Tagesausflug in den Taunus: Feldberg, Königstein, Bad Homburg
Das Mittelgebirge, das Sie vom Main Tower aus sehen, ist eine halbe Stunde entfernt – aber der Bus auf den Gipfel fährt seltener, als die meisten denken. Ein ehrlicher Tagesplan für Feldberg, Burg und Kurpark.
Vom Main Tower aus liegt er im Norden wie eine lange, dunkle Welle: der Taunus. Ich habe Besuchern diesen Höhenzug hundertmal gezeigt, und fast immer kommt dieselbe Frage – ob man da hochkomme. Man kommt, und zwar schnell: Die S-Bahn verlässt Frankfurt, gut zwanzig Minuten später stehen Sie in einer Kurstadt, und eine Stunde danach auf einem Gipfelplateau in 880 Metern Höhe, wo der Wind stets ein paar Grad kälter weht als unten am Main.
Was vorher kaum jemand weiß: Der Bus auf den Großen Feldberg fährt werktags nur alle zwei Stunden – und werktags gar nicht ab Bad Homburg. Daran scheitern Ausflüge, die sonst wunderbar gewesen wären. Deshalb steht hier die Anreise vorn und die Aussicht dahinter, mit Fahrplänen, Preisen (Stand 2026) und der Frage, die ohnehin kommt: eins von drei Zielen richtig oder drei halb.
Der Taunus mit der Bahn: drei Linien, drei Türen
Es gibt nicht den Zug in den Taunus, sondern drei Zugänge, und jeder führt woandershin.
- Die S5 fährt vom Hauptbahnhof über Rödelheim und Oberursel nach Bad Homburg und weiter nach Friedrichsdorf; laut Fahrplan liegen zwischen Bad Homburg und dem Hauptbahnhof 23 Minuten, tagsüber im Halbstundentakt, in den Hauptzeiten dichter. Das ist die Tür zur Kurstadt – und über die Buslinie 5 auch die zur Saalburg.
- Die RB12, die alte Königsteiner Bahn von 1902, braucht vom Hauptbahnhof über Höchst rund 38 Minuten bis Königstein, tagsüber alle 30 Minuten, sonntags stündlich.
- Die U3 ist die eigentliche Überraschung: Sie endet in Oberursel-Hohemark mitten am Waldrand, knapp 40 Minuten ab Hauptwache. Hohemark ist der Startpunkt für den Feldberg – für Wanderer wie für den Bus.
Beim Ticket gilt eine Regel, die Frankfurt-Besucher regelmäßig übersehen: Sie verlassen das Tarifgebiet 5000. Die pauschale Stadtpreisstufe für 3,80 Euro endet an der Stadtgrenze. Für die Nachbarschaft hat der RMV eigene Zwischenpreisstufen eingeführt, die unter anderem Bad Homburg, Oberursel und Schmitten (die Gemeinde, zu der der Feldberg gehört) abdecken und spürbar billiger sind als die reguläre nächsthöhere Stufe – den Preis nennt die Auskunft aber erst, wenn Sie die exakte Haltestelle eingeben statt nur „Frankfurt“. Wie der Tarif tickt, habe ich im Nahverkehrs-Guide mit allen Preisstufen auseinandergenommen. Am leichtesten hat es, wer ein Deutschlandticket (63 Euro im Monat) besitzt: Es gilt in S-Bahn, U-Bahn, Regionalzug und im Feldbergbus.
Die Linie 57 – und warum sie über den Tag entscheidet
Auf den Gipfel fährt genau ein Bus: die Feldberglinie 57. Sie verbindet den Bahnhof Königstein über Oberreifenberg und den Großen Feldberg mit der U-Bahn-Endstation Oberursel-Hohemark. Und sie fährt nicht so, wie man es von einer Stadtlinie kennt:
- Montag bis Freitag alle zwei Stunden zwischen Königstein und Hohemark. Die erste Bergfahrt verlässt Hohemark um 9.32 Uhr und ist um 9.59 Uhr oben – rund 27 Minuten. Die letzte Talfahrt startet werktags um 19.05 Uhr am Feldberg.
