Kaiserdom Frankfurt: Wahlkapelle, Domturm mit 328 Stufen und Dommuseum
Frankfurts berühmteste Kirche ist streng genommen gar kein Dom – und trotzdem wurden hier zwei Jahrhunderte lang Kaiser gekrönt. Eine Frankfurterin führt durch Wahlkapelle, Chor und Kreuzgang und die 328 Stufen hinauf auf den Turm.
Der Frankfurter Dom hat ein Problem mit seinem Namen. Er ist kein Dom im kirchenrechtlichen Sinn, denn Frankfurt war nie Bischofssitz; die Kirche gehört zum Bistum Limburg und war jahrhundertelang eine Stiftskirche. Trotzdem sagt kein Frankfurter etwas anderes als „der Dom“, und der volle Name „Kaiserdom St. Bartholomäus“ erklärt, warum. In diesem roten Sandsteinbau wurden über Jahrhunderte die deutschen Könige gewählt und ab 1562 auch die Kaiser gekrönt. Kein anderer Ort der Stadt war so lange so eng mit dem Reich verbunden.
Die meisten Besucher streifen den Dom auf dem Weg zwischen Römer und Neuer Altstadt, werfen einen Blick ins Kirchenschiff und gehen weiter. Wie das Viertel davor entstanden ist, habe ich in meinem Beitrag über die Neue Altstadt erzählt. Hier geht es um den Dom selbst – und um die Dinge, die man verpasst, wenn man nach zehn Minuten wieder draußen steht.
Gewählt in Frankfurt, gekrönt in Aachen – bis 1562
Die Geschichte beginnt lange vor dem heutigen Bau. Bei Grabungen im Dom fand man 1991 das Grab zweier Kinder, die um das Jahr 700 hier bestattet wurden, mit filigranem Goldschmuck, Glasgefäßen und kleinem Spielzeug. 852 wurde an dieser Stelle die karolingische Salvatorkirche geweiht, am 24. August 1239 erhielt die Kirche ihr Patrozinium des Apostels Bartholomäus. Dessen Schädelreliquie ist bis heute der kostbarste Besitz des Doms.
Politisch wichtig wurde der Ort mit den Königswahlen. 1152 wurde Friedrich Barbarossa in Frankfurt gewählt, und die Goldene Bulle von 1356 schrieb Frankfurt als Wahlort fest. Seit 1438 fanden die Wahlen in der Wahlkapelle statt, einem kleinen Anbau südlich des Chors, der sonst als Stiftsbibliothek diente. Hier zogen sich die sieben Kurfürsten zurück, um den König zu bestimmen.
Gekrönt wurde allerdings woanders: in Aachen, in der Kirche Karls des Großen. Die letzte Krönung dort war die Ferdinands I. im Jahr 1531. Dass die Zeremonie danach nach Frankfurt wanderte, war eher Pragmatismus als Plan. Als Maximilian II. im November 1562 gewählt wurde, wäre die Reise nach Aachen mitten im Winter beschwerlich gewesen, und der zuständige Kölner Erzbischof stand nicht zur Verfügung. Also krönte man gleich hier. Aus der Ausnahme wurde eine Tradition: Bis 1792 wurden im Dom zehn Kaiser gekrönt, am Krönungsaltar vor dem Lettner, der letzte war Franz II. Wer sich für die Gegenrichtung interessiert: Die Strecke von Aachen nach Frankfurt ist heute in reiner Fahrzeit in gut zweieinhalb Stunden zu schaffen – für einen Krönungszug im 16. Jahrhundert war das eine Reise von Tagen.
Einen der berühmtesten Zeugen hatte die Krönung Josephs II. im Jahr 1764: Der junge Goethe sah das Spektakel als Frankfurter Bürgersohn und beschrieb es später ausführlich in „Dichtung und Wahrheit“. Nach der Zeremonie zog der Kaiser über den Krönungsweg zum Festmahl in den Römer – den Weg, dessen Verlauf die Neue Altstadt heute nachzeichnet und den ich auch in meinem historischen Altstadt-Spaziergang gehe.
