Frankfurt Guide
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Sehenswürdigkeiten

Mainufer, Parks und Grünflächen in Frankfurt: die Stadt ohne Kasse

Frankfurts bester Tag kostet keinen Cent. Vom Westhafen den Main entlang, hinauf ins Westend, hinüber ins Nordend und am Ende hinunter in einen Wald, der seit 1372 der Stadt gehört.

Katharina Vogt
Katharina Vogt
17. September 2026
Baumgesäumte Uferpromenade im Abendlicht: ein markierter Radweg zwischen zwei Baumreihen, rechts ein gepflasterter Gehweg mit Holzbänken, dahinter offenes Wasser und Hügel am Horizont
Foto: MEHMET SÜTLAŞ / Pexels

Frankfurt gilt als teure Stadt, und bei Museumstickets stimmt das auch. Der Teil der Stadt, in dem ich am liebsten bin, kostet dagegen nichts: der Fluss, die Parks und, ganz im Süden, ein Wald, der größer ist als manche Kleinstadt. Das Beste daran ist, dass diese Orte zusammenhängen. Das Mainufer ist hier weniger ein Ziel als eine Achse – man folgt ihm von West nach Ost und greift unterwegs fast alles ab, was in dieser Stadt grün ist. Genau diese Linie beschreibe ich hier.

Sieben Kilometer Fluss: der Mainuferweg als Rückgrat

Dass man in Frankfurt kilometerweit am Wasser entlanglaufen kann, ist kein Zufall. Seit 1990 wurde das Projekt eines Mainuferparks vorangetrieben, der sich von der Deutschherrnbrücke im Osten bis zur Main-Neckar-Brücke im Westen spannt; bis zur Fußball-WM 2006 war entlang beider Ufer eine zusammenhängende Parklandschaft von rund sieben Kilometern Länge entstanden. Vorher war ein Gutteil davon Parkplatz – am Deutschherrnufer, wo die Umgestaltung Ende der 1990er-Jahre begann, sieht man das heute nicht mehr an.

Die beiden Seiten haben verschiedene Charaktere, und das entscheidet über den Spaziergang. Das nördliche Mainufer beginnt wenige Schritte vom 109 Meter hohen Westhafen-Tower: Fuß- und Radweg direkt am Fluss, alte Bäume über großzügigen Wiesen, hinter der Untermainbrücke ein vom Autoverkehr abgeschirmter Spielplatz für Kleinkinder. Zum Eisernen Steg hin teilt sich die Promenade den Platz mit den Gleisen der alten Hafenbahn, die zu besonderen Anlässen noch fährt, und führt weiter östlich über die Weseler und die Ruhrorter Werft bis zum Hafenpark neben der Europäischen Zentralbank.

Das südliche Mainufer ist die Seite mit der Aussicht: Wer die Skyline sehen will, läuft drüben in Sachsenhausen. Zwischen Alter Brücke, Eisernem Steg und Untermainbrücke liegen im Sommer Boote, auf denen man Kaffee trinkt, und am Schaumainkai beginnt die Museumsmeile – wie Sie die angehen, ohne sich zu verzetteln, steht in meinem Beitrag zum Museumsufer. Ein Detail, das häufig falsch weitergegeben wird: Der Frankfurter Flohmarkt ist nicht jeden Samstag am Ufer, sondern jeden zweiten, zwischen 9 und 14 Uhr, Feiertage ausgenommen – und er wechselt zwischen dem Schaumainkai und dem Osthafen an der Lindleystraße (Stand 2026). Die aktuellen Termine und meine Tipps fürs Feilschen stehen im Beitrag zum Flohmarkt in Frankfurt.

Mit dem Auto ist das Ufer die schlechteste aller Ideen, denn Parkplätze gibt es dort praktisch keine. Stellen Sie den Wagen lieber in einem der zentralen Parkhäuser in der Frankfurter Innenstadt ab und gehen Sie die letzten Minuten zu Fuß.

