Frankfurter Altstadt & Römer: Ein historischer Spaziergang
Mehr als nur Touri-Falle: Ein Spaziergang durch das Zentrum Frankfurts, wo Geschichte und modernes Leben aufeinanderprallen.
Wer Frankfurt am Main auf den ersten Blick sieht, denkt oft nur an Bankentürme und den Flughafen. Doch wer mir, Katharina Vogt, durch die Straßen meiner Heimatstadt folgt, weiß: Das wahre Herz Frankfurts schlägt zwischen dem Main und dem Dom. Die Altstadt ist nicht größer als ein Handtuch, aber hier verdichtet sich die Geschichte wie kaum woanders. Dieser Rundgang führt Sie an die Orte, die Kaiser und Könige sahen, zeigt aber auch, wie die Stadt heute lebt – fernab von Kitsch und Schmarrn, aber mit viel Herzblut und historischer Tiefe. Packen Sie bequeme Schuhe ein, wir gehen auf Entdeckungstour.
Der Start: Römerberg und das Rathaus
Jeder Rundgang beginnt logischerweise am Römerberg. Dieser Platz ist das Aushängeschild der Stadt, und das zu Recht. Wenn Sie hier stehen, haben Sie die Skyline im Rücken und vor sich die Häuserzeile, die auf fast jedem Frankfurt-Bild zu sehen ist. Aber schauen Sie nicht nur: Untersuchen Sie die Details. Die Ostzeile des Römerbergs besteht aus historischen Fachwerkhäusern, die allerdings, ehrlich gesagt, Rekonstruktionen aus den 1980er Jahren sind. Das Original fiel den Bomben des Zweiten Weltkriegs zum Opfer. Dennoch: Die Atmosphäre ist magisch, besonders wenn die Sonne auf den roten Sandstein fällt.
Mitten drinnen steht der „Römer“. Seit über 600 Jahren wird hier regiert – heute von der Stadtverwaltung, früher von den Kaisern. Betreten Sie den Innenhof durch das prächtige Portal. Hier können Sie kostenlos das Treppenhaus und den Kaisersaal besichtigen. In diesem Saal hängen die 52 Kaiserporträts von Friedrich Barbarossa bis Franz II. Es ist ein Ort, an dem Sie die deutsche Geschichte förmlich greifen können. Ein kleiner Insider-Tipp von mir: Oft finden hier auf dem Platz vor dem Römer Weihnachtsmärkte oder andere Veranstaltungen statt. Wenn Sie Ruhe suchen, kommen Sie morgens früh oder im Winter an einem Wochentag vorbei. Dann gehört Ihnen der Platz fast allein.
Der Kaiserdom St. Bartholomäus
Vom Römerberg ist es nur ein Katzensprung zum Kaiserdom. Gehen Sie durch die Bogenpassage am Römer hindurch, vorbei an der Historischen Gartenanlage (dazu gleich mehr), und Sie stehen vor dem mächtigen Bauwerk aus rotem Sandstein.
Der Dom ist keine Kathedrale im kirchenrechtlichen Sinne, sondern eine Kollegiatkirche, aber für uns Frankfurter ist er der Dom. Hier fanden die Wahl und Krönung der römisch-deutschen Kaiser statt. Wenn Sie durch das eiserne Gitter gehen, spüren Sie die Weite des Raumes. Besonders beeindruckend ist der Hochaltar und das Grabmal des Günther XXI. von Schwarzburg. Wer fit ist, sollte die 328 Stufen bis zur Aussichtsplattform auf dem Domturm erklimmen. Der Aufstieg kostet ca. 3 bis 4 Euro (Stand 2026) und ist anstrengend, aber die Belohnung ist einzigartig: Sie blicken direkt auf das Dach des Römers und haben einen tollen Blick über die Dächer der Altstadt.
Das Archäologische Garten und die Kunsthalle
Direkt neben dem Dom, kaum ein Tourist bemerkt ihn auf den ersten Blick: Der Archäologische Garten. Er ist eigentlich ein Baustellen-Dauerzustand, aber ein faszinierender. Hier können Sie durch Guckfenster die Fundamente der karolingischen Kaiserpfalz sehen. Frankfurt war also schon vor über 1200 Jahren ein politisches Zentrum. Der Eintritt ist frei, und es ist eine der wenigen Stellen, wo man die Geschichte unter der Erde sehen kann.
Gegenüber, am Rande des Römerbergs, liegt der „Hafen“ des Frankfurter Kunstvereins in der historischen Stadthalle am Römerberg. Dieses Gebäude, ein Jugendstil-Juwel, wurde einst als Markthalle genutzt und ist heute ein Ort für zeitgenössische Kunst. Auch wenn Sie nicht in die Ausstellung wollen: Die Architektur des Gebäudes von 1908 ist einen Blick wert. Hier zeigt sich Frankfurt von seiner künstlerischen, weltoffenen Seite.
Das DomRömer-Areal: Die neue alte Altstadt
Gehen Sie vom Dom ein Stück zurück Richtung Römer, aber biegen Sie in die schmale Gasse „Markt“ ein. Hier betreten Sie das jüngste Stück Frankfurt Geschichte: das DomRömer-Areal. Bis 1944 war hier das dichteste und älteste Wohnviertel der Stadt. Nach dem Krieg blieb die Fläche jahrzehntelang eine Brache, auf der später ein Technisches Rathaus (Bürotrakt) stand. Als dieses Anfang der 2010er Jahre abgerissen wurde, wagte die Stadt das scheinbar Unmögliche: Sie baute die Altstadt wieder auf.
