Frankfurt Guide
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Essen & Trinken

Apfelwein in Frankfurt: die besten Apfelweinwirtschaften

Vom Trubel der Klappergasse bis zum stillen Gartenlokal: mein Wegweiser durch Frankfurts Apfelweinwirtschaften – wo Sie auf langen Bänken sitzen, was Sie bestellen und wie Sie sich benehmen.

Katharina Vogt
Katharina Vogt
16. Juni 2026 akt. 2. August 2026
A rustic arrangement of apples, juice, and earthenware, evoking a cozy kitchen vibe.
Foto: Matvei / Pexels

Es gibt ein Geräusch, das jeder Frankfurter im Schlaf erkennt: das satte Klirren eines dick gerippten Glases auf massivem Holz, gefolgt vom leisen Zischen, wenn Sprudel in den Apfelwein läuft. In diesem Moment, an einem langen Tisch, mit fremden Ellenbogen links und rechts, vergisst man vollständig, dass draußen die Bankentürme stehen. Frankfurt schlägt sein herzhaftestes Herz in der Apfelweinwirtschaft. Was der Ebbelwoi eigentlich ist, wie er gekeltert wird und warum er das hessische Nationalgetränk heißt, habe ich im Getränke-Porträt zum Apfelwein ausführlich beschrieben. Hier geht es um das andere, mindestens ebenso Wichtige: um die Orte. Um die Wirtschaften, in denen man das Stöffche trinkt.

Ich sitze seit über zwölf Jahren in diesen Lokalen, im Sommer im Kastaniengarten und im Winter in der verrauchten Stube, und ich habe die Stadt dabei von Nord nach Süd durchprobiert. Dieser Text ist mein Wegweiser: die Adressen, die ich Freunden nenne, was Sie dort essen sollten – und die kleinen Regeln, mit denen Sie nicht wie ein „Ebbelwoi-Philister” wirken.

„Angemerkt!” – wie man sich in der Wirtschaft benimmt

Bevor wir zu den Lokalen kommen, ein kurzer Knigge, denn die Apfelweinwirtschaft hat ihre eigenen Rituale. Das Glas heißt „das Geripschte” (Geripptes): ein dickwandiger Becher mit rautenförmigem Schliff. Das Muster ist kein Zierrat – es sorgte früher dafür, dass fettige Schifferhände das Glas nicht verloren, und lässt es bis heute nicht aus der Hand rutschen.

Bestellt wird in Schoppen (meist 0,3 Liter) oder gleich als Bembel, dem grau-blauen Steingutkrug. Historisch fasste ein Bembel genau acht Schoppen; heute gibt es ihn in mehreren Größen für den Tisch. Wer die knapp sechs Prozent Alkohol etwas milder mag, bestellt „sauer gespritzt” – Apfelwein mit Sprudel. Die Reihenfolge ist wichtig: Erst kommt das Wasser ins Glas, dann der Wein. Wer „süß” bestellt, bekommt Limonade dazu; das wird von Alteingesessenen milde belächelt, ist aber niemandem verboten. Angestoßen wird mit einem festen „Angemerkt!” und – ganz wichtig – mit Blick in die Augen des Gegenübers. Wer wegschaut, dem drohen laut Volksglauben sieben Jahre Pech.

Zwei praktische Dinge noch. Erstens: Man teilt sich die Bank. In einer vollen Wirtschaft setzt man sich zu Fremden, grüßt kurz und kommt oft ins Gespräch – das ist keine Zumutung, das ist der Sinn der Sache. Zweitens: Bargeld. Viele der alten Häuser nehmen bis heute nur Bargeld oder allenfalls die EC-Karte, kaum eines die Kreditkarte. Und günstig ist das Ganze auch: Im Atschel etwa kostet der selbst gekelterte Schoppen 2,80 Euro (0,3 l), der halbe Liter 4,60 Euro (Stand 2026) – Apfelwein bleibt eines der ehrlichsten Getränke der Stadt.

Alt-Sachsenhausen: das Herz des Ebbelwoi

Wer an Apfelwein denkt, denkt an Sachsenhausen – genauer an das enge, kopfsteingepflasterte Alt-Sachsenhausen südlich des Mains. Rund um die Klappergasse mit dem berühmten Frau-Rauscher-Brunnen (der Ihnen bei Gelegenheit Wasser entgegenspuckt) reiht sich Wirtschaft an Wirtschaft. Ja, das Viertel ist touristisch, und an Wochenendabenden wird es in den Gassen laut. Aber die guten Adressen halten ihre Qualität, und tagsüber sowie unter der Woche ist es hier herrlich. Wie das Viertel abseits der Kneipen tickt – mit Museumsufer und Grüner Soße – lesen Sie in meinem Sachsenhausen-Rundgang.

