Frankfurt Guide
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Sehenswürdigkeiten

Frankfurt-Geheimtipps: Lieblingsorte abseits der Touristenpfade

Römerberg und Skyline stehen in jedem Reiseführer. Ich nehme Sie mit an die Orte, an denen die Frankfurter selbst sind – vom subtropischen Maingarten bis zum einzigen Weinberg der Stadt.

Katharina Vogt
Katharina Vogt
24. Juli 2026 akt. 2. August 2026
Ruhige Gasse abseits der Touristenpfade
Foto: Zepps Project / Pexels

Wenn Freunde mich zum ersten Mal in Frankfurt besuchen, laufen wir natürlich einmal über den Römerberg und schauen von irgendwo auf die Skyline. Sobald das erledigt ist, fängt für mich der schönere Teil an. Denn das Frankfurt, das ich liebe, beginnt dort, wo die Reisegruppen wieder umkehren: in einem subtropischen Garten direkt am Wasser, in einer Markthalle, in der man mittags im Stehen ein Glas Wein trinkt, oder auf dem einzigen Weinberg der Stadt. Was hier folgt, ist keine Rangliste der „Top-Sehenswürdigkeiten“, sondern die Liste, die ich Bekannten in die Hand drücke, wenn sie das andere Frankfurt sehen wollen – mit Adressen, Preisen (Stand 2026) und der einen oder anderen Eigenheit, die man vorher wissen sollte.

Grün, das in keinem Reiseführer steht

Die meisten Besucher kennen den Palmengarten. Kaum jemand kennt das Nizza – und das ist ein kleines Wunder, denn es liegt mitten in der Stadt, direkt am nördlichen Mainufer beim Untermainkai 15. Angelegt hat es Mitte des 19. Jahrhunderts der Stadtgärtner Sebastian Rinz, und heute gilt es als eine der artenreichsten südländischen Pflanzungen im öffentlichen Grün Deutschlands: rund 200 verschiedene Gehölze aus fünf Kontinenten, Palmen, Feigen, Zitrus und mediterrane Kräuter, terrassenförmig zum Fluss hin abfallend. Der Eintritt ist frei, geöffnet ist täglich. Im späten Frühjahr, wenn alles ausschlägt, fühlt es sich hier an wie ein Stück Côte d’Azur, das jemand ans Frankfurter Mainufer verpflanzt hat. Gleich nebenan führt der schmale, autofreie Holbeinsteg über den Main – die ruhigere Alternative zum überlaufenen Eiserner Steg.

Etwas weiter östlich, im Nordend, versteckt sich mein zweiter grüner Liebling: der Garten des Himmlischen Friedens im Bethmannpark (Eingang Berger Straße 12). 1989 haben ihn chinesische Fachleute mit original importierten Bauteilen angelegt – geschwungene Pavillons, filigrane Brücken über einen Teich mit Seerosen und einem Lotusfelsen. Der Name erinnert an die Ereignisse auf dem Tian’anmen-Platz im selben Jahr. Auch hier zahlen Sie nichts; der Park öffnet werktags ab 7 Uhr, am Wochenende ab 10 Uhr, und schließt bei Einbruch der Dunkelheit. Wer noch mehr Ruhe sucht, geht ein paar Straßen weiter in den Günthersburgpark, den großen Wiesen- und Baumpark, in dem die Nordend-Familien ihre Sonntage verbringen – erreichbar mit der U4 bis Bornheim Mitte.

Der schönste Skyline-Blick der Stadt kostet nichts

Für den Blick vom Main Tower stellen sich Besucher an und zahlen Eintritt. Dabei liegt der für mein Empfinden schönste Ausblick draußen im Nordosten und ist umsonst: der Lohrberg in Seckbach, mit rund 185 Metern die höchste Erhebung im Stadtgebiet. Von der Hangkante schauen Sie über die ganze Stadt bis zur Skyline, und weil hier seit dem Mittelalter Wein wächst, ist der Lohrberg zugleich der einzige Weinberg Frankfurts – bewirtschaftet vom städtischen Weingut. Nehmen Sie eine Decke mit, kaufen Sie sich unten etwas ein, und Sie haben ein Picknick mit Panorama, für das andere Städte Eintritt verlangen würden. Wer einkehren möchte, findet in der Lohrbergschänke (Auf dem Lohr 9) Handkäs und Apfelwein. Hinauf kommen Sie mit dem Bus ab Bornheim-Mitte und einem kurzen Anstieg zu Fuß, am schönsten aber mit dem Rad durch den Grüngürtel.

