Senckenberg Naturmuseum Frankfurt: Dinos, Messel & Tipps
Ein 18 Meter langer Diplodocus im Lichthof, ein T. rex, eine echte Dinosaurier-Mumie und die Fossilien der Grube Messel: Warum das Senckenberg für mich Frankfurts bestes Familienmuseum ist – mit Preisen, Zeiten und meinem Rundgang.
Es gibt in Frankfurt Museen, die man einmal besucht und dann abhakt – und dann gibt es das Senckenberg. Kaum ein anderes Haus zieht Kinder so verlässlich in seinen Bann und lässt gleichzeitig Erwachsene mit offenem Mund vor einer Vitrine stehen. Ich bin hier zum ersten Mal als Kind an der Hand meiner Großmutter zwischen den Dinosaurierskeletten hindurchgelaufen, und ich gehe bis heute gern hin – inzwischen oft mit den Kindern von Freunden, die mir dieselben Fragen stellen, die ich damals gestellt habe. Auf den folgenden Zeilen lesen Sie, was das Senckenberg so besonders macht, welche Exponate Sie auf keinen Fall verpassen sollten und wie Sie den Besuch klug planen – mit aktuellen Preisen, Öffnungszeiten und meinem eigenen Rundgang.
Mehr als ein Museum: ein Forschungsinstitut
Das Senckenberg ist kein reines Ausstellungshaus, und das merkt man an jeder Ecke. Hinter dem Naturmuseum steht die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, gegründet 1817 und benannt nach dem Frankfurter Arzt und Stifter Johann Christian Senckenberg. Sie zählt heute zu den größten naturwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen Deutschlands, mit Instituten, Feldstationen und Sammlungen weit über Frankfurt hinaus. Was Sie im Museum sehen, ist gewissermaßen nur die Schauseite einer gewaltigen wissenschaftlichen Sammlung – und genau deshalb sind viele Exponate keine Nachbauten, sondern echte Originale.
Das repräsentative Museumsgebäude an der Senckenberganlage, gleich neben dem alten Universitätscampus Bockenheim, wurde 1907 an dieser Stelle eröffnet. Seine hohen, hellen Hallen und der lichtdurchflutete Innenhof geben den großen Skeletten die Bühne, die sie verdienen. Rechnen Sie mit einem großen Haus über mehrere Etagen: Wer alles sehen will, braucht Zeit.
Der Lichthof: Auge in Auge mit den Dinosauriern
Wer eintritt, steuert fast automatisch zuerst auf die Dinosaurier zu – und das aus gutem Grund. Das Senckenberg besitzt eine der bedeutendsten Dinosauriersammlungen Europas, und der zentrale Saal ist ihr Herzstück. Das größte Skelett ist ein rund 18 Meter langer Diplodocus, ein Langhalssaurier, dessen Schwanz sich über fast die gesamte Länge der Halle zieht. Man muss den Kopf weit in den Nacken legen, um zu begreifen, welche Dimensionen dieses Tier hatte – für Kinder ist das der Moment, an den sie sich noch Jahre später erinnern.
Daneben stellt sich ein Tyrannosaurus rex in Angriffshaltung auf, und ein Triceratops zeigt seinen massigen, dreihörnigen Schädel. Anders als in vielen Museen handelt es sich dabei um echte fossile Schädelknochen und nicht nur um Abgüsse – ein Detail, das der wissenschaftliche Hintergrund des Hauses erst möglich macht. Ergänzt wird die Runde unter anderem durch einen Parasaurolophus mit seinem markanten, nach hinten geschwungenen Knochenkamm, über dessen Funktion Forscher bis heute rätseln. Nehmen Sie sich hier Zeit und lesen Sie die Tafeln: Fast jedes Skelett hat eine Geschichte, wie es gefunden und zusammengesetzt wurde.
Die Dino-Mumie: das eigentliche Wunder
Wenn ich Besucher durch das Haus begleite, bleibe ich am liebsten nicht beim größten, sondern beim erstaunlichsten Exponat stehen: der sogenannten Dinosaurier-Mumie. Dahinter verbirgt sich ein Hadrosaurier (ein Entenschnabelsaurier), bei dem nicht nur die Knochen, sondern auch Abdrücke der versteinerten Haut erhalten geblieben sind. Man sieht tatsächlich die feine Struktur der Schuppen – ein Anblick, der begreiflich macht, dass diese Tiere einmal aus Fleisch und Blut waren und nicht bloß aus weißen Knochen. Solche Weichteil-Erhaltungen sind extrem selten, und dass ein derartiges Stück in Frankfurt steht, ist einer der stillen Superlative des Hauses. Suchen Sie es gezielt – es geht im Trubel um die großen Skelette leicht unter.
