Trinkgeld, Rechnung und Mehrwertsteuer in Frankfurt: Was Sie wirklich zahlen
Der Preis auf der Karte ist der Preis: Was Sie über Trinkgeld, das Teilen der Rechnung und die Mehrwertsteuer wissen sollten, bevor der Kellner an den Tisch kommt – von einer Frankfurterin, ehrlich durchgerechnet.
Es gibt einen Moment, an dem ich Besucher aus Übersee ziemlich zuverlässig erkenne: Die Rechnung liegt auf dem Tisch, der Blick fällt auf die Summe – und dann beginnt das stille Kopfrechnen. Kommt jetzt noch Steuer obendrauf? Sind zwanzig Prozent zu wenig? Wo trägt man das ein? Ich verstehe die Unsicherheit gut, denn in vielen Ländern ist der gedruckte Preis erst der Anfang der Rechnung. In Frankfurt ist er das Ende. Was auf der Karte steht, ist der Betrag, den Sie zahlen: Mehrwertsteuer und Bedienung sind bereits enthalten, nichts wird an der Kasse noch addiert. Alles, was darüber hinausgeht, ist eine freiwillige Geste – und sie fällt hier deutlich kleiner aus, als Amerikaner es gewohnt sind. Weil über diese drei Größen – Rechnung, Trinkgeld und Mehrwertsteuer – erstaunlich viel Halbwissen kursiert, habe ich sie einmal sauber sortiert und durchgerechnet.
Der Preis auf der Karte ist der Endpreis
In Deutschland schreibt die Preisangabenverordnung vor, dass Preise gegenüber Privatkunden als Endpreise ausgezeichnet werden – inklusive Umsatzsteuer und aller sonstigen Bestandteile. Steht in der Kleinmarkthalle 4,50 Euro an der Tafel, zahlen Sie 4,50 Euro. Steht auf der Speisekarte im Bahnhofsviertel 18,90 Euro für das Curry, kostet das Curry 18,90 Euro. Der Aufschlag, den man in den USA an der Kasse erlebt, existiert hier schlicht nicht, weil die Steuer bereits eingepreist ist.
Genauso wenig gibt es ein separates Bedienungsgeld. Bis in die 1980er-Jahre wurde in deutschen Restaurants gelegentlich ein Servicezuschlag ausgewiesen; seit die Endpreisregel gilt, ist das verschwunden. Die Bedienung ist also im Preis enthalten – und, das ist der entscheidende Unterschied zu den USA, das Personal lebt nicht vom Trinkgeld. Seit dem 1. Januar 2026 liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 13,90 Euro brutto je Stunde, in der gehobenen Gastronomie und in den etablierten Häusern der Stadt liegen die Löhne darüber. Ihr Trinkgeld ist damit genau das, was das Wort meint: eine Anerkennung, kein Gehaltszuschuss, den Sie schuldig wären.
„Zusammen oder getrennt?“
Diese vier Wörter hören Sie in jedem Frankfurter Lokal, und sie sind keine Prüfungsfrage. Bezahlt wird in Deutschland fast immer am Tisch, nicht an einer zentralen Kasse: Sie signalisieren dem Servicepersonal, dass Sie zahlen möchten, es kommt mit dem Portemonnaie oder dem mobilen Terminal und fragt, ob es zusammen oder getrennt sein soll. Getrennt zu zahlen ist hier vollkommen normal und niemandem peinlich – auch nicht zu sechst, auch nicht, wenn jemand nur ein Wasser hatte. Servicekräfte rechnen das im Kopf oder am Gerät durch, und die Bestellungen werden ohnehin pro Person erfasst. Nur an einem vollen Freitagabend in einer großen Runde ist es höflich, die Absicht früh anzukündigen.