Ich erinnere mich noch gut an die Debatten. „Disneyland“ oder „Architekten-Lego“ wurden die Pläne genannt. Heute, nach der Fertigstellung 2018, hat sich mein Bild geändert. Ja, es ist neu. Ja, es ist eine Mischung aus Rekonstruktionen (wie dem „Haus zum Römer“ oder dem „Goldenen Lämmchen“) und modernen Bauten, die sich in die alte Hohlmauer einfügen. Aber es ist lebendig. Die Gassen sind eng, die Plätze wie der „Hühnermarkt“ oder der „Berg“ laden zum Verweilen ein. Hier gibt es keine großen Ketten, sondern kleine Cafés und Ateliers. Es ist ein Stück Identität zurückgekehrt. Suchen Sie sich speziell die „Sachsenhäuser Hof“ heraus – einer der wenigen original erhaltenen Fachwerkbauten, die in das Konzept integriert wurden.
Alte Nikolaikirche und Paulskirche
Am Rande des DomRömer-Areals, am Römerberg, steht die Alte Nikolaikirche. Sie ist kleiner als der Dom, aber von außen wunderschön mit ihrem neunfach gegliederten Turm. Im Inneren ist sie schlicht, aber die Akustik ist hervorragend. Früher diente sie als Kapelle für das Römer-Rathaus.
Wer etwas Zeit hat, sollte vom Römerberg in Richtung Paulsplatz weiterlaufen (ca. 5 Minuten). Die Paulskirche ist der Geburtsort der deutschen Demokratie. 1848 tagte hier die erste deutsche Nationalversammlung. Auch sie ist ein Wiederaufbau nach dem Krieg, aber als Symbol für Freiheit und Parlamentarismus unverzichtbar. Der Innenraum ist hell und nüchtern – ein bewusster Kontrast zu den barocken Kirchen.
Der Weg zum Fluss: Eiserner Steg und Mainufer
Kein Besuch der Altstadt ist komplett ohne den Blick auf den Main. Vom Römerberg laufen Sie am „Nizza“ entlang – so nennen wir die Uferpromenade am südlichen Mainufer, die aufgrund ihres milden Mikroklimas diesen Beinamen trägt.
Ihr Ziel ist der „Eiserne Steg“. Diese Fußgängerbrücke ist das Wahrzeichen der Liebespaare (Liebesschlösser satt), aber auch die wichtigste Verbindung zwischen Altstadt und Sachsenhausen. Die Brücke wurde 1868 erbaut und ist die älteste noch erhaltene Eisenfachwerkbrücke Deutschlands. Überqueren Sie sie einfach. In der Mitte haben Sie den besten Blick auf die Skyline – dieses Motiv, das jeder auf Instagram sucht. Wenn Sie die Brücke überquert sind, stehen Sie im Stadtteil Sachsenhausen. Drehen Sie sich noch einmal um. Der Anblick der Türme des Doms und des Römers vor dem Hintergrund der Hochhäuser ist das klassische Frankfurt-Bild.
Kulinarischer Stopp: Kleinmarkthalle
Zurück auf der Altstadtseite. Wenn Sie Hunger bekommen, vermeiden Sie die Touri-Fallen direkt am Römerberg. Gehen Sie stattdessen 5 Minuten zu Fuß die „Hasengasse“ hoch Richtung Konstablerwache. Dort finden Sie die „Kleinmarkthalle“. Für mich ist sie die gute Stube der Stadt. Hier gibt es frischen Fisch, Fleisch, Obst, Gemüse und – ganz wichtig – Schoppenwein und Apfelwein.
Setzen Sie sich an die Theke bei „Schreiber’s“ oder holen Sie sich eine „Grüne Soße“ im Hof. Die Kleinmarkthalle ist kein Museum, hier einkaufen die Frankfurter ihr Essen fürs Wochenende. Es ist laut, es riecht gut und es ist authentisch. Ein Mittagessen hier kostet Sie ca. 10 bis 15 Euro – perfekt, um Kraft für den weiteren Tag zu tanken.
Praktische Tipps für Ihren Rundgang
Damit Ihr Besuch reibungslos verläuft, habe ich die wichtigsten Fakten für Sie zusammengefasst:
- Anreise: Die Altstadt ist autofrei und ideal zu Fuß. Mit der S-Bahn (Linien S1 bis S9) fahren Sie bis „Taunusanlage“ oder „Konstablerwache“. Von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß. Die U-Bahn-Linien U4 und U5 halten direkt an der Station „Römer/Dom“.
- Beste Zeit: Früh am Morgen (vor 10 Uhr) ist es am schönsten und ruhigsten. In der Hochsaison und an Wochenenden ist der Römerberg stark frequentiert.
- Dauer: Rechnen Sie für diesen Spaziergang inklusive kleinerer Pausen und Dom-Besteigung etwa 2,5 bis 3 Stunden ein.
- Eintrittspreise: Der Eintritt zum Römer und in die meisten Kirchen ist frei. Für den Domturm zahlen Sie etwa 3 bis 4 Euro. Ausstellungen in der Kunsthalle sind kostenpflichtig (Preise variieren).
- Barrierefreiheit: Die Hauptwege um den Römerberg sind weitgehend barrierefrei. Der Domturm ist leider nur über Treppen zugänglich.
Fazit
Die Frankfurter Altstadt ist klein, aber fein. Sie ist ein Ort der Widersprüche: Hier stehen moderne Rekonstruktionen neben Originalen, hier herrscht touristischer Trubel neben städtischem Alltag. Wenn Sie die Menschenmengen am Römerberg durchschauen und die kleinen Gassen des DomRömer-Areals erkunden, erleben Sie Frankfurt von seiner schönsten Seite. Dieser Rundgang ist der perfekte Start, um die Stadt jenseits der Wolkenkratzer kennenzulernen. Genießen Sie den Aufenthalt in „Mainhattan“, herzlich willkommen in Frankfurt.
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