- Samstags, sonntags und feiertags zwischen Hohemark und Gipfel stündlich – und nur an diesen Tagen wird zusätzlich Bad Homburg angefahren, alle zwei Stunden. Sonntags rollt der letzte Bus um 18.50 Uhr vom Gipfel ins Tal.
- Im Winter kommen bei Schnee an Wochenenden und Ferientagen zusätzliche Fahrten dazu; welche, entscheidet sich kurzfristig nach Wetterlage.
(Fahrplan gültig ab 20. Dezember 2025; die Zeiten für Ihren Tag holen Sie sich bitte vorher aus der RMV-Auskunft.)
Daraus folgt das Wichtigste dieses Textes: Der oft gehörte Rat „S5 bis Bad Homburg, dann mit dem Bus auf den Feldberg“ funktioniert von Montag bis Freitag nicht. Werktags führt der Weg über die U3 bis Hohemark. Und wer oben den letzten Bus verpasst, steht auf 880 Metern ohne Taxistand – der Abstieg dauert dann Stunden. Notieren Sie sich die Rückfahrzeit, bevor Sie aussteigen.
Großer Feldberg: wandern – oder einfach oben stehen
Der Große Feldberg ist mit rund 880 Metern die höchste Erhebung des Taunus. Sein Gipfel ist ehrlicherweise kein einsamer Felsen, sondern ein weites, windiges Plateau mit Parkplatz, Funkturm und Gastronomie – und lohnt trotzdem, wegen der Weite über die Rhein-Main-Ebene.
Den besten Rundblick gibt der Aussichtsturm, rund 40 Meter hoch, dessen verglaste Plattform auf über 900 Metern liegt; hinauf geht es über ein geschlossenes Treppenhaus mit etwa 100 Stufen, einen Aufzug gibt es nicht. Eintritt 2,00 Euro ab fünf Jahren, Kinder bis vier frei. Geöffnet vom 1. April bis 31. Oktober täglich 12 bis 19 Uhr, vom 1. Dezember bis 31. März freitags bis sonntags 12 bis 17 Uhr; im November bleibt er zu (Stand 2026).
Und das Wandern? Hier trennen sich zwei Ausflüge, die gern verwechselt werden. Die klassische Runde des Taunus-Informationszentrums führt von der Hohemark am Urselbach entlang, steil hinauf zum Gipfel und zurück: 16,73 Kilometer, gut fünfeinviertel Stunden reine Gehzeit, rund 568 Höhenmeter, zu knapp 60 Prozent auf unbefestigtem Untergrund. Das ist kein Nachmittag, das ist der ganze Tag – und dafür brauchen Sie feste Schuhe mit Profil; auf den steinigen, nach Regen matschigen Abschnitten reichen Turnschuhe nicht. Wer mit dem Bus hochfährt, oben eine kurze Plateaurunde geht und wieder hinunterfährt, kommt bequem beschuht aus – so machen es Familien, und welche Taunusziele mit Kindern funktionieren, steht in meinen Ausflügen mit Kindern rund um Frankfurt.
Königstein und seine Burg
Wenn der Feldberg das Wetter ist, dann ist Königstein die Geschichte. Über dem Städtchen liegt eine der größten Burgruinen Deutschlands: Die ältesten sichtbaren Teile datieren auf die Zeit vor 1215, angelegt wurde die Burg vermutlich, um die Handelsstraße von Köln nach Frankfurt zu sichern; später wuchs sie zur Festung. 1796 sprengten die Franzosen die Anlage – dass sie heute so gründlich zerlegt ist, geht allerdings auch auf die Königsteiner selbst zurück: In den Häusern der Altstadt stecken die Steine der Burg.
