Wo übernachten in Frankfurt? Die besten Stadtteile & Hotels
Zentral, günstig oder ruhig? Welches Viertel für Sie das richtige ist, hängt von Ihrer Reise ab – und davon, ob gerade Messe ist. Eine Einheimische ordnet die Gegenden für Sie ein.
„In welcher Gegend soll ich buchen?“ – kaum eine Frage höre ich von Frankfurt-Besuchern so oft. Meine ehrliche Antwort beginnt fast immer gleich: Es kommt darauf an. Auf das, was Sie vorhaben, auf Ihr Budget – und, das unterschätzen die meisten, auf den Kalender. Frankfurt ist vor allem eine Messestadt, und in den großen Messewochen kostet dasselbe Zimmer schnell das Doppelte oder Dreifache. Zum Glück ist die Stadt klein und mit U- und S-Bahn hervorragend vernetzt, ein wirklich „falsches“ Viertel gibt es also kaum. Aber die Stadtteile unterscheiden sich im Charakter deutlich, und wer das weiß, bucht passender.
Ein Tipp vorweg, der Ihnen die Wahl erleichtert: Denken Sie nicht in Kilometern zur Altstadt, sondern in Bahn-Minuten. Ein Hotel, das auf der Karte „weit draußen“ wirkt, liegt oft nur zehn Minuten und zwei U-Bahn-Stationen vom Römer entfernt. Achten Sie also weniger auf die Adresse als auf die nächste Haltestelle. Wenn Sie die Eigenheiten der Viertel noch tiefer verstehen möchten, hilft Ihnen mein großer Überblick über die Frankfurter Stadtteile weiter – hier geht es gezielt ums Übernachten.
Innenstadt & Altstadt: mittendrin, mit kurzen Wegen
Wenn Sie zum ersten Mal in Frankfurt sind und in zwei, drei Tagen möglichst viel sehen wollen, ist die Innenstadt rund um Hauptwache, Zeil und Römer die naheliegende Wahl. Sie wohnen zwischen Shopping, Museen und der neuen Altstadt, und von der Hauptwache oder der Konstablerwache fährt Sie jede Linie überallhin. Kürzere Wege gibt es in Frankfurt nicht.
Der Preis dafür ist wörtlich zu nehmen: Die Toplagen sind betriebsam und tendenziell teuer, viele Häuser leben von Geschäftsreisenden. Nach oben ist die Luft dünn und edel – die „Grande Dame“ ist der Steigenberger Frankfurter Hof am Kaiserplatz, seit 1876 die erste Adresse der Stadt; gegenüber der Alten Oper residiert das Sofitel Frankfurt Opera, direkt neben dem Einkaufszentrum MyZeil das Jumeirah Frankfurt. In der Mittelklasse ist das Motel One Frankfurt-Römer ein verlässlicher Design-Budget-Klassiker mit fairen Preisen in Laufnähe zur Altstadt. Außerhalb der Messezeiten sollten Sie für ein solides Doppelzimmer im Zentrum grob mit 120 bis 200 Euro rechnen, für die Luxushäuser mit dem Doppelten und mehr.
Bahnhofsviertel & Gutleutviertel: der günstigste Fleck – ehrlich betrachtet
Rund um den Hauptbahnhof finden Sie die niedrigsten Preise und die beste Anbindung der Stadt in einem: Die S-Bahn bringt Sie in gut zehn Minuten zum Flughafen, die Innenstadt erreichen Sie zu Fuß. Für Backpacker und preisbewusste Reisende ist das Bahnhofsviertel deshalb erste Wahl – vom a&o Hostel am Hauptbahnhof über das Five Elements Hostel bis zu Design-Häusern wie dem 25hours Hotel The Trip in der Niddastraße. Dass im angrenzenden Gutleutviertel mit dem Roomers (Autograph Collection) sogar eines der stylischsten Luxushotels der Stadt liegt, zeigt, wie gemischt diese Ecke inzwischen ist. Kulinarisch gehört das Viertel ohnehin zu den spannendsten Frankfurts.
