Städel Museum Frankfurt: Tickets, Öffnungszeiten & Highlights
Deutschlands älteste Museumsstiftung, gegründet 1815 von einem Frankfurter Bankier: Was Sie im Städel erwartet, welche Meisterwerke Sie nicht verpassen dürfen – und wie Sie mit dem Dienstag-Spezial günstig hineinkommen.
Wenn mich Besucher fragen, welches Museum sie in Frankfurt auf keinen Fall auslassen sollten, muss ich nie lange überlegen: das Städel. Es steht am Schaumainkai, dem Sachsenhausener Mainufer, mitten auf dem berühmten Museumsufer, und versammelt hinter seiner klassizistischen Fassade rund 700 Jahre europäische Kunst – vom mittelalterlichen Goldgrund bis zur Gegenwart. Kaum ein anderes Haus in Deutschland spannt diesen Bogen so vollständig. Ich komme seit Jahren immer wieder her, und jedes Mal entdecke ich in den stillen Seitenkabinetten ein Bild, das ich vorher übersehen hatte.
Ein einzelner Bürger stiftete das älteste Museum seiner Art
Das Städel verdankt seine Existenz keinem Fürsten und keinem König, sondern einem einzelnen Frankfurter Bankier. Als Johann Friedrich Städel 1815 starb, vermachte er sein gesamtes Vermögen samt Kunstsammlung einer Stiftung, die allen Bürgern offenstehen sollte. Damit ist das Städel die älteste Museumsstiftung Deutschlands – und bis heute eine private Stiftung, getragen von Frankfurter Bürgern, Mäzenen und einem außergewöhnlich aktiven Freundeskreis. Diesen Gründungsgeist spürt man im ganzen Haus: Das Städel gehört nicht dem Staat, es gehört im besten Sinne der Stadt.
Das klassizistische Haupthaus wurde seit dem 19. Jahrhundert mehrfach erweitert. Den spektakulärsten Zuwachs brachte 2012 der Neubau unter dem Garten – dazu später mehr, denn er ist ein Erlebnis für sich.
700 Jahre in chronologischer Reihe: die alten Meister
Die Sammlung ist chronologisch geordnet, und genau das macht den Rundgang so schön: Sie wandern buchstäblich durch die Jahrhunderte. Insgesamt umfasst der Bestand rund 3.000 Gemälde, 600 Skulpturen, über 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken sowie eine große Fotosammlung – man sieht selbstverständlich immer nur einen Ausschnitt, aber was in den Sälen der alten Meister hängt, kennt man sonst nur aus Kunstbänden.
Mein erster Weg führt fast immer zu Sandro Botticellis „Idealbildnis einer Dame“ (um 1480), dem sogenannten Bildnis der Simonetta Vespucci als Nymphe – ein Profil von solcher Klarheit, dass es fast aus der Wand zu treten scheint. Wenige Räume weiter hängt Jan Vermeers „Der Geograph“ (1669), eines von nur rund drei Dutzend gesicherten Vermeer-Gemälden weltweit; das Licht, das durch das Fenster auf den Gelehrten fällt, ist unvergleichlich. Dazu kommen Rembrandts monumentale „Blendung Simsons“ (1636) sowie Tafeln von Albrecht Dürer und Lucas Cranach dem Älteren.
Und natürlich das heimliche Wahrzeichen des Hauses: Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins „Goethe in der Campagna“ (1787), das wohl berühmteste Porträt des Dichters überhaupt – Goethe hingelagert in der römischen Landschaft, ein Bild, das halb Deutschland vom Sehen kennt, ohne zu wissen, dass es in Frankfurt hängt.
Von Monet bis Beckmann: Impressionismus und Moderne
Weiter im Rundgang wird die Luft heller. Das Städel besitzt eine feine Sammlung des französischen Impressionismus: Claude Monets „Das Mittagessen“ hängt hier, dazu Werke von Auguste Renoir und Edgar Degas. Es ist eine der wenigen Gelegenheiten in Deutschland, diese Maler außerhalb von Paris so konzentriert zu sehen.