Der zweite Unterschied ist die Art, wie man den Betrag nennt. Sie warten nicht auf Wechselgeld und legen anschließend etwas hin, sondern Sie sagen die Summe, die Sie insgesamt zahlen wollen, direkt beim Übergeben des Geldes: Die Rechnung lautet auf 33,40 Euro, Sie geben einen Fünfzigeuroschein und sagen „Machen Sie 36“ – dann bekommen Sie 14 Euro zurück, und alles ist geklärt. Reichen Sie den Schein wortlos herüber, erhalten Sie das komplette Wechselgeld, und das anschließende Herumsuchen nach passenden Münzen ist genau das umständliche Manöver, das Sie sich sparen wollten. Bei Kartenzahlung nennen Sie ebenso den Gesamtbetrag, bevor das Terminal eingetippt wird. Einen Beleg bekommen Sie in Deutschland seit der Belegausgabepflicht praktisch immer automatisch.
Trinkgeld: die realistischen Zahlen
Üblich sind in Deutschland rund fünf bis zehn Prozent, und die gängigste Form ist schlicht das Aufrunden auf einen glatten Betrag. Niemand erwartet zwanzig Prozent, und niemand wird Ihnen hinterherlaufen, wenn Sie gar nichts geben – Trinkgeld ist rechtlich eine freiwillige Zuwendung an die bedienende Person und bleibt für sie steuerfrei, solange sie es direkt bekommt. Ein paar Beispiele aus meinem eigenen Alltag, mit Frankfurter Preisen (Stand 2026):
- Zwei Portionen Grüne Soße mit Ei zu je 12,50 Euro und drei Schoppen Apfelwein zu je 2,80 Euro ergeben 33,40 Euro. Ich sage „Machen Sie 36“ – knapp acht Prozent.
- Ein Abendessen zu zweit im Bahnhofsviertel über 68,40 Euro runde ich auf 75 Euro auf. Das sind rund zehn Prozent, weil der Abend lang war und der Service aufmerksam.
- Cappuccino und ein Stück Kuchen im Nordend für 8,30 Euro werden zu 9 Euro. Bei kleinen Beträgen zählt die glatte Zahl, nicht der Prozentsatz.
- Ein Cocktail an der Bar für 12 Euro wird zu 13 Euro; an der Theke reicht auch ein Euro pro Runde, den man beim Bezahlen liegen lässt.
Für andere Situationen gelten eigene Maßstäbe. Im Taxi rundet man auf: Aus 33 Euro werden 35 – mehr dazu in meiner Übersicht zu den Taxikosten in Frankfurt. Im Hotel sind ein bis zwei Euro pro Nacht für das Zimmermädchen üblich, am besten am Ende des Aufenthalts sichtbar hinterlegt, ein Euro pro Gepäckstück für den Pagen. In der Apfelweinwirtschaft wird nicht groß gerechnet: Man rundet den Schoppenpreis oder die Gesamtsumme auf, und weil hier oft mit dem Bembel für den ganzen Tisch bestellt wird, gibt derjenige, der zahlt, die Rundung für alle. Welche Häuser sich dafür lohnen, steht in meinem Guide zu den besten Apfelweinkneipen, und warum der Äppelwoi in Frankfurt überhaupt so eine Rolle spielt, in meinem Beitrag zum Nationalgetränk der Stadt.
Und noch eine Kleinigkeit, die Amerikanern oft schwerfällt: Legen Sie das Trinkgeld nicht auf den Tisch und gehen Sie. Die deutsche Geste ist die direkte Übergabe im Moment des Bezahlens. Wenn Ihr Terminal beim Kartenzahlen inzwischen nach einem Trinkgeld fragt – das kommt immer häufiger vor –, ist das völlig in Ordnung; viele Servicekräfte bekommen Bargeld allerdings lieber, weil es unmittelbar bei ihnen landet.