Was Sie drinnen nicht verpassen sollten
Der Dom selbst ist täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Während der Gottesdienste gilt: nicht stören, keine Führungen. An Sommerwochenenden kommen Taufen und Hochzeiten dazu, dann ist der Besuch zeitweise nicht möglich.
Beim ersten Hineingehen wirkt der Innenraum überraschend hoch; Chor und Querhaus erreichen eine Innenhöhe von gut 23 Metern. Meine vier Stationen:
- Die Wahlkapelle. Klein, dunkel, unscheinbar – und doch der Raum, in dem über die Krone des Reiches entschieden wurde. Seit dem Spätsommer 2026 hängt hier wieder das große Tafelbild des Christus Salvator von um 1500, frisch restauriert: Christus als Weltenretter vor Goldgrund, zwischen Maria und der heiligen Anna.
- Das Chorgestühl. Unter Verwendung älterer Wangen aus dem 13. Jahrhundert entstanden bis 1352 vier Sitzreihen, gestiftet von Propst Kuno II. von Falkenstein. Das Gestühl hat Brand und Krieg überlebt.
- Die Bartholomäus-Legende im Hochchor. Ein Wandmalerei-Zyklus aus dem frühen 15. Jahrhundert erzählt das Leben des Kirchenpatrons. Den Hochchor sehen Sie am besten im Rahmen einer Führung.
- Der Maria-Schlaf-Altar in der Marienkapelle, den auch die öffentliche Domführung ansteuert.
Dass so viel Mittelalterliches erhalten ist, grenzt an ein Wunder, denn der Dom hat zwei Katastrophen hinter sich. In der Nacht auf den 15. August 1867 brach in einer Bierwirtschaft in der Fahrgasse direkt hinter dem Dom ein Feuer aus; der Ostwind trug die Funken aufs Kirchendach, der Dachstuhl brannte ab, die obere Hälfte des Turms und das Geläut wurden zerstört. Der Architekt Franz Josef Denzinger leitete den Wiederaufbau, und erst gut zehn Jahre später saß die Kreuzblume wieder auf der Turmspitze. Am 22. März 1944 trafen Bomben den Dom schwer; die Wiederherstellung zog sich bis weit in die Nachkriegszeit.
Der Domturm: 328 Stufen, 66 Meter, kein Aufzug
Der Turm ist 95 Meter hoch und war über Jahrhunderte das höchste Bauwerk der Stadt. Sein Grundstein wurde 1415 gelegt, Baumeister war Madern Gerthener, und weil immer wieder das Geld ausging, wurde er erst 1514 vorläufig abgeschlossen, noch ohne die geplante Laterne. Seine heutige Spitze erhielt er beim Wiederaufbau nach dem Brand von 1867.
Hinauf geht es über 328 Stufen zur Aussichtsgalerie in 66 Metern Höhe. Die Treppe ist eng, einen Aufzug gibt es nicht, und bei sehr schlechtem Wetter bleibt der Turm geschlossen. Oben sehen Sie den Main, die Dächer der Neuen Altstadt und die Bankentürme in einem einzigen Blick, bei klarer Sicht bis zu Taunus und Odenwald. Der Main Tower ist höher; aber nur vom Domturm schauen Sie direkt auf die Altstadt hinunter statt über sie hinweg.
Das Wichtigste für Ihre Planung (Stand 2026):
- Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 2 Euro. Samstags, sonntags und an Feiertagen ist zusätzlich die Ausstellung in der Türmerstube geöffnet, dann kostet der Aufstieg 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.
- April bis Oktober: montags 12 bis 18 Uhr, dienstags bis samstags 10 bis 18 Uhr, sonntags und feiertags 11 bis 18 Uhr.
- November bis März: dienstags bis freitags 10 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und feiertags 11 bis 17 Uhr; montags geschlossen.
- Letzter Aufstieg 30 Minuten vor Schließung.
- Geschlossen an Heiligabend, am 1. Weihnachtstag und an Silvester. Am 28. November 2026, dem Samstag vor dem ersten Advent, schließt der Turm schon um 16 Uhr, weil dann das große Stadtgeläut läutet.