Besonders stark ist das Haus in der klassischen Moderne. Max Beckmann, der in den 1920er-Jahren in Frankfurt lebte und lehrte, ist hier mit herausragenden Werken vertreten; dazu kommen Ernst Ludwig Kirchner, Franz Marc mit dem leuchtenden „Liegenden Hund im Schnee“ und Pablo Picasso. Wer sich für den Umbruch zwischen dem 19. und dem 20. Jahrhundert interessiert, findet im Städel eine der dichtesten Erzählungen dieser Zeit.
Die Gartenhallen: Gegenwartskunst unter einem Rasenhügel
Und dann die Gartenhallen – für mich der eigentliche Coup des Hauses. 2012 hat das Frankfurter Architekturbüro schneider+schumacher unter dem alten Museumsgarten eine rund 3.000 Quadratmeter große Halle für die Gegenwartskunst gegraben. Von oben sieht man davon fast nichts: nur einen sanft gewölbten, grasbewachsenen Hügel, aus dem 195 kreisrunde Oberlichter wie Bullaugen herausschauen. Unten tauchen genau diese Lichtpunkte den fensterlosen, stützenfreien Raum in ein weiches, gleichmäßiges Tageslicht.
Hier zeigt das Städel seine Sammlung Gegenwartskunst: Gemälde von Gerhard Richter und Francis Bacon, Skulpturen von Alberto Giacometti, dazu Fotografie – unter anderem des in Frankfurt aufgewachsenen Wolfgang Tillmans. Der Abstieg aus den historischen Sälen in diese lichtdurchflutete Unterwelt ist einer der schönsten Momente eines Städel-Besuchs; allein wegen dieses Raums lohnt sich das Haus.
Die großen Sonderausstellungen
Neben der Dauerausstellung ist das Städel für seine Sonderausstellungen berühmt, die regelmäßig internationale Aufmerksamkeit erhalten – in den vergangenen Jahren etwa zu Monet, Rembrandt, Tizian oder Vincent van Gogh. Für Herbst 2026 ist unter anderem die Schau „Maria Magdalena“ angekündigt (ab 17. September 2026). Weil das Programm ständig wechselt, lohnt vor dem Besuch immer ein Blick auf das aktuelle Programm; ein Frühbucher-Ticket ist für die großen Ausstellungen oft günstiger als der Kauf vor Ort.
Vorbereiten mit App, Digitorial und Audioguide
Das digitale Angebot des Städel ist umfangreich – und komplett kostenlos. Die App „Städel Highlights“ funktioniert als Audioguide und führt Sie durch die wichtigsten Werke von Mittelalter bis Gegenwart, sodass Sie sich einen kostenpflichtigen Guide vor Ort sparen können. Zu jeder großen Ausstellung erscheint zudem ein Digitorial: eine kostenlose, interaktive Online-Einführung, die Sie schon von zu Hause aus durcharbeiten können. Das nimmt vor Ort viel Gedränge vor den Erklärtafeln weg und macht den Besuch spürbar entspannter. Und wer ein bestimmtes Bild sucht, findet es in der Digitalen Sammlung unter sammlung.staedelmuseum.de, wo sich die 700 Jahre Bestände online durchstöbern lassen.
Preise, Öffnungszeiten und der Dienstag-Spezial
Geöffnet ist das Städel Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, donnerstags sogar bis 21 Uhr; montags bleibt das Haus geschlossen (Stand 2026). Den langen Donnerstagabend mag ich besonders: Nach 18 Uhr wird es merklich ruhiger, und man hat manche Säle fast für sich.
Beim Eintritt sollten Sie folgende Preise einplanen (Stand 2026):
- Erwachsene: 19 Euro
- Ermäßigt: 17 Euro
- Familienticket: 30 Euro
- Kinder unter 12 Jahren: freier Eintritt
- Dienstag-Spezial (dienstags ab 15 Uhr): ab 10 Euro ins ganze Haus
Mein wichtigster Spartipp ist der Dienstag-Spezial: Wer flexibel ist, besucht die Sammlung und die Sonderausstellungen dienstags nach 15 Uhr zum reduzierten Preis. Entsprechend beliebt ist dieser Zeitraum – kaufen Sie Ihr Zeitfenster-Ticket am besten vorab online, dann sparen Sie sich an vollen Tagen das Anstehen. Preise und Zeiten können sich ändern; im Zweifel hilft ein kurzer Blick auf staedelmuseum.de vor der Anreise.
