Frankfurt Guide
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Sehenswürdigkeiten

Frankfurter Altstadt & Römer: Ein historischer Spaziergang

Zwischen Main und Dom liegt Frankfurts historischer Kern – kaum größer als ein paar Fußballfelder. Ich führe Sie in gut zweieinhalb Stunden von Station zu Station und sage Ihnen ehrlich, was original ist und was Wiederaufbau.

Katharina Vogt
Katharina Vogt
16. Juni 2026 akt. 2. August 2026
Quaint Römer Square in Frankfurt showcasing traditional half-timbered houses at dusk.
Foto: Masood Aslami / Pexels

Frankfurt gilt vielen als reine Bankenstadt, als Kulisse aus Glas und Stahl mit einem großen Flughafen davor. Doch zwischen dem Main und dem Dom, auf einer Fläche kaum größer als ein paar Fußballfelder, liegt der Kern, aus dem diese Stadt über zwölf Jahrhunderte gewachsen ist. Ich bin Katharina Vogt, in Frankfurt geboren, und wenn Besucher mich fragen, wo sie anfangen sollen, führe ich sie genau hierher – denn nirgends sonst drängt sich so viel Geschichte auf so wenig Raum.

Dieser Rundgang folgt einer festen Route: vom Römerberg über die Neue Altstadt und den Kaiserdom zur Paulskirche, dann in die Kleinmarkthalle und schließlich hinunter zum Main. Rechnen Sie mit rund zweieinhalb bis drei Stunden, ziehen Sie bequeme Schuhe an – und seien Sie auf eine ehrliche Wahrheit gefasst: Vieles, was hier so alt aussieht, ist jünger als Ihre Großeltern. Am 22. März 1944 legten Luftangriffe die Altstadt fast vollständig in Schutt und Asche. Was heute so malerisch wirkt, ist zum großen Teil Wiederaufbau – mal originalgetreu, mal frei interpretiert. Gerade das macht den Spaziergang so spannend.

Am schnellsten sind Sie mit der U-Bahn da: Die Linien U4 und U5 halten direkt an der Station Dom/Römer. Wer mit der S-Bahn kommt, steigt an der Hauptwache oder der Konstablerwache aus und läuft fünf Minuten nach Süden. Und ein Rat vorweg: Kommen Sie früh. Vor zehn Uhr gehört Ihnen der Römerberg fast allein, danach füllt er sich rasch mit Reisegruppen.

Startpunkt Römerberg: das Wohnzimmer der Stadt

Der Römerberg ist Frankfurts guter Salon und der Ausgangspunkt jedes Rundgangs. Stellen Sie sich in die Mitte des Platzes, die Skyline im Rücken, und lassen Sie den Blick wandern. Die berühmte Ostzeile mit ihren spitzgiebeligen Fachwerkhäusern – das Motiv von unzähligen Postkarten – sieht mittelalterlich aus, stammt aber aus den frühen 1980er-Jahren. Die Originale waren 1944 verbrannt; erst 1981 bis 1983 baute die Stadt sechs der Häuser über den alten Grundrissen wieder auf. Das schmälert den Zauber nicht, sobald die Sonne auf den roten Mainsandstein fällt, aber es ist gut, es zu wissen.

In der Mitte des Platzes steht der Gerechtigkeitsbrunnen mit der bronzenen Justitia. Schauen Sie genau hin: Diese Justitia trägt Schwert und Waage, aber – anders als üblich – keine Augenbinde. Sie blickt mit offenen Augen aufs Rathaus, ein selbstbewusstes Bild der freien Reichsstadt. Die Bronzefigur wurde 1611 aufgesetzt, das steinerne Becken darunter ist noch älter und der eigentliche Kern des Brunnens. Der schönste historische Moment aber spielte sich bei den Kaiserkrönungen ab: Dann floss aus dem Brunnen Wein, roter und weißer, und das Volk feierte auf dem Platz.

