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Essen & Trinken

Frühstück & Brunch in Frankfurt: Die besten Cafés

Von der Shakshuka bis zum klassischen Frühstücksei, vom hausgerösteten Filterkaffee bis zum langen Sonntagsbrunch: ein Streifzug durch Frankfurts Frühstückscafés, Viertel für Viertel.

Katharina Vogt
Katharina Vogt
19. Juni 2026 akt. 2. August 2026
Reich gedeckter Frühstückstisch in einem Frankfurter Café

An kaum etwas erkennt man den Frankfurter Rhythmus so gut wie am Frühstück. Werktags steht die Stadt früh auf: Kaffee to go, ein Brötchen im Stehen, dann hinein in die Bahn. Am Wochenende aber dreht sich das Tempo um. Dann zieht sich das Frühstück über Stunden, die Tische auf der Berger Straße füllen sich schon vor zehn, und niemand hat es eilig. Ich frühstücke selbst am liebsten außer Haus, und aus der Handvoll Cafés, die es zu meiner Studienzeit gab, ist inzwischen eine richtige Szene geworden – vor allem im Nordend und in Bornheim, aber längst auch in Sachsenhausen und in der Innenstadt.

Eines vorweg: Hier geht es um das klassische Café-Frühstück quer durch die Viertel – Ei nach Wahl, guter Kaffee, gemütlich sitzen bleiben. Wer etwas Bestimmtes sucht, wird an anderer Stelle auf dieser Seite besser fündig: beim großen Frühstücksbuffet, beim Frühstück mit Aussicht über den Dächern der Stadt, beim türkischen Frühstück mit seinen vielen kleinen Schälchen oder beim rein veganen Frühstück. Für alles andere bleiben Sie hier.

Nordend: wo der Frühstückstag anfängt

Für mich beginnt Frankfurts Frühstückslandkarte im Nordend. Rund um den Merianplatz und die untere Berger Straße liegen die Klassiker so dicht beieinander, dass man einen halben Sonntag allein hier verbringen kann.

Meine erste Adresse für einen ausgedehnten Brunch ist Harvey’s in der Bornheimer Landstraße 64, nur wenige Schritte vom U-Bahnhof Merianplatz (U4). Das Café residiert in einem hohen, denkmalgeschützten Altbau mit Stuckdecken, an den Wänden hängen Porträts von Prominenten, und die Atmosphäre ist herzlich und ein bisschen glamourös zugleich – eine Frankfurter Institution seit über einem Jahrzehnt. Am Wochenende arbeitet Harvey’s mit festen Frühstückszeiten in mehreren Etappen über den Vormittag; reservieren Sie unbedingt, sonst stehen Sie an. Unter der Woche hat das Haus bis in den Abend geöffnet, sodass hier auch ein spätes Frühstück am Nachmittag noch drin ist.

Wer es moderner und leichter mag, geht ins Sunny Side Up in der Gluckstraße 21. Die Karte ist komplett vegetarisch, mit vielen veganen und glutenfreien Varianten – Pancakes, Frühstücks-Bowls, Avocado-Brote, dazu ordentlicher Spezialitätenkaffee und Matcha. Frühstück gibt es hier den ganzen Vormittag, die Küche läuft bis 15 Uhr. Sunny Side Up hat noch zwei weitere Filialen (im Westend an der Bockenheimer Landstraße und in Sachsenhausen), aber der Nordend-Standort ist mein Favorit für einen ruhigen Wochentag.

Und wenn es Ihnen weniger ums Essen als um den perfekten Espresso geht: Hoppenworth & Ploch an der Friedberger Landstraße 86 war 2014 Frankfurts erste reine Third-Wave-Rösterei und ist bis heute die Anlaufstelle für Kaffee-Nerds und alle, die es werden wollen. Frisch geröstete Bohnen aus einzelnen Anbaugebieten, jeden Morgen Croissants, dazu vegane Sandwiches – ein Frühstück im engeren Sinn ist das nicht, aber ein „Croissant + Kaffee“ hier ist ein kleines Ritual für sich.

Bornheim und die Berger Straße: von israelisch bis hausgeröstet

Weiter oben verwandelt sich die Berger Straße in die lebendige Flaniermeile von Bornheim – und in eine der besten Frühstücksmeilen der Stadt. Mehr über das Viertel selbst lesen Sie in meinem Porträt von Bornheim und der Berger Straße; hier geht es ums Essen.

