, das Café und den Museumsshop der Literaturhandlung auf und verbindet den historischen Palais mit einem modernen Eingang. Der Kontrast gefällt mir: außen die strenge Fassade des 19. Jahrhunderts, innen viel Licht und Platz zum Ankommen.

Herzstück ist die Dauerausstellung „Wir sind Jetzt. Jüdisches Frankfurt von der Aufklärung bis zur Gegenwart”. Sie setzt um 1800 ein, als Frankfurt zu einem der bedeutendsten Zentren jüdischen Lebens in Europa wurde, und führt bis in unsere Zeit. Man begegnet den großen Bürgerfamilien, dem religiösen und kulturellen Leben, den Brüchen der NS-Zeit und dem Neuanfang danach – erzählt mit Kunst, Judaica, Dokumenten, Fotografien und vielen persönlichen Dingen, die die abstrakte Geschichte plötzlich sehr nah wirken lassen.

Besonders berührt hat mich das Familie-Frank-Zentrum. Anne Frank wurde 1929 in Frankfurt geboren, ihre Familie hatte hier tiefe Wurzeln, bevor sie in die Niederlande emigrierte. Das Zentrum bewahrt den Nachlass der Familie und macht sie als Frankfurter Familie greifbar – jenseits des berühmten Tagebuchs. Wer Kinder oder Jugendliche dabei hat, findet hier einen sehr zugänglichen Zugang zu einem schweren Thema.

Museum Judengasse: die Stadt unter der Stadt

Der zweite Standort liegt gut 15 Gehminuten entfernt in der Battonnstraße 47, unweit der Konstablerwache. Von außen ein nüchterner Bau der 1980er-Jahre – doch im Inneren betreten Sie das archäologische Fundament der Frankfurter Judengasse, des ältesten jüdischen Ghettos Europas.

Die Geschichte dieses Ortes ist auch eine Geschichte des Erinnerns selbst. 1987 stieß man bei Bauarbeiten für ein städtisches Gebäude am Börneplatz auf die Grundmauern der alten Gasse. Es entbrannte ein heftiger öffentlicher Streit darüber, ob man die Funde erhalten oder überbauen solle. Am Ende setzte sich die Bewahrung durch: Über den Fundamenten von fünf Häusern entstand das Museum, das heute den jüdischen Alltag der frühen Neuzeit zeigt.

Ab dem 15. Jahrhundert mussten die Frankfurter Juden hier, in einer einzigen langen und engen Gasse, außerhalb der übrigen Stadt leben – zeitweise mehr als 3.000 Menschen auf engstem Raum, hinter Toren, die nachts verschlossen wurden. Die Ausstellung macht diese Enge und zugleich die Lebendigkeit dieser Welt spürbar: Man sieht die freigelegten Keller und Brunnen, ein rituelles Bad, und erfährt, wie Handel, Familie, Religion und Gelehrsamkeit auf so wenig Platz nebeneinander bestanden. Aus dieser Gasse stammten übrigens auch die Rothschilds; ihr Name geht auf ein altes Hauszeichen, das „rote Schild”, zurück. Wer beide Häuser besucht, sieht plötzlich den roten Faden zwischen ihnen.

Der alte Friedhof und die Namen am Börneplatz

Gleich neben dem Museum Judengasse liegen zwei Orte, die ich niemandem vorenthalten möchte, auch wenn sie kein „Programm” im üblichen Sinne sind. Der Alte Jüdische Friedhof an der Battonnstraße ist einer der ältesten jüdischen Friedhöfe Europas; er war über Jahrhunderte in Gebrauch und steht für rund 800 Jahre jüdische Geschichte in Frankfurt. Betreten kann man ihn regulär nur im Rahmen der Führungen des Museums – eine stille, sehr eindrückliche Stunde.

An der Mauer entlang zieht sich die Gedenkstätte Neuer Börneplatz. In die Steinmauer sind knapp 12.000 kleine Blöcke eingelassen, jeder mit dem Namen eines Frankfurter Juden oder einer Frankfurter Jüdin, die in der Schoa ermordet wurden. Viele Besucher legen nach jüdischem Brauch einen kleinen Stein auf einen der Blöcke. Man geht diese Mauer langsam ab, liest Namen, Geburtsjahre, und begreift, dass hinter jeder abstrakten Zahl ein einzelner Mensch aus dieser Stadt stand. Nehmen Sie sich hier bewusst ein paar Minuten – es ist der Ort, der am längsten nachhallt.