19 oder 7 Prozent: was seit Januar 2026 auf Ihrer Rechnung steht
Deutschland kennt zwei Umsatzsteuersätze: den Regelsatz von 19 Prozent und den ermäßigten Satz von 7 Prozent, der traditionell für Lebensmittel, Bücher, Nahverkehr und Übernachtungen gilt. Für die Gastronomie hat sich hier zum Jahreswechsel etwas Grundlegendes geändert. Mit dem Steueränderungsgesetz 2025 wurde in § 12 Absatz 2 UStG eine neue Nummer eingefügt, die Restaurations- und Verpflegungsdienstleistungen ab dem 1. Januar 2026 dauerhaft mit 7 Prozent besteuert – ausgenommen die Abgabe von Getränken, die beim Regelsatz von 19 Prozent bleibt (Stand 2026). Damit endet eine lange Hin-und-her-Geschichte: Während der Pandemie galten die 7 Prozent befristet, ab 2024 waren Speisen im Lokal wieder mit 19 Prozent belegt, und seit Anfang 2026 gilt der ermäßigte Satz unbefristet – gleich ob Sie im Restaurant sitzen, am Foodtruck stehen oder liefern lassen.
Auf einer echten Frankfurter Rechnung sieht das so aus. Die 33,40 Euro von oben teilen sich in 25 Euro Speisen und 8,40 Euro Apfelwein. Aus den 25 Euro brutto werden 23,36 Euro netto plus 1,64 Euro Steuer, aus den 8,40 Euro 7,06 Euro netto plus 1,34 Euro. Unterm Strich stecken 2,98 Euro Umsatzsteuer in Ihrer Rechnung – ausgewiesen, aber nicht addiert. Deshalb finden Sie auf jedem ordentlichen Beleg zwei Steuerzeilen. Im Café begegnet Ihnen dieselbe Logik im Kleinen: Das Stück Kuchen läuft mit 7 Prozent, der Cappuccino dazu mit 19. Und wer meint, die Senkung müsse doch die Preise gedrückt haben – ehrlich gesagt: In Frankfurt ist davon wenig angekommen, die meisten Häuser haben die Entlastung angesichts gestiegener Löhne und Energiekosten behalten.
Auf der Hotelrechnung wird es dann kurz kompliziert. Die reine Übernachtung ist mit 7 Prozent ermäßigt, Frühstück, Parkplatz, Wellness und WLAN dürfen davon getrennt und mit dem Regelsatz abgerechnet werden; daran hat die Gastro-Senkung nichts geändert (Stand 2026). Für Sie als Gast ist das vor allem eine Buchhaltungsfrage – der Bruttobetrag unten rechts bleibt der Betrag, den Sie zahlen. Interessant wird die Mehrwertsteuer allerdings, wenn Sie in einem Nicht-EU-Land wohnen und in Frankfurt einkaufen: Waren, die Sie ausführen, können Sie sich per Tax Free erstatten lassen, Restaurantbesuche und Hotelnächte dagegen nicht. Wie das am Abflugtag konkret abläuft, mit Zollstempel vor der Gepäckaufgabe, hat unser Partnerportal Abfluglotse in seinem Leitfaden zur Mehrwertsteuer-Rückerstattung am Flughafen aufgeschrieben – Flughafenprozedere ist deren Fach, nicht meines.
Karte oder Bargeld: Frankfurt ist besser als sein Ruf
Der alte Satz „Deutschland ist ein Bargeldland“ stimmt so nicht mehr. Nach der Bundesbank-Studie zum Zahlungsverhalten wurde 2025 erstmals mehr als die Hälfte aller Käufe bargeldlos abgewickelt, und in einer Bankenstadt wie Frankfurt merkt man das besonders: Restaurants, Cafés, Museen, Supermärkte und der öffentliche Nahverkehr nehmen selbstverständlich Karte, meist auch kontaktlos per Handy oder Uhr.
