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Sehenswürdigkeiten

Museum Angewandte Kunst Frankfurt: Sammlung, Villa Metzler & Besuch

Ein strahlend weißer Meier-Bau, eine klassizistische Villa, europäisches Kunsthandwerk neben ostasiatischer Lackkunst – warum das Museum Angewandte Kunst am Schaumainkai mein liebstes unterschätztes Haus am Museumsufer ist.

Katharina Vogt
Katharina Vogt
27. Juni 2026 akt. 2. August 2026
Design und Kunsthandwerk im Museum Angewandte Kunst

Das weiße Gebäude fällt sofort auf, wenn man am Sachsenhäuser Mainufer entlanggeht: streng, hell, fast schwebend zwischen den alten Bäumen am Schaumainkai. Viele Spaziergänger halten es für ein elegantes Bürohaus und laufen weiter zum Städel. Dabei verbirgt sich hinter der kühlen Fassade eines der spannendsten – und am häufigsten übersehenen – Häuser des Museumsufers: das Museum Angewandte Kunst. Ich komme seit Jahren gern hierher, gerade weil es nie so voll ist wie die großen Namen nebenan, und weil man hier etwas begreift, das man in Frankfurt sonst selten bewusst ansieht. Nämlich wie viel Gestaltung, Können und Geschichte in den Dingen steckt, die uns täglich umgeben – vom mittelalterlichen Silberpokal bis zur Braun-Kaffeemaschine, die Dieter Rams entworfen hat.

Zwei Häuser, die miteinander sprechen

Das Besondere an diesem Museum beginnt schon vor der Tür, denn es besteht eigentlich aus zwei Gebäuden, die einen Dialog über fast zwei Jahrhunderte führen. Da ist zum einen die Villa Metzler, ein klassizistisches Sommerhaus von 1804, ursprünglich für den Apotheker Peter Salzwedel errichtet: quadratischer Grundriss, drei Geschosse, fünf Fensterachsen pro Seite, ganz im französisch geprägten Stil der Zeit. Keine fünfzig Jahre später kaufte der Bankier Georg Friedrich Metzler das Anwesen und gab ihm seinen bis heute gebräuchlichen Namen.

Und da ist zum anderen der große weiße Neubau, den der amerikanische Architekt Richard Meier entwarf und der 1985 eröffnet wurde. Meier, einer der einflussreichsten Museumsarchitekten des 20. Jahrhunderts, machte die alte Villa nicht etwa nieder oder stellte sie in den Schatten – er nahm ihre Maße und ihr Raster als Grundmodul und ließ daraus einen lichten, gerasterten Baukörper wachsen, der sich mit großen Glasflächen zum Park und zum Main hin öffnet. Wer durch die weißen Rampen und Galerien geht, spürt, wie das Tageslicht zum Baumaterial wird. Für mich ist dieser Gang durch die hellen Räume schon fast so schön wie die Ausstellungen selbst – und er ist ein Grund, warum das Haus auch bei einem kurzen Spaziergang über das Museumsufer einen Stopp verdient.

Eine Sammlung von Dingen, die benutzt wurden

Der Name ist Programm: Es geht hier um angewandte Kunst – also um alles, was Form und Funktion verbindet. Keine Gemälde an der Wand, sondern Objekte, die Menschen hergestellt, benutzt, geschätzt und weitergegeben haben. Die Sammlung umfasst mehrere zehntausend Stücke und reicht vom Mittelalter bis in die Gegenwart, was das Haus zu einer der bedeutendsten Adressen für Gestaltung in Deutschland macht.

Das europäische Kunsthandwerk bildet das historische Rückgrat: Keramik und Fayence, Glas, Silber- und Goldschmiedearbeiten, Emailkunst, Möbel und Textilien aus Mittelalter, Renaissance, Barock und den folgenden Jahrhunderten. Wer gern genau hinsieht, entdeckt hier die Feinheiten, die man auf Fotos nie erfasst – die Gravur eines Pokals, die Glasur einer Fayenceschale, die Intarsien eines Barockschranks.