Öffnungszeiten und Eintritt (Stand 2026)

Beide Häuser haben zu denselben Zeiten geöffnet:

  • Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
  • Donnerstag: die Wechselausstellung im Rothschild-Palais bleibt bis 20 Uhr geöffnet
  • Montag: geschlossen

Bei den Preisen lohnt sich ein genauer Blick, denn ein Ticket deckt oft mehr ab, als man denkt (Stand 2026):

  • Museumsticket (Dauerausstellung im Rothschild-Palais + Museum Judengasse): 12 Euro, ermäßigt 6 Euro
  • Kombiticket (Museum + Wechselausstellung): 14 Euro, ermäßigt 7 Euro
  • Nur Wechselausstellung: 7 Euro
  • Familienkarte: 20 Euro
  • Museum Judengasse einzeln: 6 Euro, ermäßigt 3 Euro
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: frei
  • Frankfurt-Pass / Kulturpass: 1 Euro

Der entscheidende Punkt: Das reguläre Museumsticket für 12 Euro gilt für beide Häuser. Wenn Sie also ohnehin beide sehen möchten – und das empfehle ich –, brauchen Sie kein zweites Ticket. Zwei schöne kostenlose Gelegenheiten gibt es obendrein: An jedem letzten Samstag im Monat („Satourday”) ist der Eintritt frei, und an Ihrem Geburtstag kommen Sie in jedem Alter kostenlos hinein. Da sich Preise und die Öffnung an Feiertagen ändern können, lohnt vor einem gezielten Besuch ein kurzer Blick auf juedischesmuseum.de.

Anreise und der Weg zwischen den Häusern

Beide Standorte liegen zentral und sind ohne Auto am besten zu erreichen. Zum Rothschild-Palais am Untermainkai bringt Sie die U-Bahn zum Willy-Brandt-Platz; direkt am Ufer hält außerdem die Straßenbahn (Linien 11 und 12, Haltestelle Untermainbrücke). Vom Bahnhofsviertel oder der Altstadt sind es nur wenige Minuten zu Fuß. Das Museum Judengasse liegt einen Steinwurf von der Konstablerwache entfernt, dem großen S- und U-Bahn-Knoten am östlichen Rand der Innenstadt.

Am schönsten verbinden Sie die beiden Häuser aber ohnehin zu Fuß. Der Weg von der Battonnstraße zum Mainufer führt mitten durch die Altstadt, am Römer und am Dom vorbei – planen Sie dafür ruhig etwas mehr Zeit ein, und lesen Sie vorab meinen historischen Spaziergang durch die Frankfurter Altstadt. Wer am Ufer ankommt, steht ohnehin schon am Beginn des Museumsufers mit dem Städel, und für eine weitere stadtgeschichtliche Ebene passt das Historische Museum am Römerberg hervorragend dazu.

So würde ich den Besuch angehen

Wenn Sie einen halben Tag haben, beginnen Sie im Museum Judengasse, solange Sie noch aufnahmefähig sind – die frühe Geschichte, die Enge der Gasse und danach die stillen Minuten am Friedhof und an der Namenmauer verlangen Konzentration. Von dort spazieren Sie durch die Altstadt hinunter zum Main und lassen den Besuch im Rothschild-Palais ausklingen, wo die Geschichte in der Gegenwart ankommt. So erleben Sie den zeitlichen Bogen in der richtigen Richtung: vom Ghetto zur emanzipierten Bürgergesellschaft, vom Bruch der NS-Zeit bis zu der schlichten, trotzigen Feststellung, die dem großen Haus seinen Titel gibt – „Wir sind Jetzt”.

Es ist kein leichter Besuch, und das soll er auch nicht sein. Aber es ist einer, der bleibt. Nehmen Sie sich Zeit, lesen Sie die Namen, und Sie werden Frankfurt danach ein Stück genauer verstehen – als eine Stadt, deren jüdische Geschichte nicht am Rand steht, sondern mitten in ihr.

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