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Sehenswürdigkeiten

Museum für Kommunikation Frankfurt: Behnisch-Bau, Tickets & Tipps

Von der Postkutsche zum Smartphone: Im gläsernen Bau von Günter Behnisch am Schaumainkai wird Kommunikationsgeschichte zum Anfassen – was der Besuch kostet, wann Sie am entspanntesten kommen und warum Familien hier goldrichtig sind.

Katharina Vogt
Katharina Vogt
23. Juni 2026 akt. 2. August 2026
Historische Telefone als Symbol für die Kommunikationsgeschichte

Wann haben Sie zuletzt einen richtigen Brief geschrieben – mit der Hand, im Umschlag, mit Marke? Und könnten Sie sich vorstellen, danach tagelang auf Antwort zu warten, ohne zwischendurch nachzusehen, ob das Handy geblinkt hat? Das Museum für Kommunikation am Schaumainkai stellt genau solche Fragen und beantwortet sie auf die schönste Art: mit Postkutschen, Wählscheibentelefonen, alten Fernsehern – und einem Reiter-Roboter aus ausrangierten Radios. Für mich ist es das familienfreundlichste Haus am gesamten Museumsufer und eines der wenigen Museen Frankfurts, in denen man mehr ausprobieren als bloß anschauen darf.

Ein gläserner Bau, der Offenheit zeigen will

Schon das Gebäude erzählt eine Geschichte. Der markante, lichtdurchflutete Museumsbau stammt von Günter Behnisch und seinem Büro Behnisch & Partner – demselben Architekten, der dem Münchner Olympiapark seine schwebenden Dächer gab. 1990 wurde das Haus eröffnet, und die vielen Glasflächen sind kein Zufall: Aus einem eher verschlossenen Postmuseum sollte ein offenes, öffentliches Kulturhaus werden, und Transparenz war das architektonische Programm dazu. Wenn Sie durch den hellen Eingangsbereich treten und der Blick über Rampen, Galerien und das lichte Atrium schweift, spürt man diese Idee sofort. Allein die Architektur lohnt einen Moment des Innehaltens, bevor Sie sich in die Ausstellungen stürzen.

„Pre-Bell-Man“: ein Roboter empfängt Sie

Der erste Wow-Moment wartet direkt im Foyer. Dort steht „Pre-Bell-Man“, eine Skulptur des koreanisch-amerikanischen Videokunst-Pioniers Nam June Paik: ein Reiter hoch zu Ross, komplett zusammengesetzt aus alten Radios, Fernsehgeräten und Kabeln. Der augenzwinkernde Titel spielt auf die Zeit „vor Bell“ an – also vor Alexander Graham Bell und der Erfindung des Telefons. Für ein Museum, das vom Kommunizieren erzählt, ist das die perfekte Begrüßung: Medienkunst, Technikgeschichte und ein Schuss Humor in einer einzigen Figur. Meine Kinder wollten diesen Roboter jedes Mal zuerst sehen – und ehrlich gesagt: ich auch.

Von der Keilschrift zur Datenbrille

Herzstück ist die Dauerausstellung „Mediengeschichte(n) neu erzählt!“. Sie erzählt die Geschichte des Austauschs nicht als brave Chronologie, sondern über rund 44 Themeninseln, die einen weiten Bogen spannen – von der Keilschrift bis zur Datenbrille. Vier Leitgedanken ziehen sich hindurch: Beschleunigung, Vernetzung, Kontrolle und Teilhabe. So stehen Objekte aus ganz verschiedenen Epochen plötzlich miteinander im Gespräch.

Konkret heißt das: Sie begegnen historischen Postkutschen und einem restaurierten Postbus der Marke DAAG von 1925 – dem letzten erhaltenen Fahrzeug seiner Art. Daneben Briefkästen, Wählscheibentelefone, Schreibmaschinen, wuchtige Röhrenradios und Fernseher und schließlich die vertrauten Geräte unserer Gegenwart. Seit Ende 2025 gibt es zudem neue „KI-Inseln“, an denen künstliche Intelligenz zum Thema wird – unter anderem können Sie mit einem Sprachmodell reden, das dem Computerpionier Alan Turing nachempfunden ist.

Das Schöne: Es geht nie nur um Technik, sondern immer um die Menschen dahinter. Wie fühlte es sich an, tagelang auf einen Brief zu warten? Was veränderte das Telefon in Familien und Betrieben? Und wie prägt uns heute das ständige Erreichbarsein? Genau dieses Nebeneinander macht den Reiz aus – man versteht auf einmal, dass jede scheinbar neue Technik eine lange Vorgeschichte hat.

Kunst, Design und Objekte mit Geschichte

Zwischen den technischen Exponaten warten immer wieder überraschende Kunststücke. In eigenen Kunsträumen hängen Arbeiten von Salvador Dalí, Joseph Beuys und Andy Warhol, dazu eine feine Sammlung von Mail Art – Kunst, die eigens per Post verschickt wurde. Wer sich für Gestaltung begeistert, bleibt an den Design-Ikonen der Mediengeschichte hängen: Telefone, Fernseher und Geräte, die nicht nur funktionierten, sondern ganze Jahrzehnte optisch geprägt haben. Dass ein Kommunikationsmuseum so viel Wert auf Form und Kunst legt, gehört für mich zu seinen sympathischsten Zügen.