Messel: ein Weltnaturerbe vor den Toren Frankfurts
Der zweite große Schatz des Senckenberg liegt gar nicht im Museum selbst, sondern nur rund 35 Kilometer südöstlich, bei Darmstadt: die Grube Messel. Der ehemalige Ölschiefer-Tagebau ist seit 1995 UNESCO-Weltnaturerbe – die erste deutsche Stätte überhaupt, die für ihr Naturerbe ausgezeichnet wurde. Vor rund 47 Millionen Jahren lag hier ein tiefer Kratersee, an dessen sauerstoffarmem Grund Tiere und Pflanzen in unglaublicher Vollständigkeit versteinerten. Das Senckenberg forscht seit Jahrzehnten in Messel, und die schönsten Funde sind hier zu sehen.
Was diese Fossilien weltberühmt macht, ist der Detailgrad. Bei den kleinen Urpferdchen von der Größe eines Foxterriers ist teils sogar der Mageninhalt erhalten – man weiß dadurch, was sie als Letztes gefressen haben, und einige Stuten wurden trächtig, mit dem winzigen Fohlen im Leib, konserviert. Berühmt sind auch die versteinerten Schildkröten, die im Moment der Paarung starben, Käfer, deren metallischer Schimmer nach Jahrmillionen noch erkennbar ist, sowie Fledermäuse, Vögel und Krokodile mit vollständig erhaltenen Körperumrissen. Passend dazu zeigt das Museum die Sonderausstellung „Ganz schön warm hier. Leben und Sterben in Messel” (Stand 2026) – Sonderausstellungen wechseln, ein Blick auf die Website vor dem Besuch lohnt sich also.
Wale, Tiervielfalt und die Frage, woher wir kommen
So sehr die Dinosaurier im Rampenlicht stehen – das Senckenberg wäre nur ein halbes Museum, wenn es dabei bliebe. In den biologischen Sälen reihen sich Vitrinen und Dioramen mit präparierten Tieren aus aller Welt aneinander: Elefant, Löwe, Eisbär und unzählige Vögel und Insekten führen die Artenvielfalt der Erde vor Augen. Ein eigener Bereich ist den Walen gewidmet, wo Skelette und lebensgroße Modelle die schiere Größe dieser Meeressäuger erfahrbar machen – gerade für Kinder ein Aha-Moment.
Besonders ans Herz legen möchte ich Ihnen die Abteilung zur Menschwerdung. Hier erzählen Abgüsse berühmter Fossilien die lange Geschichte unserer eigenen Herkunft, von frühen Vormenschen bis zum modernen Homo sapiens. Dazwischen entdecken Sie Minerale, die in allen Farben schimmern, sowie Ausstellungen zu Evolution, Erdgeschichte und Klima. Es ist diese Bandbreite – vom Kristall über den Käfer bis zum Langhalssaurier –, die den Besuch auch für neugierige Erwachsene zu weit mehr als einem Kinderausflug macht.
Für Familien: Forschungswerkstatt und ein paar Kniffe
Das Senckenberg ist eines der familienfreundlichsten Häuser der Stadt, aber ein paar Dinge machen den Besuch entspannter. Für Kinder gibt es die „Aha?!”-Forschungswerkstatt, in der man selbst forschen und anfassen darf – ein guter Ausgleich zum reinen Anschauen. Planen Sie trotzdem bewusst Pausen ein: Das Haus ist groß, und die Kleinen sind schneller voller Eindrücke, als einem lieb ist. Ein Snack und eine kurze Verschnaufpause im Innenhof wirken Wunder.
Weil das Senckenberg komplett wetterunabhängig ist, ist es außerdem eine meiner ersten Empfehlungen für einen Regentag – mehr Ideen dazu finden Sie in meinem Artikel Frankfurt bei Regen mit Kindern. Und wenn Sie ohnehin nach Museen suchen, die Kindern gefallen, lohnt ein Blick in meine Übersicht der besten Museen für Kinder in Frankfurt.