Ein echter Langläufer ist das GINKGO in der Berger Straße 81, das es seit 1995 gibt. Aufstriche, Pasten und Marmeladen sind hausgemacht nach eigenen Rezepten, und gefrühstückt wird bis 14.30 Uhr – ideal für alle, die morgens nicht in die Gänge kommen. An Wochenenden und Feiertagen konzentriert sich die Küche ganz auf Frühstück und Eierspeisen.

Meine Empfehlung für alle, die etwas anderes als das übliche Brötchen-mit-Marmelade wollen: das Café Morcolade in der Eichwaldstraße 2, gleich hinter der oberen Berger Straße nahe der Station Bornheim Mitte (U4). Hier kommt israelisch geprägte Küche auf den Tisch – Shakshuka mit pochierten Eiern in würziger Tomatensauce, Hummus, Sabich –, dazu klassische Frühstücksteller, viel Vegetarisches und Veganes. Der eigentliche Brunch läuft täglich von 9 bis 13 Uhr, kommen Sie also nicht zu spät.

Für den Kaffee danach lohnt der Abstecher zu Café Wacker in der Berger Straße 185. Die Familie Wacker röstet seit über hundert Jahren in Frankfurt, und diese Filiale ist mit gerade einmal 15 Plätzen drinnen die kleinste und gemütlichste – im Sommer sitzt man ohnehin lieber draußen und schaut dem Treiben auf der Berger Straße zu.

Sachsenhausen: Kaffeehausruhe „dribbdebach“

Auf der anderen Mainseite, von den Frankfurtern liebevoll „dribbdebach“ genannt, wird das Tempo spürbar langsamer. Wer nach dem Frühstück ohnehin durch das alte Sachsenhausen bummeln möchte, findet in meinem Beitrag zu Sachsenhausen mit Äppelwoi und Grüner Soße weitere Ideen.

Das schönste Kaffeehaus des Viertels ist für mich das Café Wacker in der Schweizer Straße 18, wenige Minuten vom U-Bahnhof Schweizer Platz. Es liegt in einem denkmalgeschützten Altbau, hat etwa 50 Plätze und eine klassisch-moderne Wiener Anmutung. Der Kaffee stammt aus eigener Röstung – die Auswahl reicht über dreißig Sorten –, dazu gibt es Frühstücksvarianten, feines Gebäck und Kuchen. Geöffnet ist von morgens früh bis in den Abend (Stand 2026: montags bis freitags ab 8 Uhr, am Wochenende ab 8 bzw. 9 Uhr).

Etwas kleiner und familiärer ist Amélie’s Wohnzimmer am Affentorplatz 20, ganz in der Nähe des Mainufers. Der Name ist Programm: enge, liebevoll eingerichtete Räume mit Wohnzimmer-Charme, in denen man sich sofort niederlassen möchte. Gefrühstückt wird bis 15 Uhr, samstags klassisch und sonntags als Brunch. Weil das Café klein und beliebt ist, sollten Sie am Wochenende reservieren – spontan hereinzuschneien geht selten gut.

Innenstadt: Frühstück zwischen Goethe-Haus und Römer

Auch mitten im Zentrum, zwischen Einkaufsstraßen und Sehenswürdigkeiten, lässt sich hervorragend frühstücken – wenn man weiß, wohin.

Die Institution schlechthin ist das Café Karin im Großen Hirschgraben 28, direkt neben dem Goethe-Haus und nur ein paar Schritte von der Hauptwache entfernt. Es gehört zu den ersten Frühstücksadressen der Stadt und hält sich seit über drei Jahrzehnten – ein charmanter Beweis, dass gutes Frühstück nie aus der Mode kommt. Die Frühstücksvarianten sind hier nach Frankfurter Stadtteilen benannt, und gefrühstückt werden darf bis 18 Uhr, für Langschläfer also der ganze Tag. Ein wichtiger Hinweis: dienstags bleibt geschlossen, planen Sie das ein.

Wer nur einen schnellen, richtig guten Espresso im Stehen braucht, findet ihn im Stammhaus von Café Wacker am Kornmarkt 9. Dieses winzige Lokal wurde bereits 1955 eröffnet und ist auf gut achtzig Quadratmetern seither kaum verändert – eine Zeitkapsel mitten in der City. Für Kaffee und Gebäck rund um den Römer ist außerdem die Neue-Altstadt-Filiale von Hoppenworth & Ploch am Markt 22 ideal (täglich ab 10 Uhr). Und wer ein richtiges Frühstück mit Ruhe sucht, kehrt ins Walden im Kleinen Hirschgraben 7 ein, das neben unaufgeregter Weltküche auch ein vielseitiges Frühstück serviert.