Der Römer: Rathaus seit 1405

An der Westseite steht das Gebäude, das dem Platz seinen Namen gibt: der Römer. Am 11. März 1405 kaufte der Rat der Stadt das Haus „zum Römer“ samt dem Nachbarhaus „Goldener Schwan“ – seither, also seit über 600 Jahren, wird von hier aus regiert. Nach und nach kamen weitere Bürgerhäuser hinzu, weshalb der Römer heute kein einzelnes Haus ist, sondern eine ganze Häuserzeile mit der markanten dreigiebeligen Fassade.

Treten Sie durch das Portal in den Innenhof mit seiner Renaissance-Treppe. Von hier führt der Weg – sofern gerade keine offizielle Veranstaltung oder Trauung stattfindet und gegen eine kleine Gebühr – hinauf in den Kaisersaal. In diesem festlichen Saal hängen 52 Kaiserbildnisse, von Karl dem Großen bis zu Franz II., dem letzten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Es ist eine im 19. Jahrhundert geschaffene Ahnengalerie der Macht, und man kann davorstehen und ein gutes Jahrtausend deutscher Geschichte an sich vorbeiziehen lassen.

Die Alte Nikolaikirche: die Überlebende

Gleich an der Südseite des Römerbergs, unscheinbar zwischen den großen Nachbarn, steht die Alte Nikolaikirche. Merken Sie sich diese Kirche gut, denn sie ist etwas Besonderes: Während ringsum fast alles zerstört wurde, überstand sie den Bombenkrieg mit nur geringen Schäden. Sie ist damit einer der wenigen wirklich alten Bauten, an denen Sie heute noch echte mittelalterliche Substanz berühren. Die erste Kapelle an dieser Stelle entstand Mitte des 12. Jahrhunderts, der heutige Bau um die Mitte des 15. Jahrhunderts; lange diente sie dem Rat als Hofkapelle.

Von außen fällt der zierliche Turm mit dem Satteldach auf, im Inneren ist die Kirche schlicht und ruhig. Ihr akustisches Markenzeichen ist das Glockenspiel: Mehrmals täglich klingen Choräle über den Platz. Wenn Sie zur richtigen Zeit da sind, bleiben Sie einen Moment stehen und hören zu – das ist einer dieser Frankfurter Augenblicke, die man nicht plant.

Durch die Neue Altstadt zum Hühnermarkt

Nun verlassen wir den Römerberg nach Osten, hinein in das jüngste und zugleich meistdiskutierte Stück der Altstadt: die Neue Altstadt, offiziell DomRömer-Areal genannt. Sie folgen dabei ungefähr dem historischen „Krönungsweg“, den die frisch gekrönten Kaiser vom Dom zurück zum Festbankett im Römer gingen – gut 250 Meter, die zu den geschichtsträchtigsten der Republik gehören.

Bis 1944 war dies das dichteste, älteste Wohnviertel der Stadt. Nach dem Krieg lag die Fläche brach, dann wuchs hier das brutalistische Technische Rathaus (1972–1974) empor, ein grauer Betonklotz, den kaum jemand vermisste. Ab 2010 wurde er abgerissen, und die Stadt wagte das scheinbar Unmögliche: den Wiederaufbau eines ganzen Quartiers. „Disneyland“ spotteten die Kritiker damals. Seit der Fertigstellung 2018 hat sich mein Bild gewandelt. 35 Häuser stehen hier heute – 15 schöpferische Nachbauten historischer Vorbilder und 20 moderne Neubauten, die sich behutsam einfügen.

Das Herz des Viertels ist der Hühnermarkt mit dem Stoltze-Brunnen, benannt nach dem Mundartdichter Friedrich Stoltze. Rundherum verstecken sich kleine Schmuckstücke wie das prächtige „Haus zur Goldenen Waage“ oder das „Goldene Lämmchen“. Es gibt keine großen Ketten, dafür enge Gassen, Ateliers und Cafés. Wie umstritten und wie durchdacht dieses Projekt wirklich war, habe ich in meinem ausführlichen Artikel zur Neuen Altstadt beschrieben – hier lohnt vor allem, einfach langsam zu gehen und nach oben zu schauen.