Öffnungszeiten (Stand 2026)
- Montag, Dienstag, Donnerstag & Freitag: 9 bis 17 Uhr
- Mittwoch: 9 bis 20 Uhr (verlängert)
- Samstag, Sonntag & Feiertage: 9 bis 18 Uhr
Geschlossen bleibt das Museum unter anderem an Karfreitag, am 24. und 31. Dezember, am 1. Januar sowie am Fastnachtsdienstag ab 13 Uhr. Der lange Mittwochabend bis 20 Uhr ist mein Geheimtipp: Wer tagsüber keine Zeit hat oder den größten Andrang meiden möchte, kommt am besten dann – und zahlt ab 17 Uhr sogar weniger (siehe unten).
Was der Eintritt kostet (Stand 2026)
- Erwachsene: 12,00 Euro
- Ermäßigt (Studierende, Auszubildende, Kinder 6–17 Jahre, Menschen mit Behinderung ab GdB 50): 6,00 Euro
- Mit der Frankfurt Card: 8,00 Euro
- Familienticket (2 Erwachsene + 3 Kinder): 30,00 Euro
- Familienticket (1 Erwachsener + 2 Kinder): 18,00 Euro
- Kinder unter 6 Jahren: frei
- Mittwochabend ab 17 Uhr (Erwachsene): 6,00 Euro
Für Familien ist vor allem das Familienticket attraktiv, und dass Kinder unter sechs Jahren frei hineinkommen, entlastet die Kasse zusätzlich. An Wochenenden und in den Ferien empfehle ich, das Ticket vorab online zu kaufen – das erspart das Anstehen am Eingang. Da sich Preise ändern können, prüfen Sie sie im Zweifel kurz auf museumfrankfurt.senckenberg.de. Ein praktischer Hinweis für 2026: Wegen technischer Arbeiten am Aufzug kann die Barrierefreiheit zeitweise eingeschränkt sein – wer auf einen stufenlosen Zugang angewiesen ist, fragt am besten vorab kurz nach.
So kommen Sie hin
Das Senckenberg Naturmuseum liegt an der Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt am Main, mitten im Westend und direkt am alten Uni-Campus Bockenheim. Am bequemsten reisen Sie mit der U-Bahn an: Von der Station Bockenheimer Warte (U4/U6/U7) sind es nur wenige Gehminuten. Vom Auto rate ich in dieser Gegend klar ab – Parkplätze sind rar und teuer, und die kurzen Wege mit der Bahn ersparen Ihnen die Sucherei.
Praktisch ist die Lage auch, weil gleich um die Ecke der Palmengarten liegt: An einem schönen Tag lässt sich der Museumsbesuch am Vormittag hervorragend mit einem Nachmittag zwischen Palmen und Weihern verbinden. Und wenn Sie ohnehin dabei sind, Frankfurt zu erkunden, ordnet mein Überblick über die Top-Sehenswürdigkeiten der Stadt das Senckenberg in einen ganzen Tag ein.
Mein Rundgang – und warum ich immer wiederkomme
Wenn Freunde mich fragen, wie sie das Beste aus einem halben Tag hier herausholen, empfehle ich diese Reihenfolge: Starten Sie im Lichthof bei den Dinosauriern, solange alle noch frisch und aufnahmefähig sind – der große Eindruck sollte am Anfang stehen. Suchen Sie dann gezielt die Dino-Mumie, ehe es weiter zu den Messel-Fossilien geht, deren Winzigkeit einen umso mehr staunen lässt, wenn man gerade vor dem 18-Meter-Riesen stand. Danach durch die Tier- und Walsäle, mit einem Abstecher zur Menschwerdung, und für die Kinder zum Schluss in die Forschungswerkstatt. Wer mit Nachwuchs unterwegs ist, legt spätestens nach anderthalb Stunden eine echte Pause ein.
Das Senckenberg ist für mich eines der ehrlichsten Ausflugsziele Frankfurts: kein Rummel, keine Show, nur echte Originale, die für sich sprechen. Kommen Sie am langen Mittwoch oder früh am Vormittag, nehmen Sie sich mindestens zwei bis drei Stunden Zeit, und Sie werden verstehen, warum Generationen von Frankfurter Kindern – ich eingeschlossen – ihre erste Begegnung mit den Giganten der Urzeit ausgerechnet hier hatten.
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