Das Nizza: mediterrane Terrassen hinter der Kaimauer

An der Untermainbrücke verdichtet sich die Vegetation am nördlichen Ufer schlagartig, und man steht im Nizza. Der Name ist historisch: Sebastian Rinz, Frankfurts erster offizieller Stadtgärtner, legte die Anlage an, und sein Enkel Andreas Weber brachte 1875 erstmals exotische Pflanzen an den Main. Möglich macht das die hohe Kaimauer aus rotem Sandstein – sie speichert Wärme, die Südlage ist windgeschützt, und in diesem Kleinklima überstehen mediterrane Gewächse den Frankfurter Winter. Nach der Umgestaltung von 2000 wurden gezielt frostharte Arten gepflanzt, die nicht mehr eingeräumt werden müssen.

Was hier wächst, ist für eine innerstädtische Grünanlage bemerkenswert: Palmen und Feigenbäume, immergrüne Eichen, Zistrosen, Lavendel und Salbei, Erdbeerbaum und ein Bergmammutbaum. Die Anlage ist in drei Zonen gegliedert, und wer das weiß, kommt zur richtigen Zeit: Entlang der Kaimauer liegt der Winterblühgarten, daran schließt der Obstgarten an, dessen Blütehöhepunkt im frühen Herbst liegt, und zur Mainseite hin der Sommerblühgarten. Das Nizza hat also in jedem Monat etwas zu zeigen – Kasse, Tor und Öffnungszeiten gibt es nicht. Das gärtnerisch aufwendigere, aber kostenpflichtige Gegenstück liegt oben im Westend: Wie Sie den Palmengarten planen, habe ich getrennt beschrieben.

Der Grüneburgpark: 27 Hektar Westend ohne Eintritt

Vom Nizza sind es gut zwanzig Minuten nach Norden bis in Frankfurts drittgrößte Grünanlage. Der Grüneburgpark misst 27 Hektar, wurde 2014 in einer Umfrage zum beliebtesten Park der Stadt gewählt, und viele seiner Bäume sind über hundert Jahre alt. Er war einst Wohnsitz der Familie Rothschild, die den Garten unter anderem von Heinrich Siesmayer gestalten ließ; nach der Enteignung durch die Nationalsozialisten ging er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg an die Stadt über. Wo das Palais der Rothschilds stand, markiert heute ein Beet aus weißen und rosafarbenen Rosen die Stelle – eine der stillsten Gedenkgesten, die ich in Frankfurt kenne.

Seit der 2017 abgeschlossenen Grundsanierung gibt es wieder robuste Wege und mehrere fantasievolle Spielplätze. Bemerkenswert ist, wie wenig hier gemäht wird: Ganze Flächen sind Wildwiesen, die nur ein- bis zweimal im Jahr geschnitten werden, und der alte Baumbestand beherbergt zahlreiche Vogel- und Fledermausarten.

Im Osten liegt der Koreanische Garten, und hier muss ich Sie bremsen, weil ihn fast jeder Reiseführer noch als Attraktion führt. Der 4.800 Quadratmeter große Garten entstand als Gastgeschenk Südkoreas zur Buchmesse 2005, angelegt als traditioneller Gelehrtengarten mit zwei Pavillons aus koreanischem Material. Am 1. Mai 2017 zerstörte ein Brandanschlag den Morgentaupavillon vollständig; der Garten ist wegen Instandhaltungsarbeiten geschlossen, und auch die erhaltene Pflaumenlaube braucht dringend ein neues Dach (Stand 2026). Planen Sie ihn also nicht ein. Hinkommen: U1, U2, U3 und U8 halten an der Holzhausenstraße unter der Eschersheimer Landstraße; wer vom Palmengarten kommt, nimmt U6 oder U7 bis Westend.