- Gepäck: Rucksäcke und größere Taschen müssen an der Kasse abgegeben werden, Haustiere sind nicht erlaubt.
Weil die Zahl der Menschen im Turm begrenzt ist, kann es am Wochenende zu Wartezeiten am Einlass kommen. Mein Tipp: unter der Woche direkt zur Öffnung. Wer mehr wissen will, bucht eine der öffentlichen Turmführungen, in diesem Herbst am Mittwoch, 7. Oktober, um 17 Uhr und am Mittwoch, 4. November 2026, jeweils für 6 Euro plus Eintritt, mit Anmeldung bis 24 Stunden vorher beim Dommuseum.
Die Türmerstube: wo Menschen im Turm wohnten
Lassen Sie sich die Türmerstube nicht entgehen, wenn Sie am Wochenende kommen. Hier wohnten über Generationen die Türmer mit ihren Familien und hielten Brandwache über der Stadt; ab 1880 zog die Frankfurter Feuerwehr in die Wachstube. Die kleine Ausstellung „Turm und Stadt, oder: Wofür man einen Domturm braucht“ erzählt in drei Räumen 600 Jahre Turmgeschichte, mit alten Bildern und Hörstücken, gesprochen unter anderem von Michael Quast, den Frankfurter Theatergänger von der Volksbühne kennen – mehr über seine Bühne steht in meinem Überblick über Theater in Frankfurt. Geöffnet ist sie samstags, sonntags und feiertags, von April bis Oktober von 14 bis 18 Uhr, im Winter von 13 bis 17 Uhr.
Das Dommuseum im Kreuzgang
Das Dommuseum liegt im Kreuzgang aus dem frühen 15. Jahrhundert, 1987 eröffnet und 2017 neu eingerichtet. Es zeigt den Domschatz: Goldschmiedearbeiten, mittelalterliche und barocke Messgewänder, Funde aus den Grabungen – darunter die Beigaben aus dem Kindergrab um 700 – und Objekte zu Königswahl und Kaiserkrönung. Im benachbarten Haus am Dom zeigt das „Sakristeum“ seit 2006 die Kirchenschätze von St. Leonhard und der Liebfrauenkirche.
Geöffnet ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 17 Uhr, montags ist geschlossen. Der Eintritt kostet 4 Euro, ermäßigt 3 Euro (Stand 2026), und darin steckt der beste Deal am Domplatz: Die öffentliche Domführung freitags, samstags und sonntags um 15 Uhr ist im Museumseintritt enthalten. Treffpunkt ist die Domvorhalle, und die Führung bringt Sie in den Hochchor zur Bartholomäus-Legende und zum Maria-Schlaf-Altar. Am letzten Samstag im Monat ist der Eintritt frei, mit der Museumsufercard ebenfalls.
Ein wichtiger Hinweis für den Herbst 2026: Wegen der Vorbereitung einer neuen Sonderausstellung schließt das Dommuseum ab dem 12. Oktober. Die Website des Museums nennt dafür zwei verschiedene Enddaten, den 23. Oktober auf der Besucherseite und den 18. November auf der Startseite. Wenn Ihr Besuch in diese Wochen fällt, fragen Sie vorher an der Museumskasse nach. Den Turm betrifft die Schließung nicht.
Dom, Domplatz und Neue Altstadt
Der Dom steht nicht isoliert, und am meisten haben Sie von ihm, wenn Sie ihn mit seiner Umgebung zusammen erleben. Direkt vor dem Westportal liegt der Archäologische Garten mit den Mauerresten aus römischer und karolingischer Zeit, überdacht vom Stadthaus am Markt. Von dort führen die Gassen der Neuen Altstadt nach Westen zum Römer. Wer die Stadtgeschichte im Zusammenhang sehen will, geht danach ins Historische Museum am Saalhof, wo das Modell der Altstadt vor der Zerstörung steht. Und nur wenige Schritte zum Main hinunter liegt St. Leonhard, eine weitere alte Stiftskirche der Stadt, montags bis donnerstags von 15 bis 19 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
Am einfachsten kommen Sie mit der U4 oder U5 zur Station Dom/Römer oder mit den Straßenbahnen 11, 12 und 14 zur Haltestelle Römer/Paulskirche. Die Tiefgarage Dom/Römer liegt direkt unter dem Platz, lässt Autos aber nur bis Mitternacht einfahren – hinaus kommen Sie rund um die Uhr. Welche Parkhäuser auch nachts noch Einfahrt bieten, erklärt der Vergleich der Parkhäuser in der Frankfurter Innenstadt bei der Parkfibel.