Grob gibt es zwei Zonen. Die Schweizer Straße ist die ruhigere, bürgerlichere Meile; die Gassen um die Große Rittergasse und die Klappergasse sind abends ausgelassener. Anreise: Für die Schweizer Straße nehmen Sie die U-Bahn bis Schweizer Platz (U1/U2/U3/U8), für die Gassen den S-Bahnhof Lokalbahnhof (S3–S6) oder die Straßenbahnen 15, 16 und 18.

Apfelwein Wagner (Schweizer Straße 71)

Für viele – auch für mich – die erste Adresse. Adolf Wagner eröffnete hier 1931, und noch immer sitzen Frankfurter aller Generationen im schönen Innenhof unter altem Fachwerk. Es ist laut, voll und meistens bestens gelaunt; die Bedienungen sind flink, schlagfertig und herzlich. Auf den Tisch kommen Handkäs mit Musik, Rippchen mit Kraut und die Klassiker, wie sie sein sollen. Geöffnet ist täglich von 11 bis 24 Uhr – praktisch, wenn andere schon Ruhetag haben.

Zum Gemalten Haus (Schweizer Straße 67)

Gleich nebenan, mit dem wohl bekanntesten Gesicht der Straße: 1976 bekam die Fassade ihr Wandbild mit Szenen aus dem Frankfurter Leben, daher der Name. Drinnen geht es rustikal und ohne Experimente zu, dafür ehrlich und gut – die Grüne Soße wird frisch gerieben. Wichtig: montags Ruhetag, sonst dienstags bis sonntags von 10 bis 24 Uhr. Es ist eine der ältesten Apfelweinwirtschaften der Stadt und entsprechend beliebt.

Dauth-Schneider (Neuer Wall 5–7)

Seit 1850 wird hier ausgeschenkt, und das merkt man. Bei gutem Wetter ist der weitläufige Garten mit seinen Holzbänken das Ziel; drinnen sitzt man in getäfelten Stuben. Auf der Karte stehen neben den Frankfurter Klassikern auch elsässische Gerichte. Weil hier viele Anwohner verkehren, ist der Geräuschpegel oft angenehmer als direkt in der Klappergasse.

Daheim im Lorsbacher Thal (Große Rittergasse 49–51)

Wenn Sie Apfelwein als ernsthaftes Genussthema begreifen wollen, gehen Sie hierher. Das Lorsbacher Thal führt eine der längsten Apfelweinkarten überhaupt – nach eigener Aussage über 250 verschiedene Weine, vom sortenreinen Speierling bis zu Raritäten kleiner Keltereien. Die Küche ist Slow-Food-orientiert und regional. Ein wunderbarer Ort, um sich durch die Bandbreite dessen zu probieren, was Apfelwein sein kann. Geöffnet Mo–Fr ab 17 Uhr, Sa und So ab 12 Uhr.

Fichtekränzi (Wallstraße 5)

Eine der ältesten Wirtschaften der Stadt (seit 1849) und mein Favorit für einen gemütlichen Abend zu zweit oder zu viert. Der kleine Biergarten ist im Sommer heiß begehrt, drinnen ist es eng und warm, gelegentlich spielt Livemusik. Die Stimmung ist familiärer und eine Spur jünger als in den großen Sälen nebenan. Am Wochenende unbedingt reservieren, sonst bekommen Sie keinen Platz.

Atschel (Wallstraße 7) und Zum Eichkatzerl (Dreieichstraße 29)

Zwei weitere Klassiker, die ich gern in einem Atemzug nenne. Das Atschel residiert in einem Haus von 1861 und trägt seinen Namen seit über einem Jahrhundert; hier gibt es soliden selbst gekelterten Apfelwein und ehrliche Hausmannskost (Di–So 12–23.30 Uhr, montags Ruhetag). Das Eichkatzerl, seit rund 1880 als frühere Heckerwirtschaft belegt, liegt etwas abseits Richtung Südbahnhof, mit dunkel getäfelter Stube und einem schattigen Gastgarten – etwas ruhiger, wenn Ihnen die Klappergasse zu trubelig ist.

Grün und still: Zur Buchscheer in Sachsenhausen-Süd

Mein liebster Geheimtipp liegt zwar noch in Sachsenhausen, aber weit genug vom Rummel, dass die meisten Besucher ihn nie finden: die Zur Buchscheer im Schwarzsteinkautweg 17. Seit 1876 keltert die Familie hier ihren eigenen Apfelwein, inzwischen in fünfter Generation. Das Herzstück ist der riesige, verwunschene Garten unter alten Bäumen – an einem lauen Sommerabend fühlt es sich an, als säße man auf einem Dorfhof, dabei ist man mitten in der Stadt. Geöffnet Mo–Fr ab 16 Uhr, am Wochenende ab 12 Uhr. Wer Alt-Sachsenhausen einmal ganz ohne Junggesellenabschiede erleben will, ist hier goldrichtig.