Die Ausnahmen sind aber genau die Orte, an denen Besucher landen. Viele der alten Apfelweinwirtschaften nehmen bis heute nur Bargeld oder allenfalls die Girocard, kaum eine die Kreditkarte. Ähnliches gilt für einzelne Stände in der Kleinmarkthalle, für Kioske, Wochenmärkte, kleine Bäckereien, manche Taxis, die Garderobe im Club und die Toiletten an Bahnhöfen (dort meist 50 Cent bis 1 Euro). Wichtig ist außerdem der Unterschied zwischen der deutschen Girocard und einer Kreditkarte: Wo ein Aufkleber Kartenzahlung verspricht, ist damit nicht automatisch Visa oder Mastercard gemeint, und American Express wird selten akzeptiert. Mein pragmatischer Rat: Tragen Sie etwa 50 Euro in bar bei sich, davon einen Teil in Fünfern, Zehnern und Münzen – schon damit das Aufrunden funktioniert –, und fragen Sie im Zweifel beim Hinsetzen kurz nach. Für die Restaurantauswahl selbst hilft mein Guide zu den besten Restaurants der Stadt, in dem auch die Preisniveaus der einzelnen Viertel stehen.
Wenn das Rechnen doch am Tisch anfängt
Manchmal will man es genau wissen: fünf Leute, eine Rechnung über 148,60 Euro, jeder 29,72 Euro – da rundet man in der Praxis auf 32 Euro pro Person auf und liegt mit 160 Euro insgesamt bei knapp acht Prozent Trinkgeld. Oder Sie bekommen für eine Firmenfeier ein Catering-Angebot über 1.200 Euro netto und wollen wissen, was daraus brutto wird. Für solche Momente nutze ich EinsRechner: keine Werbung, keine Cookies, keine fremden Skripte, und unter jedem Ergebnis steht die verwendete Formel, sodass der Rechenweg nachvollziehbar bleibt. Praktisch ist vor allem, dass der Mehrwertsteuer-Rechner beide Richtungen beherrscht – vom Netto zum Brutto und ebenso vom Brutto zurück zum Netto, wahlweise mit 19 oder 7 Prozent, also genau die Umrechnung, die man beim Prüfen einer Veranstaltungs- oder Hotelrechnung braucht. Wer nur schnell einen Prozentsatz oder einen Aufschlag ermitteln möchte, ist mit dem Prozentrechner schneller als mit jeder Taschenrechner-App.
Am Ende ist das Ganze weniger kompliziert, als es klingt. Sie zahlen, was auf der Karte steht, Sie runden auf einen glatten Betrag auf, Sie sagen diesen Betrag beim Bezahlen laut – und die Steuer haben Sie längst bezahlt, ohne sie je addieren zu müssen. Wenn Sie das nächste Mal in Sachsenhausen sitzen, der Bembel leer ist und die Frage „Zusammen oder getrennt?“ kommt, wissen Sie beides: was Sie antworten und was Sie geben.
Weiterlesen
Essen & Trinken
Ebbelwei-Express Frankfurt: Apfelwein-Tour in der Straßenbahn
Der Ebbelwei-Express: Frankfurts bunte Apfelwein-Straßenbahn seit 1977. Strecke rund um Zoo und Sachsenhausen, Fahrplan, Preise, was im Ticket steckt und Tipps einer Einheimischen.
Essen & Trinken
Rooftop-Bars & Restaurants mit Skyline-Blick in Frankfurt
Die besten Rooftop-Bars und Höhenrestaurants Frankfurts mit Skyline-Blick: NFT Skybar im ONE Tower, Main Tower, 22nd Lounge im Eurotheum, Occhio d'Oro, oben, GAIA und mehr – mit Etage, Preisen und ehrlichen Tipps (Stand 2026).
Essen & Trinken
Die besten Restaurants in Frankfurt: Guide nach Küche & Viertel
Wo man in Frankfurt wirklich gut isst: hessische Klassiker in Sachsenhausen, die Weltküche im Bahnhofsviertel und drei Zwei-Sterne-Häuser – sortiert nach Viertel und Küche, mit ehrlichen Tipps einer Einheimischen.
Essen & Trinken
Veganes Frühstück in Frankfurt: Die besten Cafés & Brunch-Spots
Rein vegane Cafés und veganfreundliche Frühstückslokale in Nordend, Bornheim, Bockenheim und der Innenstadt – mit Adressen, was ich dort bestelle und Tipps für den Wochenend-Brunch.