Ein mittelalterliches Städtchen mit S-Bahn-Anschluss

Frankfurts bestgehütetes Geheimnis liegt im Westen und lässt sich in einer knappen Viertelstunde erreichen. Höchst besitzt das größte geschlossene Fachwerk-Ensemble der Stadt: enge Gassen auf mittelalterlichem Grundriss, viele Häuser aus der Zeit nach dem großen Stadtbrand von 1586, und weil der Stadtteil im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont blieb, ist das Ganze gewachsen und nicht am Reißbrett rekonstruiert. Herzstück ist die Justinuskirche, im Kern karolingisch (um 850) und damit eines der ältesten erhaltenen Bauwerke Frankfurts überhaupt. Dazu kommen das Höchster Schloss direkt am Main, einst Residenz der Mainzer Erzbischöfe, und der barocke Bolongaropalast, in dem Napoleon 1813 seine letzte Nacht auf deutschem Boden verbracht haben soll. Mit den S-Bahn-Linien S1 und S2 sind Sie ab der Innenstadt in etwa 15 Minuten am Bahnhof Höchst; von dort ist es ein kurzer Weg in die Altstadt. Mehr zu diesem eigenwilligen Stadtteil habe ich in meinem Beitrag zur Höchster Altstadt zusammengetragen.

Museen, in denen Sie fast allein sind

Am Museumsufer drängen sich die Besucher im Städel – ein paar Häuser weiter haben Sie ganze Säle für sich. Das Weltkulturen Museum (Schaumainkai 29–37) besitzt über 65.000 ethnologische Objekte und zeigt sie in wechselnden, oft künstlerisch kuratierten Ausstellungen, die den westlichen Blick auf fremde Kulturen bewusst hinterfragen. Der Eintritt liegt bei 7 Euro (ermäßigt 3,50 Euro); montags ist geschlossen, mittwochs geht es bis 20 Uhr.

Noch atmosphärischer ist für mich das Archäologische Museum in der Karmelitergasse 1: römische und keltische Funde stehen hier unter den hohen Gewölben einer gotischen Klosterkirche, dem ehemaligen Karmeliterkloster. Allein der Raum lohnt den Weg. Erwachsene zahlen 8 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 kommen frei hinein. Und das gilt für beide Häuser: An jedem letzten Samstag im Monat ist der Eintritt im Rahmen des städtischen „Satourday“-Programms frei – ein Termin, den sich Sparfüchse merken sollten.

Zwei kleinere Häuser lohnen sich für ihre gute Laune. Das Caricatura – Museum für Komische Kunst im Leinwandhaus (Weckmarkt 17, Dienstag bis Sonntag 11–19 Uhr) widmet sich der „Neuen Frankfurter Schule“ um Robert Gernhardt und F. K. Waechter; hier ist Lachen ausdrücklich erlaubt, unter 18 ist der Eintritt frei. Und das MOMEM an der Hauptwache 15 ist das weltweit erste Museum für elektronische Musik – schwarze Wände, Lichtinstallationen, fast Clubatmosphäre. Frankfurt spielte in der Technogeschichte eine Schlüsselrolle, und genau die erzählt dieses Haus (geöffnet Dienstag bis Sonntag, 13–19 Uhr). Wer es lieber motorisiert mag, fährt hinaus nach Fechenheim in die Klassikstadt: In einer denkmalgeschützten Fabrik von 1910 dreht sich auf 16.000 Quadratmetern alles um Oldtimer, hinter Glas und in offenen Werkstätten – der Eintritt ist frei.