Genauso stark ist die Abteilung für modernes Design, und das ist es, was das Museum aus meiner Sicht so lebendig macht. Hier stehen Möbel, Geschirr, Besteck und Alltagsgegenstände der industriellen Produktion aus dem 20. und 21. Jahrhundert – von der Espressomaschine bis zum Bürostuhl. Zwei feste Stilräume sind besonders sehenswert: einer widmet sich Dieter Rams, dessen nüchtern-klare Braun-Geräte das internationale Designverständnis geprägt haben, ein zweiter dem Architekten Richard Meier selbst. Dazu kommen die Buchkunst – von illuminierten mittelalterlichen Handschriften über frühe Wiegendrucke bis zu Künstlerbüchern und Einbänden – und eine eigene Sammlung Grafikdesign mit Plakaten, Schrift- und Papiermustern sowie zeitgenössischer Buchgestaltung. Es ist eine seltene Gelegenheit, Alltagsdinge einmal so ernst genommen zu sehen, wie sie es verdienen.

Ostasien und der islamische Orient: die stillen Schätze

Was viele Besucher überrascht: Dieses Frankfurter Haus besitzt eine ausgesprochen reiche außereuropäische Sammlung, die Jahrtausende umspannt. Die Asien-Abteilung reicht vom Neolithikum bis in die Gegenwart und legt ihren Schwerpunkt auf Ostasien und den Nahen Osten. Zu den Beständen zählen chinesische Keramik, japanische Malerei sowie Buch- und Holzschnittkunst und die kostbare ostasiatische Lackkunst, deren tiefe, spiegelnde Oberflächen im Meier-Licht besonders wirken.

Ebenso vertreten ist die buddhistische Bildhauerei aus China und Thailand – und, oft unerwähnt, ein feiner islamischer Bestand mit Keramik, Metallkunst und Textilien aus dem Iran. Diese Sammlungsteile sind selten alle gleichzeitig zu sehen, weil das Haus seine Räume regelmäßig neu bespielt; unter dem Titel „meet asian art” rücken die ostasiatischen Objekte immer wieder in wechselnden Zusammenstellungen in den Mittelpunkt. Genau das ist der Reiz: Man sieht bei jedem Besuch etwas anderes.

Neun Stilräume in der Villa Metzler

Meine persönliche Empfehlung ist, sich für die Villa Metzler bewusst Zeit zu nehmen, denn viele Gäste bleiben nur im weißen Neubau. Seit 2009 zeigt die Villa neun Stilräume, die historische Wohnkultur vom Barock bis zum Jugendstil erlebbar machen. Aus den eigenen Sammlungen des Museums wurden hier ganze Wohn-Ensembles nachgestellt: Möbel, Porzellan, Teppiche, Gemälde, Fotografien und Accessoires, die zeigen, wie großbürgerliche und adelige Haushalte über die Jahrhunderte tatsächlich eingerichtet waren.

Es ist eine ganz andere Erfahrung als eine Vitrine – man steht in einem Raum, der wirkt, als hätten die Bewohner ihn gerade eben verlassen. Wer sich für Wohngeschichte, Handwerk oder Antiquitäten interessiert, verbringt hier schnell eine halbe Stunde, ohne es zu merken. Und man versteht danach den Meier-Bau besser: Erst im Kontrast zur alten Villa erschließt sich, wie radikal modern der weiße Neubau 1985 gewirkt haben muss.

Ausstellungen mit Haltung

Was das Museum Angewandte Kunst über ein reines Schatzhaus hinaushebt, sind seine konzeptstarken Sonderausstellungen. Sie greifen nicht bloß historische Themen auf, sondern stellen Fragen an die Gegenwart – zu Design, Mode, Handwerk, Grafik und digitaler Kultur. Im Jahr 2026 liefen hier etwa Schauen wie „Design for Democracy”, die untersuchte, wie Gestaltung demokratische Prozesse prägt, sowie „On Display: Wie Grafikdesign uns gestaltet” (Stand 2026). Solche Ausstellungen sind der Grund, warum ich immer wieder komme: Man verlässt das Haus mit einem anderen Blick auf die Welt vor der Tür.

Weil das Programm ständig wechselt, lohnt sich vor der Anreise ein kurzer Blick auf museumangewandtekunst.de, damit Sie wissen, was gerade läuft – nicht als Floskel, sondern weil hier die aktuelle Ausstellung oft das Herzstück des Besuchs ist.