Warum Kinder hier nicht stillsitzen müssen

Und nun der Grund, warum ich das Haus so oft mit Familien empfehle: Hier darf man ran. Vieles ist zum Anfassen, Bedienen und Ausprobieren gedacht – Kommunikation zum Mitmachen statt nur zum Anschauen. Herzstück für die Kleinen ist die lebendige Kinderwerkstatt im ersten Obergeschoss, in der selbst gebastelt und getüftelt wird. Durch das Gebäude ziehen sich Sprachrohre, mit denen man sich über mehrere Ebenen hinweg zurufen kann – ein Riesenspaß. Im Untergeschoss laden Stationen dazu ein, über die Zukunft nachzudenken und die eigene Stimme aufzunehmen. So wird aus einem eigentlich abstrakten Thema etwas, das Kinder mit Händen und Ohren begreifen.

Das macht das Museum auch zu einem meiner ersten Tipps für einen Regentag und zu einem festen Namen auf jeder Liste guter Museen für Kinder in Frankfurt. Wenn draußen der typische Frankfurter Nieselregen fällt, sind Sie hier bestens aufgehoben – weitere Ideen für solche Tage finden Sie in meinem Beitrag zu Frankfurt bei Regen mit Kindern.

Wechselnde Sonderausstellungen

Neben der Dauerausstellung läuft stets mindestens eine Sonderausstellung, oft interaktiv und erstaunlich am Puls der Zeit. 2026 war zum Beispiel „Design-Ikonen der Mediengeschichte“ (ab Juli 2026) zu sehen, dazu eine große Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz unter dem Titel „20+1: Zwanzig und (d)eine Perspektive auf Künstliche Intelligenz“. Da sich das Programm laufend ändert, lohnt vor dem Besuch ein kurzer Blick auf mfk-frankfurt.de – dann wissen Sie, was gerade zusätzlich zur Dauerausstellung auf Sie wartet.

Eintritt und Öffnungszeiten (Stand 2026)

Der Eintritt ist angenehm moderat (Stand 2026):

  • Erwachsene (ab 18 Jahre): 9,00 Euro
  • Ermäßigt: 5,00 Euro
  • Kinder und Jugendliche (6–17 Jahre): 3,00 Euro
  • Kinder unter 6 Jahren: frei

Kinder unter 14 Jahren dürfen nur in Begleitung Erwachsener ins Haus. Wenn Sie mehrere Häuser am Ufer besuchen möchten, rechnet sich fast immer das MuseumsuferTicket (zwei Tage, viele Museen) oder die MuseumsuferCard für ein ganzes Jahr.

Die Öffnungszeiten (Stand 2026):

  • Dienstag & Donnerstag: 9 bis 17 Uhr
  • Mittwoch: 10 bis 20 Uhr
  • Freitag, Samstag, Sonntag & Feiertage: 10 bis 18 Uhr
  • Montag: geschlossen

Mein Tipp: Nutzen Sie den langen Mittwoch bis 20 Uhr. Dann ist deutlich weniger los als am Wochenende, die Mitmachstationen sind frei, und Sie können den Besuch entspannt nach Feierabend legen. An Feiertagen können die Zeiten abweichen.

So kommen Sie ans Museumsufer

Das Museum liegt am Schaumainkai 53, 60596 Frankfurt am Main, mitten auf dem Museumsufer in Sachsenhausen, Frankfurts dichter Museumsmeile am Südufer des Mains. Am bequemsten reisen Sie mit der U-Bahn an: Von der Station Schweizer Platz (U1/U2/U3/U8) sind es nur wenige Gehminuten, dazu halten mehrere Buslinien direkt am Ufer. Besonders schön ist der Weg zu Fuß vom Römer – über den Eisernen Steg auf die Sachsenhäuser Seite und dann am Wasser entlang. Vom Auto rate ich ab: Parkplätze sind hier rar.

Der große Vorteil dieser Lage ist, dass Sie die Nachbarn gleich mit dabei haben. Nur wenige Häuser weiter liegt das Filmmuseum (DFF), auch das Städel und das Museum Angewandte Kunst sind fußläufig. Wer mag, macht aus dem Besuch also einen ganzen Kulturtag am Fluss. Ende August, zum Museumsuferfest, verwandelt sich die gesamte Uferpromenade ohnehin in ein großes Fest.

Mein Nachmittag im Museum für Kommunikation

Wenn Freunde mich fragen, wie sie hier einen Nachmittag verbringen sollen, empfehle ich diese Reihenfolge: erst ein kurzer Gruß an den „Pre-Bell-Man“ im Foyer, dann von oben nach unten durch die Dauerausstellung – oben die Kinderwerkstatt und die frühen Kommunikationsformen, unten die Zukunftsstationen und die KI-Inseln. Wer mit Kindern kommt, plant für die Mitmachstationen ruhig doppelt so viel Zeit ein wie gedacht. Zum Abschluss ein Blick in die aktuelle Sonderausstellung, danach hinaus ans Wasser für einen Spaziergang mit Skyline-Blick.

Für mich bleibt das Museum für Kommunikation eines der ehrlichsten und wärmsten Häuser der Stadt: kein hoher Eintritt, kein Berührungsverbot, kein museales Flüstern – sondern ein Ort, an dem man selbst ausprobiert, wie Menschen über Jahrhunderte in Verbindung geblieben sind. Und ich verspreche Ihnen: Sie werden das Haus mit einem etwas anderen Blick auf das Smartphone in Ihrer Tasche verlassen.

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