Anreise ans Museumsufer
Das Städel liegt am Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main, am Sachsenhausener Ufer des Mains. Am bequemsten kommen Sie mit der U-Bahn: Von der Station Schweizer Platz (U1/U2/U3/U8) sind es wenige Minuten zu Fuß, außerdem halten mehrere Buslinien direkt am Museumsufer. Vom Römer in der Altstadt aus empfehle ich den Fußweg über den Eisernen Steg – die Skyline im Rücken und das Mainufer vor sich ist der schönste Anmarsch, den man sich denken kann. Mit dem Auto wird es im dicht bebauten Sachsenhausen eng; lassen Sie den Wagen lieber stehen.
Das Beste am Standort: Das Städel ist nur ein Baustein des Museumsufers, auf dem sich am Sachsenhausener Ufer über ein Dutzend Häuser aneinanderreihen. Wer nach dem Städel noch Energie hat, steht in fünf Gehminuten vor dem nächsten Museum. Und wenn der Kunsthunger gestillt ist, lockt das umliegende Viertel: In Sachsenhausen mit Apfelwein und Grüner Soße sitzen Sie schnell bei einer wohlverdienten Pause. Nicht umsonst zählt das Städel zu den 15 Top-Sehenswürdigkeiten Frankfurts.
Mein Rundgang für einen halben Tag
Wenn Freunde mich um einen Plan bitten, empfehle ich das: Nehmen Sie sich mindestens zwei bis drei Stunden. Beginnen Sie oben bei den alten Meistern, solange Sie frisch und aufmerksam sind – erst Botticelli und Vermeer, dann Rembrandt und Tischbeins Goethe. Arbeiten Sie sich chronologisch vor zu Monet, Renoir und Beckmann. Steigen Sie danach hinab in die Gartenhallen; der Wechsel vom historischen Oberlicht zum modernen Lichtpunktehimmel wirkt wie ein Szenenwechsel im Theater. Legen Sie zwischendurch eine Pause im Café ein, bevor die Konzentration nachlässt – Kunstschauen ist anstrengender, als man denkt.
Das Städel ist kein Ort, den man abhakt. Es ist ein Haus, in das man wiederkommt und das man an einem grauen Sonntag genauso liebt wie im Trubel einer großen Sonderausstellung. Laden Sie sich vorab die App herunter, kommen Sie am Dienstagnachmittag oder am langen Donnerstag und lassen Sie sich Zeit. Nach dem ersten Besuch verstehen Sie, warum die Frankfurter auf ihr Bürgermuseum so stolz sind – und warum es für so viele der Höhepunkt ihrer Reise bleibt.
Weiterlesen
Sehenswürdigkeiten
Das Museumsufer & Städel: Frankfurts Museumsmeile
Frankfurts Museumsufer im Überblick: gut drei Dutzend Museen am Main – vom Städel über das Filmmuseum bis zu den Weltkulturen. Mit MuseumsuferTicket, MuseumsuferCard, Museumsuferfest und meiner Route für einen entspannten Museumstag.
Sehenswürdigkeiten
Museum für Kommunikation Frankfurt: Behnisch-Bau, Tickets & Tipps
Der gläserne Behnisch-Bau am Museumsufer, Nam June Paiks Roboter „Pre-Bell-Man“ und Mitmachstationen für Kinder: Eintritt, Öffnungszeiten und Tipps fürs Museum für Kommunikation Frankfurt.
Sehenswürdigkeiten
Weltkulturen Museum Frankfurt: Sammlung, Ausstellungen & Tipps
Das Weltkulturen Museum am Schaumainkai: die ethnologische Sammlung mit rund 65.000 Objekten, das Prinzip der wechselnden Ausstellungen, Öffnungszeiten, Eintritt und Tipps einer Einheimischen.
Sehenswürdigkeiten
Museen für Kinder in Frankfurt: Die besten für Familien
Die kinderfreundlichsten Museen Frankfurts im Überblick: Senckenberg mit Dinosauriern, das Mitmach-Center Experiminta, das Junge Museum am Saalhof, das Filmmuseum und das Struwwelpeter-Museum – mit geprüften Preisen und Adressen (Stand 2026).