Bahnhofsviertel: Spezialitätenkaffee und ein Deli

Das Bahnhofsviertel hat sich vom rauen Rotlichtquartier zu einem der spannendsten Ausgehviertel gewandelt – beim Frühstück zeigt sich das weniger in großen Café-Sälen als in ambitionierten Spezialitätenkaffee-Bars, in denen der Flat White im Mittelpunkt steht und ein Croissant oder Bagel dazukommt. Perfekt für einen kurzen, guten Start vor dem Zug.

Eine Sonderrolle spielt Maxie Eisen in der Münchener Straße 18, ein jüdisch-amerikanisch inspiriertes Deli, das seit 2013 für seine Pastrami-Sandwiches und die Matzeknödelsuppe bekannt ist. Kein klassisches Frühstückscafé – die Küche startet erst gegen 11.30 Uhr –, aber wenn Sie den Vormittag verschlafen haben und trotzdem Lust auf etwas Deftiges vor der Weiterreise haben, ist das Ihre Adresse.

Was auf einen guten Frankfurter Frühstückstisch gehört

Frankfurts Frühstückskultur ist herrlich international, aber ein paar Dinge sollten Sie sich gezielt heraussuchen:

  • Shakshuka: Die israelisch geprägte Szene – allen voran das Café Morcolade – hat pochierte Eier in würziger Tomatensauce fest etabliert. Wer das einmal an einem Sonntag gegessen hat, bestellt selten wieder nur Rührei.
  • Hausgerösteter Kaffee: Bei Hoppenworth & Ploch und Café Wacker kommen die Bohnen aus eigener Röstung. Bestellen Sie ruhig mal einen Filterkaffee statt des üblichen Cappuccinos – der Unterschied ist verblüffend.
  • Frisches Gebäck am Morgen: Croissants gibt es überall, aber die täglich frisch gebackenen bei den Röstereien und im Café Wacker heben sich deutlich vom Supermarkt-Standard ab.
  • Das Ei nach Wahl: Der Frankfurter Frühstücksklassiker ist unspektakulär und großartig zugleich – frische Brötchen, Aufschnitt, Käse, ein Ei, wie Sie es mögen. Im GINKGO oder Café Karin bekommen Sie ihn in Reinform.

So planen Sie Ihren Frühstücksmorgen

Ein paar Dinge, die ich als Einheimische verinnerlicht habe und die Ihnen Ärger ersparen:

  • Wochenende heißt reservieren. Harvey’s, Amélie’s Wohnzimmer und das Sunny Side Up sind samstags und sonntags schnell voll. Reservieren Sie – oder seien Sie vor 10 Uhr da.
  • Frühstück dauert hier. Viele Küchen servieren bis 14.30 oder 15 Uhr, das Café Karin sogar bis 18 Uhr. Ein spätes, entspanntes Frühstück ist also gut machbar.
  • Ruhetage im Kopf haben. Das Café Karin schließt dienstags – gerade im Zentrum, wo man spontan vorbeischaut, ist das leicht vergessen.
  • Etwas Bargeld dabeihaben. Kleinere Cafés nehmen nicht immer Karte; ein paar Scheine in der Tasche schaden nie.
  • Das Wetter nutzen. Im Sommer lebt die Berger Straße von ihren Außenplätzen. Nirgends lässt sich der Vormittag besser vertrödeln als bei einem zweiten Kaffee in der Sonne.

Mein Frankfurter Frühstücks-Sonntag

Wenn Freunde zu Besuch sind und mich nach dem perfekten Frühstückssonntag fragen, sieht mein Vorschlag meist so aus: Wir starten früh und ohne Reservierung mit einem Filterkaffee und einem Croissant bei Hoppenworth & Ploch an der Friedberger Landstraße, einfach um wach zu werden. Dann spazieren wir die Berger Straße hinauf, schauen in die Läden, und gegen elf setzen wir uns zum eigentlichen Brunch – entweder ins GINKGO für die klassische Variante oder ins Café Morcolade, wenn alle Lust auf Shakshuka haben. Wer danach noch Zeit hat, fährt „dribbdebach“ nach Sachsenhausen, nimmt im Café Wacker an der Schweizer Straße einen letzten Espresso und schließt den Vormittag mit einem Bummel am Mainufer ab.

So ein Vormittag zeigt Frankfurt von seiner entspanntesten Seite – ohne Bankentürme, ohne Eile, dafür mit dem besten Kaffee der Stadt und der Gewissheit, dass das nächste gute Café garantiert nur zwei Straßen weiter liegt. Suchen Sie sich ein Viertel aus, nehmen Sie sich Zeit, und lassen Sie den Tag von selbst beginnen.

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