Sie laufen hier also nicht durch Prunkräume, sondern durch Keller, Kasematten und Mauerringe und über Terrassen, von denen der Blick bis nach Frankfurt reicht. Geöffnet ist von April bis Oktober täglich 10 bis 19 Uhr (letzter Einlass 18.30 Uhr), von November bis März nur samstags und sonntags 10 bis 17 Uhr; der Eintritt ist mit 3,50 Euro für Erwachsene und 2,00 Euro für Kinder fast rührend niedrig (Stand 2026). Vom Bahnhof geht es durch die Stadtmitte bergan; vom Kurpark an der Hauptstraße sind es nur noch rund 600 Meter – aber 600 Meter aufwärts.
Bad Homburg als Tagesausflug: Kurpark, Spielbank, Weißer Turm
Bad Homburg ist das Gegenteil einer Wanderung und der beste Plan B, wenn der Himmel grau hängt. Der Kurpark ist 44 Hektar groß, 1856 von Peter Joseph Lenné im Auftrag der Brüder Blanc angelegt und gilt als der einzige Lenné-Garten, der unverändert erhalten blieb. Man spaziert an den Heilquellen entlang – Elisabethenbrunnen, Kaiserbrunnen, Landgrafenbrunnen –, kommt an einem goldschimmernden Thai-Sala vorbei (ein Geschenk König Chulalongkorns, eingeweiht am 22. Mai 1914; ein zweites kam 2007 dazu), an der 1899 geweihten russischen Kirche und an einem Golfplatz, der seit 1889 besteht und als ältester des europäischen Festlands gilt. Eintritt kostet der Park nicht.
Sein Prunkstück ist das Kaiser-Wilhelms-Bad, 1887 bis 1890 erbaut und heute ein Day Spa – für alle, die den Tag lieber in warmem Wasser als in Höhenmetern verbringen. Und dann die Spielbank, eröffnet am 23. Mai 1841 von den Brüdern Blanc, die aus dem verschlafenen Homburg ein internationales Bad machten und aus den Spielerträgen Kurhaus, Straßenbeleuchtung und die Bahnanbindung nach Frankfurt finanzierten. François Blanc zog 1863 nach Monaco – seither nennt sich Bad Homburg gern die Mutter von Monte Carlo. Bleibt das Schloss mit dem Weißen Turm, mit 48,11 Metern das Wahrzeichen und letzter Rest der Burg Hohenberg: März bis Oktober dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr, November bis Februar bis 16 Uhr, montags Ruhetag – die Innenräume nur in einer Führung.
Die Saalburg: ein Römerkastell am Welterbe-Limes
Nördlich von Bad Homburg zieht der Obergermanisch-Raetische Limes durch den Wald, die alte Reichsgrenze, seit 2005 UNESCO-Welterbe. Der beste Ort, ihn zu begreifen, ist die Saalburg – das am vollständigsten wiederaufgebaute Kastell des gesamten Limes. Den Anstoß gab 1897 Kaiser Wilhelm II., die Grundsteinlegung folgte am 11. Oktober 1900. Man betritt also keinen Steinhaufen, sondern ein Tor, dahinter Wehrmauer, Fahnenheiligtum, Werkstätten und rekonstruierte Räume.
Geöffnet ist von März bis Oktober dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, von November bis Februar 10 bis 16 Uhr, montags geschlossen; Eintritt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren 3 Euro, Familienkarte 16 Euro (Stand 2026). Ohne Auto fahren Sie mit der S5 bis Bad Homburg und weiter mit der Kulturbuslinie 5 – aber rechnen Sie nach: Von Mai bis Oktober gibt es an Wochenenden und Feiertagen neun Fahrten, sonst nur vier täglich. Alternativ hält die Taunusbahn am Haltepunkt Saalburg/Lochmühle; von dort sind es rund 45 Minuten zu Fuß am Limes entlang, für Wanderer eher Gewinn als Umweg.