Metzlerpark und das Emma Metzler

Ein Detail, das gern übersehen wird: Rund um die Häuser liegt der grüne, alte Metzlerpark, der bis zum Mainufer reicht. Bei schönem Wetter ist er einer der ruhigsten Flecken auf der Sachsenhäuser Seite – schattige Bäume, Blick aufs Wasser, und deutlich entspannter als die belebten Uferwege weiter Richtung Innenstadt.

Direkt hinter dem Museum liegt das Restaurant Emma Metzler, und das ist keine gewöhnliche Museumskantine. Küchenchef Anton de Bruyn, der zuvor in Sterneküchen in Hamburg, an der Mosel, in Wien und London gearbeitet hat, kocht im modernen Neo-Bistro-Stil mit regionalen Produkten aus dem Rhein-Main-Gebiet; das Lokal wurde gleich nach dem Start mit zwei Gault-Millau-Hauben ausgezeichnet. Die großzügige Terrasse blickt direkt in den Metzlerpark. Geöffnet ist von Dienstag bis Samstag von 12 bis 23 Uhr und sonntags von 12 bis 18 Uhr (Stand 2026). Ob feines Mittagessen, Kaffee und Kuchen nach dem Rundgang oder ein Abendessen zum Ausklang – das Emma Metzler macht aus dem Museumsbesuch schnell einen halben Tag. Für einen entspannten Ausflug zu zweit ist die Kombination aus Ausstellung, Park und Terrasse eine meiner liebsten Ideen für Frankfurt als Paar.

Öffnungszeiten und der günstigste Tag (Stand 2026)

Die Öffnungszeiten sind angenehm besucherfreundlich:

  • Dienstag, Donnerstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
  • Mittwoch: 10 bis 20 Uhr (verlängert)
  • Montag: geschlossen

Der lange Mittwoch bis 20 Uhr ist ideal, wenn Sie tagsüber keine Zeit haben – nach Feierabend ist es dann besonders ruhig.

Beim Eintritt zahlen Erwachsene regulär 9 Euro, ermäßigt 4 Euro (Stand 2026). Es gibt ein Kombiticket mit dem Ikonenmuseum für 12 Euro (ermäßigt 6 Euro), falls Sie beide Häuser sehen wollen. Besonders erfreulich sind die vielen Vergünstigungen:

  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: freier Eintritt
  • Jeden letzten Samstag im Monat: freier Eintritt für alle
  • Kultur-Pass-Inhaber und Geflüchtete: ein Euro
  • Inhaber der MuseumsuferCard: frei

Wer mehrere Häuser an einem Tag oder Wochenende besuchen möchte, fährt mit dem MuseumsuferTicket oder der MuseumsuferCard deutlich günstiger – ein guter Tipp, wenn nebenan ohnehin das Städel Museum auf Ihrer Liste steht. Da sich Preise und Zeiten an Feiertagen ändern können, lohnt vor der Anreise ein kurzer Blick auf die offizielle Seite.

So kommen Sie hin

Das Museum Angewandte Kunst liegt am Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main, mitten auf dem Museumsufer in Sachsenhausen. Am bequemsten reisen Sie mit den U-Bahn-Linien U1, U2, U3 oder U8 bis zur Station Schweizer Platz an; von dort sind es wenige Gehminuten. Alternativ bringen Sie die Straßenbahnlinien 15 und 16 bis zur Haltestelle Schweizer Straße/Gartenstraße. Vom Römer aus ist es ein schöner Spaziergang über den Eisernen Steg ans andere Ufer. Hinter dem Museum gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz, doch im engen Sachsenhausen rate ich klar zur Bahn.

Wenn Sie mich nach dem idealen Ablauf fragen: Kommen Sie am langen Mittwoch oder am letzten Samstag des Monats, beginnen Sie im hellen Meier-Bau mit der aktuellen Sonderausstellung, arbeiten Sie sich durch Design und Kunsthandwerk, gönnen Sie sich die stillen ostasiatischen Räume und schließen Sie mit den Stilräumen der Villa Metzler ab. Danach ein Kaffee auf der Terrasse des Emma Metzler mit Blick in den Park – und Sie werden verstehen, warum ich dieses unterschätzte Haus so gern anderen ans Herz lege. Es ist kein Museum, das einen mit Superlativen erschlägt. Es ist eines, das einem beibringt, genauer hinzusehen.

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