Der Archäologische Garten: Frankfurts römische Wurzeln

Am östlichen Rand der Neuen Altstadt, direkt vor dem Dom, kommen Sie an einer Stelle vorbei, die viele übersehen: dem Archäologischen Garten, heute überdacht vom gläsernen Stadthaus am Markt. Unter dem Schutzdach liegen freigelegte Mauerreste zweier Epochen übereinander: die Fundamente eines römischen Militärbades aus dem 1. Jahrhundert und darüber die Königspfalz der Karolinger und Ottonen.

Das ist keine Kleinigkeit. Es zeigt, dass hier schon vor über 1200 Jahren Politik gemacht wurde: 794 lud Karl der Große zu einer großen Reichssynode „in villa Franconofurd“ – das ist zugleich die erste urkundliche Erwähnung Frankfurts überhaupt. Der Eintritt in den Garten ist frei, und es ist einer der wenigen Orte, an denen Sie der Stadt buchstäblich unter die Haut schauen.

Der Kaiserdom St. Bartholomäus

Nur wenige Schritte weiter erhebt sich der mächtige rote Sandsteinbau des Kaiserdoms St. Bartholomäus. Streng genommen ist er gar keine Kathedrale, denn Frankfurt war nie Bischofssitz – der Dom ist eine Stiftskirche. Für uns Frankfurter aber war und ist er „der Dom“, und seine Bedeutung ist ohnehin größer als jeder Titel: Hier schlug das Herz des Reiches.

Seit der Goldenen Bulle von 1356 wählten die Kurfürsten in diesem Bau die römisch-deutschen Könige; dafür wurde 1425 eigens die Wahlkapelle an der Südseite des Chors errichtet. Von 1562 bis 1792 wurden hier zudem zehn Kaiser gekrönt. Treten Sie ein und lassen Sie die Weite des gotischen Raums wirken; sehenswert sind vor allem die Wahlkapelle, das spätgotische Chorgestühl und das Grabmal des Königs Günther von Schwarzburg.

Wer gut zu Fuß ist, sollte den 95 Meter hohen Turm besteigen: 328 Stufen einer engen Wendeltreppe führen hinauf zur Aussichtsgalerie in rund 66 Metern Höhe. Der Aufstieg kostet nur ein paar Euro (Stand 2026), ist aber schweißtreibend und je nach Saison und Wetter nicht immer geöffnet. Die Belohnung: ein Blick direkt auf die Dächer der Altstadt, den Römer und die Skyline dahinter. Wer es lieber gemütlich mag, besucht das kleine Dommuseum mit dem Domschatz.

Ein Abstecher zur Paulskirche

Von hier lohnt ein Abstecher nach Nordwesten, rund fünf bis sechs Gehminuten quer durch die Altstadt zum Paulsplatz. Die runde, klassizistische Paulskirche wirkt unter all den gotischen Türmen fast nüchtern – und ist doch einer der wichtigsten Orte der deutschen Geschichte. Erbaut zwischen 1789 und 1833 nach Plänen von Johann Friedrich Christian Hess, wurde sie 1848/49 zum Sitz der Frankfurter Nationalversammlung, des ersten frei gewählten deutschen Parlaments. Hier rang man um eine Verfassung für ein geeintes Deutschland – ein Traum, der damals scheiterte, dessen Ideale aber bis heute wirken.