Mit dem Auto – und was der Gipfel inzwischen kostet
Mit dem Wagen sind Sie in einer knappen Dreiviertelstunde oben, meist über A661 und B456; was die Strecke an Kilometern, Fahrzeit und Spritkosten bedeutet, rechnet man besser vorher durch, denn im Taunus täuscht die Luftlinie gewaltig. Nur ist der Gipfel längst kein Gratisparkplatz mehr: Seit dem 8. April 2025 ist das Parken auf dem Plateau gebührenpflichtig – 2,00 Euro je angefangene Stunde, Tagestarif 12,00 Euro, zahlbar am Automaten mit Giro- oder Kreditkarte oder per App. Kostenlos stehen Sie weiterhin unterhalb des Gipfels, etwa an den Parkplätzen Tillmannsweg, Teufelsquartier und Windeck – dann laufen Sie das letzte Stück. Zwölf Euro sind ungefähr ein Innenstadt-Tagessatz; wie weit solche Sätze auseinandergehen, hat unser Partnerportal im Vergleich der Parkgebühren zusammengetragen.
Wer direkt nach der Landung Richtung Taunus will, rechnet anders: In der Preisübersicht für Transfer, Taxi und Fahrdienst ab Frankfurt stehen die Festpreise nach Bad Homburg oder Königstein – zu zweit mit Gepäck oft entspannter als S-Bahn plus Umstieg. Und wer sich am Flughafen erst zurechtfinden muss, weil sein Terminal seit dem großen Umzug ein anderes ist, findet die Wege durch die Frankfurter Terminals bei unserer Schwesterseite erklärt.
Eins von dreien – oder zwei kombinieren?
Meine ehrliche Antwort: Drei Ziele an einem Tag sind zwei zu viel. Zwei lassen sich verbinden, aber nur in bestimmten Paarungen.
- Feldberg und Königstein ist die schönste Kombination, weil die Linie 57 beide verbindet: U3 bis Hohemark, Bus über den Gipfel, oben ein, zwei Stunden bleiben, mit dem nächsten Bus hinunter nach Königstein, zur Burg – und mit der RB12 in gut 38 Minuten zurück zum Hauptbahnhof. Ein sauberer Rundkurs, kein Weg doppelt.
- Bad Homburg und Saalburg passt dank Buslinie 5 – wenn Sie deren vier bzw. neun Fahrten vorher prüfen.
- Feldberg und Bad Homburg geht nur am Wochenende, weil der Bus die Kurstadt werktags nicht anfährt.
- Königstein und Bad Homburg sieht auf der Karte nah aus, ist mit der Bahn aber ein Umweg über Frankfurt. Lassen Sie es.
Wer sich gar nicht entscheiden kann, nimmt den Feldberg bei klarer Sicht, Königstein bei wechselhaftem Wetter und Bad Homburg bei Regen. Weitere Ziele mit Fahrzeiten stehen in der Übersicht der Ausflugsziele rund um Frankfurt; wer statt Wald lieber eine Altstadt mit Schloss möchte, findet im Tagesausflug nach Heidelberg das genaue Gegenprogramm.
Mein eigener Taunus-Tag sieht meist so aus: früh mit der U3 zur Hohemark, der erste Bus hinauf, oben eine Runde über das Plateau und ein Kaffee im Windschatten, dann mit dem Bus nach Königstein und die Burg im Nachmittagslicht, wenn die Sonne flach über die Mauern fällt. Am liebsten fahre ich im Mai und im Oktober: im Frühjahr wegen des unwirklich hellgrünen Buchenwalds am Hang, im Herbst, weil die Ebene oft unter einer Nebeldecke liegt, während oben die Sonne scheint. Nehmen Sie eine Jacke mit, auch im Sommer. Und schauen Sie ein letztes Mal auf die Uhr, bevor Sie sich vor dem Feldberghaus auf die Bank setzen: Der Bus wartet nicht.
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