Aber ich sage es offen, weil Sie es vor Ort merken werden: Das Bahnhofsviertel hat eine sichtbare Drogen- und Straßenszene, vor allem in einigen Querstraßen zwischen Taunusstraße und Niddastraße und besonders am späten Abend. Für gestandene Großstadtreisende ist das meist kein echtes Problem, tagsüber und auf den belebten Straßen ist viel los. Wer aber empfindlich reagiert oder mit kleinen Kindern anreist, fühlt sich in Westend, Nordend oder Sachsenhausen oft wohler. Hier machen wenige Straßen einen großen Unterschied – prüfen Sie deshalb die genaue Adresse, nicht nur den Stadtteilnamen.
Westend & Nordend: ruhig, grün, gediegen
Das Westend ist mein Tipp für alle, die es abends ruhig mögen. Herrschaftliche Altbauten, viel Grün mit Grüneburgpark und Palmengarten, und trotzdem in wenigen U-Bahn-Minuten im Zentrum – dazu gilt das Viertel als eines der sichersten der Stadt. Klassische Hotels sind hier allerdings dünn gesät, viele Gäste weichen auf den nahen Übergang zur Innenstadt aus, wo etwa das Hilton Frankfurt City Centre am Rand der Wallanlagen liegt. Wer länger bleibt oder mit Familie reist, ist mit einem der Apartmenthotels rund um die Alte Oper gut bedient. Günstig ist das Westend selten.
Das angrenzende Nordend ist noch stärker Wohnviertel: entspannt, kreativ, mit lokalen Cafés und Wochenmärkten, dafür kaum große Hotels. Wer hier oder im lebendigen Bornheim an der Berger Straße unterkommt, erlebt das alltägliche, „echte“ Frankfurt – ideal für Wiederholungsbesucher und längere Aufenthalte, weniger für die schnelle Sightseeing-Tour.
Sachsenhausen: Apfelwein, Kopfsteinpflaster, Nachtleben
Auf der anderen Mainseite liegt Sachsenhausen – für mich der Stadtteil mit dem meisten Charme. Kopfsteinpflaster, urige Äppelwoi-Wirtschaften und direkt am Wasser das Museumsufer mit Städel & Co. Über den Eisernen Steg sind Sie in wenigen Minuten zu Fuß in der Altstadt; wer abends gern unter Leute geht und hessisch essen möchte, ist hier genau richtig. Die Bandbreite reicht vom grünen Luxus der Villa Kennedy (Rocco Forte) an der Kennedyallee bis zu eigenwilligen Boutique-Häusern wie dem Libertine Lindenberg nahe dem Mainufer.
Bedenken Sie nur: In den lautesten Kneipengassen rund um die Klappergasse kann es am Wochenende bis spät lebhaft werden. Wer den Trubel sucht, freut sich; wer früh schlafen will, bucht besser ein paar Straßen abseits, Richtung Sachsenhausener Berg oder Museumsufer. Weil Sachsenhausen so beliebt ist, habe ich die Häuser dort in einem eigenen Guide zu Hotels in Sachsenhausen genauer aufgeschlüsselt.
Ostend & Europaviertel: die modernen Neubauviertel
Zwei Gegenden sind in den letzten Jahren regelrecht neu entstanden – und mit ihnen viele frische Hotels. Das Ostend rund um die Europäische Zentralbank ist hip und angesagt: An der Hanauer Landstraße reihen sich Clubs, Galerien und Restaurants, hier steht mit dem 25hours Hotel The Goldman ein besonders verspieltes Design-Hotel, dazu solide Mittelklasse wie das Motel One Frankfurt-East. Sie wohnen etwas außerhalb, sind mit Straßenbahn und S-Bahn aber zügig im Zentrum.
Das Europaviertel westlich der Innenstadt ist die zweite Neubaugegend: breite Boulevards, das Einkaufszentrum Skyline Plaza und Hochhäuser mit modernen Ketten-Hotels, direkt neben der Messe. Wer Wert auf neue, gut ausgestattete Zimmer legt und die Nähe zum Messegelände braucht, findet hier reichlich Auswahl zu meist mittleren Preisen.
Messe & Bankenviertel: für Termine und Aussicht
Rund um das Messegelände und im Bankenviertel dominieren große, moderne Häuser, die klar auf Geschäftsreisende zugeschnitten sind – vom Maritim Hotel Frankfurt und dem Frankfurt Marriott in Messenähe bis zum markanten, runden Turm des Radisson Blu an der Franklinstraße. Wenn Sie ohnehin Termine in den Hochhäusern oder auf der Messe haben, sparen Sie hier wertvolle Wege. Für eine reine Urlaubsreise ist die Gegend abends allerdings etwas nüchtern.