Auch die Paulskirche brannte 1944 aus. Weil sie den Deutschen so viel bedeutete, war sie der erste Bau, den Frankfurt nach dem Krieg wieder aufrichtete; 1948, zum hundertsten Jahrestag der Nationalversammlung, wurde sie neu eröffnet. Heute ist sie kein Gotteshaus mehr, sondern ein Ort für Feierstunden – etwa die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels zur Buchmesse. Im Inneren ist der helle, schmucklose Rundsaal ein bewusster Gegenentwurf zum barocken Prunk; in der Wandelhalle darunter zieht Johannes Grützkes Wandbild „Der Zug der Volksvertreter“ die Blicke auf sich. Wer sich für das bürgerliche Frankfurt begeistert, hat von hier aus nur wenige Minuten zum Goethe-Haus am Großen Hirschgraben, dem Geburtshaus des Dichters.

Mittagspause in der Kleinmarkthalle

Zeit für eine Stärkung – und bitte nicht an den Touristenlokalen direkt am Römerberg. Laufen Sie stattdessen rund fünf Minuten die Hasengasse hinauf zur Kleinmarkthalle (Hasengasse 5–7, 60311 Frankfurt). Für mich ist sie die eigentliche gute Stube der Stadt. Über 60 Händler bieten hier frischen Fisch, Fleisch, Käse, Obst, Gemüse und Gewürze aus aller Welt an – geöffnet montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr, samstags von 8 bis 16 Uhr, sonntags geschlossen.

Probieren Sie unbedingt eine heiße Rindswurst bei Gref-Völsing, einer Frankfurter Institution, oder kaufen Sie die frischen Kräuter für die berühmte Grüne Soße. Auf der Empore im ersten Stock lädt eine kleine Weinbar zum Schoppen ein, gern schon am frühen Nachmittag. Es ist laut, es duftet, es ist echtes Frankfurt: Hier kaufen die Einheimischen ihr Wochenendessen, keine Souvenirs. Ein Imbiss kostet Sie meist zwischen zehn und fünfzehn Euro – genug Energie für den letzten Abschnitt.

Ans Wasser: der Eiserne Steg und das Mainufer

Von der Kleinmarkthalle geht es nun gut zehn Minuten wieder nach Süden, zurück durch die Gassen und hinunter zum Fluss. Am Ufer stehen Sie vor dem Eisernen Steg, der schmalen Fußgängerbrücke, die Altstadt und Sachsenhausen verbindet. Auch hier lohnt der ehrliche Blick: Die erste Brücke wurde 1868 gebaut, doch die Wehrmacht sprengte sie im März 1945; schon 1946 war sie wieder aufgebaut. Über dem Bogen zieht sich eine griechische Zeile aus Homers Odyssee, „auf der Fahrt über das weinfarbene Meer“, und an den Geländern hängen unzählige Liebesschlösser.

Gehen Sie bis zur Mitte der Brücke. Von hier haben Sie den vielleicht schönsten Blick der Stadt: die Skyline im Norden, das Mainpanorama in beide Richtungen, und wenn Sie sich umdrehen, die Türme von Dom und Römer vor der Kulisse der Hochhäuser – das klassische Frankfurt-Motiv. Am nördlichen Ufer, gleich beim Saalhof, liegt das Historische Museum, das die ganze Stadtgeschichte erzählt; wer noch mag, spaziert am Mainkai nach Westen zum kleinen Nizza-Garten mit seinen mediterranen Pflanzen.

Damit schließt sich der Kreis. In gut zweieinhalb Stunden sind Sie durch zwölf Jahrhunderte gelaufen – von der karolingischen Pfalz über Kaiserkrönungen und das erste deutsche Parlament bis zu einem Viertel, das erst 2018 fertig wurde. Frankfurts Altstadt ist keine unberührte Kulisse, sondern ein Ort, der sich immer wieder neu erfunden hat, und genau darin liegt ihre Ehrlichkeit. Wenn Sie mehr Zeit haben, verbinden Sie diesen Rundgang mit meinem perfekten Tagesprogramm für Frankfurt oder mit den 15 wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Und dann setzen Sie sich ans Mainufer, schauen aufs Wasser und verstehen, warum wir diese kleine, wiederauferstandene Altstadt so lieben.

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