Wo die Frankfurter selbst essen und trinken

Die Kleinmarkthalle (Hasengasse 5–7) steht zwar in vielen Reiseführern, aber die meisten laufen am eigentlichen Geheimnis vorbei: Wer die Treppe zur Galerie im ersten Stock nimmt, findet dort einen kleinen Weinstand, an dem Frankfurter mittags völlig selbstverständlich ein Glas Rheingauer oder Rheinhessen trinken. Unten holen Sie sich vorher eine der berühmten Rindswürste von Gref-Völsings – so isst und trinkt die Stadt tatsächlich. Nur an einen Wochentag müssen Sie denken: Die Halle hat Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr und samstags bis 16 Uhr geöffnet, sonntags bleibt sie geschlossen.

Am Abend zieht es die Einheimischen selten in die Innenstadt, sondern hinüber nach Bornheim. Die Berger Straße ist die lebendige Ausgeh- und Einkaufsmeile der Frankfurter selbst, mit kleinen Läden, Cafés und einer entspannten Nachbarschaftsatmosphäre, die man am Zeil vergeblich sucht. Auf der oberen Berger Straße liegt mit Apfelwein Solzer (Berger Straße 260) eine der ältesten Wirtschaften der Stadt, seit Generationen in Familienhand, mit Gartenwirtschaft im Sommer. Wenn Sie tiefer in die Welt des Nationalgetränks eintauchen wollen, hilft mein Überblick zu den besten Apfelweinwirtschaften weiter.

Und für einen langen Sommerabend am Wasser fahre ich am liebsten hinaus zur Gerbermühle (Gerbermühlstraße 105) in Oberrad. Der Biergarten liegt direkt am Main; schon Goethe war hier zu Gast, weil ihn seine Zuneigung zu Marianne von Willemer immer wieder herzog. Von Sachsenhausen aus können Sie gemütlich am Fluss entlanglaufen oder radeln – ein Weg, der fast so schön ist wie das Ziel.

Für acht Euro einmal quer durch die Stadt

Mein charmantester Tipp für kleines Geld ist zugleich der ungewöhnlichste: der Ebbelwei-Express. Diese bunte historische Straßenbahn tuckert an Wochenenden und Feiertagen rund eine Stunde lang durch Frankfurt – vom Zoo über die Innenstadt und den Römer, durchs Bahnhofsviertel, an der Messe vorbei und über den Main nach Sachsenhausen. Das Ticket kostet 8 Euro (ermäßigt 3,50 Euro), und im Preis stecken eine kleine Flasche Apfelwein – wahlweise Apfelsaft oder Wasser – und eine Tüte Brezeln. Für Familien ist das ein Riesenspaß, und man sieht ganz nebenbei mehr von der Stadt als bei mancher teuren Rundfahrt.

Mein Nachmittag abseits der Pfade

Wenn Sie nur einen halben Tag haben und ihn ganz nach meinem Geschmack verbringen möchten, dann so: Starten Sie mittags in der Kleinmarkthalle, essen Sie im Stehen eine Rindswurst und trinken Sie oben auf der Galerie ein Glas Wein. Spazieren Sie danach hinunter zum Main, durch das Nizza mit seinen Palmen und über den Holbeinsteg ans Sachsenhäuser Ufer. Von dort ist es nicht weit ins Museumsufer – gönnen Sie sich das stille Archäologische Museum oder das Weltkulturen Museum, statt sich im Städel durch die Menge zu schieben. Und wenn der Abend kommt, nehmen Sie die U-Bahn nach Bornheim, bummeln über die Berger Straße und lassen den Tag bei einem Schoppen in einer der alten Wirtschaften ausklingen.

Frankfurt belohnt alle, die über den Römerberg hinausschauen. Zwischen einem subtropischen Garten am Fluss, einem Weinberg mit Skyline-Blick, einer Fachwerkaltstadt im Westen und einer Straßenbahn, in der Apfelwein ausgeschenkt wird, zeigt sich eine Stadt, die viel mehr ist als ihr Ruf als Bankenmetropole. Nehmen Sie sich für zwei, drei dieser Orte wirklich Zeit, fahren Sie ruhig ein paar Stationen mit der S-Bahn hinaus – und Sie kommen mit einem ganz anderen Bild von Frankfurt zurück.

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