Günthersburgpark: der Nordend-Park und das fehlende Stück

Der Günthersburgpark im Nordend-Ost zwischen Wetteraustraße und Comeniusstraße hat eine ähnliche Herkunft: 1837 ließ ihn der Bankier Carl Mayer von Rothschild als englischen Landschaftspark anlegen, wieder unter Sebastian Rinz und mit Heinrich Siesmayer; öffentlich zugänglich ist er seit 1892. Heute ist er offiziell 7,4 Hektar groß – und genau das ist sein Problem. Das Nordend ist einer der am dichtesten besiedelten Stadtteile Frankfurts, Grün- und Spielflächen sind knapp, und die Stadt selbst schreibt, der Park werde „stark überansprucht“.

Deshalb wird er nach Norden erweitert, um rund vier Hektar auf dem Gelände eines ehemaligen Betriebshofs des Grünflächenamts. Der Rückbau ist abgeschlossen und erste Teilflächen sind eingesät und freigegeben – für die eigentlichen Landschaftsbauarbeiten fehlen jedoch derzeit die Mittel (Stand 2026). Sie finden also einen sehr lebendigen, dicht genutzten Park mit Wasserspielanlage und Abenteuerspielplatz und daneben eine große, noch rohe Fläche. Erreichbar mit der Straßenbahn 12 bis zur Haltestelle Günthersburgpark, den Buslinien 30 und 103 oder der U4 bis Bornheim Mitte. Zwei weitere Ziele im Nordosten – den chinesischen Garten im Bethmannpark und den Lohrberg als kostenlosen Skyline-Blick – habe ich in meinen Frankfurter Geheimtipps beschrieben, statt sie hier zu wiederholen.

Der Frankfurter Stadtwald: wo die Stadt in Wald übergeht

Südlich des Mains hört Frankfurt nicht auf, es wird Wald. Der Frankfurter Stadtwald umfasst rund 5.785 Hektar, davon 3.866 Hektar innerhalb der Stadtgrenzen, und macht fast die Hälfte des GrünGürtels aus (Stand 2026). Er gehört der Stadt seit dem 2. Juni 1372, als Kaiser Karl IV. ihn für 8.800 Gulden übergab. Im Westen liegen der trockene, sandige Unterwald und der Schwanheimer Wald mit Kiefern und knorrigen Eichen, im Osten der feuchtere Oberwald mit sehr hohen Buchen und zahlreichen Weihern. Dass es dem Wald nicht gutgeht, verschweigt die Stadt nicht: Mehr als 70 Prozent der Bäume gelten als mittel bis schwer erkrankt.

Weil das Gebiet riesig ist, entscheidet der Einstieg über den Tag. Die praktischste Linie ist die Straßenbahn 17, die vom Hauptbahnhof über die Stresemannallee zu den Haltestellen Louisa Bahnhof und Oberschweinstiege und weiter bis Neu-Isenburg Stadtgrenze fährt.

Das StadtWaldHaus mit der Fasanerie liegt an der Kuhpfadschneise, die gegenüber der Oberschweinstiege von der Isenburger Schneise abgeht: Tram 17 bis Oberschweinstiege, dann rund 800 Meter der Beschilderung folgen. Auf etwa drei Hektar gibt es Wildgehege mit über zwanzig heimischen Tierarten, eine Auffangstation für verunfallte Wildtiere, einen Barfußpfad und eine Waldausstellung; der Eintritt ist kostenfrei. Geöffnet ist von März bis Oktober montags bis donnerstags 9 bis 16 Uhr, samstags 12 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags 10 bis 18 Uhr; von November bis Februar samstags nur bis 16 Uhr und sonn- und feiertags 10 bis 16 Uhr. Eine Regel, an der viele scheitern: Hunde dürfen nicht mit aufs Gelände, auch nicht in den Außenbereich.