Ein Reiz bleibt aber gerade hier: die Aussicht. Wer aus dem oberen Stockwerk auf die beleuchtete Skyline blicken will, findet im Bankenviertel echte Wolkenkratzer-Hotels wie das Innside by Meliá Frankfurt Eurotheum. Welche Häuser den besten Ausblick bieten, habe ich in meinem Ratgeber zu Hotels mit Skyline-Blick zusammengetragen.
Direkt am Flughafen: nur für Frühflieger und Umsteiger
Am Flughafen zu übernachten lohnt sich vor allem bei sehr frühen Abflügen, späten Ankünften oder engem Umsteigen. Das Sheraton Frankfurt Airport ist direkt mit Terminal 1 verbunden, das Hilton und das Hilton Garden Inn liegen im „The Squaire“ über dem Fernbahnhof – bequemer geht es kaum. Für einen Stadtbesuch sind diese Hotels dagegen die falsche Wahl: Sie sitzen am Rand und müssen für jede Unternehmung erst in die City fahren (mit der S-Bahn rund 15 Minuten). Welches Haus zu welchem Terminal passt, erkläre ich in meinem Überblick zu den Hotels am Frankfurter Flughafen.
Der Messe-Faktor: warum der Preis manchmal explodiert
Das ist der wichtigste Tipp dieses Artikels, und er lässt sich mit keiner Viertelwahl umgehen: In den großen Messewochen ziehen die Hotelpreise in ganz Frankfurt steil an – oft aufs Doppelte bis Dreifache, in Spitzenzeiten noch mehr. Zur Frankfurter Buchmesse im Oktober, zur Ambiente, zur Light + Building oder zur Automechanika sind Häuser rund ums Messegelände zudem Monate im Voraus ausgebucht. Umgekehrt gilt: An normalen Wochenenden ohne Messe leeren sich die Business-Hotels, und dann bekommen Sie in bester Lage plötzlich sehr faire Preise.
Was heißt das praktisch? Erstens: Prüfen Sie vor der Buchung den Messekalender von Frankfurt – ein einziger Blick erspart Ihnen die böse Überraschung. Zweitens: Fällt Ihre Reise in eine Messewoche, buchen Sie so früh wie möglich, weichen Sie auf messefernere Viertel wie das Ostend oder Sachsenhausen aus oder übernachten Sie bewusst etwas weiter draußen – auch Offenbach oder Hanau sind mit der S-Bahn nah. Drittens: Wenn Sie flexibel sind, verschieben Sie die Städtereise um ein Wochenende – der Preisunterschied kann größer sein als die Bahnfahrt in eine andere Stadt. Wie stark das Zimmer den Gesamtpreis bestimmt und was daneben für Fahrkarten, Museen und Essen anfällt, habe ich in meiner Rechnung dazu, was ein Wochenende in Frankfurt tatsächlich kostet, Posten für Posten aufgeschlüsselt.
Kurz gefasst: welches Viertel für welche Reise
- Erste Städtereise, viel sehen: Innenstadt/Altstadt – mittendrin, kürzeste Wege.
- Kleines Budget, beste Anbindung: Bahnhofsviertel – die genaue Lage prüfen.
- Ruhe und Eleganz: Westend – grün, sicher, gediegen.
- Charme, Apfelwein & Nachtleben: Sachsenhausen – abseits der lautesten Gassen buchen.
- Modern & neu, mit etwas Szene: Ostend oder Europaviertel.
- Messe & Business, Skyline-Blick: Messeviertel und Bankenviertel.
- Nur Frühflug oder Umstieg: Hotel am Flughafen.
Am Ende macht Frankfurt es Übernachtungsgästen leicht, weil die Stadt kompakt und gut vernetzt ist. Überlegen Sie sich vorher, was Ihnen wichtiger ist – Trubel oder Ruhe, Preis oder Atmosphäre – und werfen Sie unbedingt einen Blick auf den Messekalender. Dann finden Sie in fast jedem Viertel ein gutes Quartier, und der einzige „Fehler“, den Sie machen können, ist, ausgerechnet in der teuersten Woche des Jahres kurzfristig zu buchen.
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