Nachbarschaftskneipen: Bornheim statt Touristenmeile

Viele Frankfurter trinken ihren Apfelwein gar nicht in Sachsenhausen, sondern im eigenen Viertel. Am schönsten geht das an der oberen Berger Straße in Bornheim – zu erreichen mit der U4 (Höhenstraße oder Bornheim Mitte) und der Straßenbahn 12. Hier trifft man weniger Reisegruppen und mehr Stammgäste.

Apfelwein Solzer (Berger Straße 260) ist so ein Ort: Die Familie Solzer wirtet hier seit 1893 in fünfter Generation und keltert selbst. Dunkles Holz, robuste Tische, kurze Karte, guter Wein – dazu gutbürgerliche Gerichte wie Schnitzel mit Bratkartoffeln (Mo–Fr ab 17 Uhr, Sa ab 12, So 12–22 Uhr). Ein paar Hausnummern weiter wartet die Zur Sonne (Berger Straße 312), ein rustikales Gasthaus, dessen Ursprünge bis 1768 zurückreichen, mit lauschigem Innenhof (Mi–So ab 17 Uhr, montags und dienstags Ruhetag). Der Kontrast zu Sachsenhausen ist deutlich: leiser, langsamer, mehr Nachbarschaft.

Weiter draußen: Zum Rad in Seckbach

Wenn ich Zeit und Lust auf ein bisschen Landluft habe, fahre ich hinaus nach Seckbach zur Zum Rad in der Leonhardsgasse 2. Seit 1806 wird hier Apfelwein ausschließlich aus dem Obst heimischer Streuobstwiesen gekeltert – zu hundert Prozent im eigenen Haus. Der „Radgarten” unter mächtigen Kastanien ist an Sommerabenden ein Traum, und weil das Lokal fernab jeder Touristenroute liegt, sitzen hier vor allem Seckbacher. Ein echtes Ausflugslokal: Verbinden Sie den Besuch mit einem Spaziergang durch die Streuobstwiesen am Lohrberg, dann schmeckt der Schoppen doppelt gut.

Was dazugehört: die richtige Küche

Apfelwein trinkt man nie auf leeren Magen. Auf jeder guten Karte finden Sie die Klassiker, die untrennbar zum Ebbelwoi gehören: Handkäs mit Musik, den sauren Milchkäse in Essig-Öl-Zwiebel-Marinade (die „Musik” kommt später), gegessen mit Brot und Butter. Die Grüne Soße aus sieben Kräutern mit Ei und Kartoffeln – wenn sie zu flüssig ist, taugt sie nichts; gut ist sie sämig. Und die Rippchen mit Kraut, gepökeltes Schweinefleisch mit Sauerkraut und Kartoffelpüree. Wer es leichter mag, bestellt „Schneegestöber” (Camembert-Frischkäse-Creme mit Zwiebeln) auf Brot. Die herbe Säure des Weins verträgt sich mit all dem hervorragend. Warum ausgerechnet die Grüne Soße in Frankfurt so verehrt wird – von den sieben geschützten Kräutern bis zum Festival am Roßmarkt –, erzähle ich in meinem eigenen Grüne-Soße-Guide.

Und wenn Sie es spielerisch mögen

Sie müssen nicht einmal sitzen bleiben, um Apfelwein zu erleben. Der historische Ebbelwei-Express, die bunt bemalte Oldtimer-Straßenbahn, tuckert am Wochenende durch die Stadt – Bembel und Brezel inklusive. Als vergnüglicher Auftakt vor dem eigentlichen Wirtshausabend ist das gerade mit Gruppen oder Kindern ein Riesenspaß.

Mein idealer Apfelwein-Abend sieht so aus: früh im Innenhof von Wagner starten, solange die Sonne noch über das Fachwerk fällt, ein Schoppen und ein Handkäs. Dann hinüber ins Lorsbacher Thal, um einen sortenreinen Wein zu probieren, den man sonst nie bekommt. Und zum Ausklang in den engen Garten des Fichtekränzi, wo es leiser wird und man mit den Nachbarn ins Reden kommt. Wer die Touristenkulisse ganz meiden will, lässt Sachsenhausen aus und verbringt den ganzen Abend bei Solzer in Bornheim. So oder so gilt: Setzen Sie sich, bestellen Sie einen Bembel, schauen Sie Ihrem Gegenüber in die Augen – und dann: „Angemerkt!”

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