Beim Goetheturm am Sachsenhäuser Landwehrweg kommt es auf das Datum an. Der 43,3 Meter hohe Holzturm mit seinen 196 Stufen brannte in der Nacht zum 12. Oktober 2017 durch Brandstiftung ab und ist seit dem Frühjahr 2021 wieder zugänglich. Geöffnet ist er vom 1. April bis zum 31. Oktober von 8 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit, spätestens bis 20 Uhr; im Herbst und Winter bleibt er aus Sicherheitsgründen geschlossen. Am Fuß liegen Gastronomie und der 2,98 Hektar große Waldspielpark Goetheturm mit Planschbecken und dem 2006 angelegten Irrgarten. Die Haltestelle heißt schlicht Goetheturm und wird von der Buslinie 48 ab Südbahnhof bedient.

Der Waldspielpark Louisa, der älteste der sieben Waldspielparks, wurde 1954 auf dem Gelände eines Landschaftsgartens von 1812 angelegt und ist 2,5 Hektar groß. Wer lieber ans Wasser will, geht zum Jacobiweiher, dem größten Waldweiher, den die Frankfurter wegen seiner Form „Vierwaldstättersee“ nennen; ein Rundweg mit Bänken führt herum, am Westende liegt das Ausflugslokal Oberschweinstiege. Baden ist nicht erlaubt. Unterwegs begegnen Ihnen die sieben Skulpturen der Komischen Kunst nach Entwürfen von Robert Gernhardt und F. K. Waechter, darunter der Pinkelbaum und eine Eule im Norwegerpulli.

Und ja, man hört den Flughafen: Der Stadtwald umschließt ihn, und Richtung Schwanheim laufen Sie unter der Anflugschneise. Wer ohnehin in Frankfurt umsteigt, findet in der Übersicht zur Terminalaufteilung am Frankfurter Flughafen den aktuellen Stand – dort hat sich zuletzt einiges verschoben.

Der GrünGürtel hält alles zusammen

Dass Fluss, Parks und Wald so selbstverständlich ineinander übergehen, hat einen Beschluss als Ursache: 1991 verabschiedeten die Stadtverordneten die GrünGürtel-Verfassung, um den grünen Ring um die Innenstadt dauerhaft zu sichern. Er umfasst etwa ein Drittel der Stadtfläche, rund 80 Quadratkilometer. Der GrünGürtel-Rundwanderweg misst knapp 68 Kilometer in neun Abschnitten, für die es jeweils einen Stempel in den Wanderpass gibt – ein unaufgeregtes Projekt, für das man kein Wanderer sein muss.

Mein Tag zwischen Fluss und Wald

So sähe mein Samstag aus: Start gegen elf am Westhafen, am nördlichen Ufer nach Osten, durch das Nizza, über den Holbeinsteg und auf der Sachsenhäuser Seite bis zum Schaumainkai – dort ein Eis auf einem der Boote, mit der Skyline im Rücken. Am frühen Nachmittag entweder die U-Bahn zur Holzhausenstraße und zwei Stunden auf einer Decke im Grüneburgpark oder, wenn alle noch Energie haben, die Tram 17 in den Stadtwald, hinauf auf den Goetheturm und danach eine Runde um den Jacobiweiher. Wer Tiere sehen will und dafür ein Ticket lösen mag, hat mit dem Zoo im Ostend die bequemere Alternative zur Fasanerie.

Abends wird es im Wald schnell dunkel und die Tram fährt dünner. Wer mit müden Kindern unterwegs ist, nimmt ein Taxi – und es hilft, vorher zu wissen, was eine Taxifahrt in Frankfurt ungefähr kostet.

Was mich an dieser Stadt versöhnt, ist genau diese Reihenfolge: morgens an einem Fluss, mittags unter hundertjährigen Bäumen, nachmittags in einem Wald, der seit 1372 der Stadt gehört – ohne ein einziges Mal eine Kasse zu passieren. Falls Sie von außerhalb anreisen und abwägen, ob sich das Auto lohnt, beantworten die Entfernungen und Fahrzeiten ab Frankfurt am Main das schneller als jede Diskussion am Frühstückstisch. Und falls der Goetheturm im Herbst geschlossen ist: gehen Sie trotzdem hin. Der Wald darunter ist dann am schönsten.

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