Auch Umsteiger mit ein paar Stunden Zeit landen oft hier. Ob sich der Ausflug vom Flughafen in die Altstadt lohnt und wie viel Puffer Sie einplanen müssen, rechnet der Partnerbeitrag zum langen Aufenthalt am Flughafen Frankfurt ehrlich durch. Mit der S-Bahn sind Sie günstig in der Stadt; wer die Zeit knapp kalkuliert, sollte wissen, was ein Taxi vom Flughafen in die Innenstadt kostet.
Meine Reihenfolge für einen Vormittag am Dom
So mache ich es, wenn ich Gäste herumführe. Wir sind um zehn Uhr unter der Woche am Turm, bevor sich eine Schlange bildet, und steigen zuerst hinauf, solange die Beine frisch sind. Oben suche ich mit ihnen den Römer, den Eisernen Steg und das Städel auf der anderen Mainseite; an einem Flohmarkt-Samstag sieht man die Stände am Schaumainkai, und wie Sie den Frankfurter Flohmarkt erwischen, steht in einem eigenen Text. Danach gehen wir in den Dom, zuerst in die Wahlkapelle, dann zum Chorgestühl. Freitags bis sonntags hänge ich um 15 Uhr die Domführung an und nehme das Dommuseum gleich mit.
Und zum Schluss setzen wir uns in die Neue Altstadt und schauen zurück auf den Turm. Wer einmal oben war und weiß, dass hier zwei Jahrhunderte lang Kaiser gekrönt wurden, sieht diese rote Silhouette danach mit anderen Augen – nicht als Kulisse vor der Skyline, sondern als das eigentliche Zentrum, um das die Stadt herumgewachsen ist.
Weiterlesen
Sehenswürdigkeiten
Frankfurter Altstadt & Römer: Ein historischer Spaziergang
Ein Rundgang durch Frankfurts Altstadt mit festen Stationen: Römerberg, Römer, Kaiserdom, Neue Altstadt, Paulskirche, Kleinmarkthalle und Eiserner Steg – mit Geschichte, Wegzeiten und ehrlichen Tipps einer Einheimischen.
Sehenswürdigkeiten
Paulskirche Frankfurt: Wiege der Demokratie, Friedenspreis und was Sie drinnen sehen
Die Frankfurter Paulskirche, wo 1848/49 das erste frei gewählte deutsche Parlament tagte: Wandelhalle, Plenarsaal und Grützkes Wandbild, Öffnungszeiten (täglich 10–17 Uhr, Eintritt frei), der Friedenspreis 2026 für Philippe Sands und der ehrliche Stand von Sanierung und Haus der Demokratie.
Sehenswürdigkeiten
Historisches Museum Frankfurt: Saalhof, Highlights & Tickets
Das Historische Museum Frankfurt am Saalhof: der staufische Altbau und der Neubau von 2017, das Altstadtmodell der Brüder Treuner, die Schneekugel, das Junge Museum sowie aktuelle Preise und Öffnungszeiten (Stand 2026).
Sehenswürdigkeiten
Archäologisches Museum Frankfurt: Tickets, Highlights & Tipps
Das Archäologische Museum Frankfurt in der gotischen Karmeliterkirche: römische Funde aus NIDA, Mithras-Reliefs, die Ratgeb-Fresken, die Silberinschrift – plus aktuelle Preise, Öffnungszeiten und Tipps einer Einheimischen.