Frankfurt Guide
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Ausflüge

Ausflugsziele rund um Frankfurt: die schönsten Tagestouren mit der Bahn

Weinberge, Burgen, Kurstädte und Welterbe – vieles in unter einer Stunde erreichbar. Der Überblick über die lohnendsten Tagesausflüge rund um Frankfurt, mit Reisezeiten und Links zu den ausführlichen Guides.

Katharina Vogt
Katharina Vogt
3. Juli 2026 akt. 2. August 2026
Weinberge und Rheintal – ein beliebtes Ausflugsziel rund um Frankfurt

Frankfurt ist eine Stadt der kurzen Wege – und das gilt nicht nur innerhalb der Stadtgrenzen. Steigen Sie am Hauptbahnhof in einen Zug, und schon nach einer halben bis ganzen Stunde stehen Sie in Weinbergen über dem Rhein, in einer mittelalterlichen Altstadt am steilen Hang oder auf einer Kurhausterrasse aus der Kaiserzeit. Kaum eine andere deutsche Großstadt liegt so zentral zwischen Fluss, Wald und Weinland. Diesen Vorzug nutze ich, seit ich denken kann: An freien Tagen zieht es mich hinaus, mal in den Rheingau, mal in den Taunus, mal einfach eine Stunde neckaraufwärts.

Dieser Überblick ist als Wegweiser gedacht. Er stellt die lohnendsten Ziele rund um Frankfurt vor – jeweils mit dem, was den Ort ausmacht, und einer groben Reisezeit mit Bahn und Auto. Für die beiden großen Klassiker, Rheingau und Heidelberg, habe ich eigene, ausführliche Tourenbeschreibungen verfasst und hier verlinkt. Zuerst geht es aber darum, dass Sie das passende Ziel für Ihren Tag und Ihr Wetter finden. Alle Zeitangaben sind Richtwerte für die reine Fahrt ab Frankfurt Hauptbahnhof und können je nach Verbindung, Umstieg und Verkehr abweichen (Stand 2026).

Der Rheingau und Rüdesheim: Wein, Seilbahn und Fluss

Anreise: Bahn rund 1 Stunde · Auto ca. 1 Stunde

Wenn ich Besuch aus dem Ausland habe und nur einen Tag Zeit ist, fahre ich in den Rheingau. Rüdesheim am Rhein, das quirlige Herz der Region, erreichen Sie ab dem Hauptbahnhof mit der RheingauLinie in etwa einer Stunde, und schon die Fahrt am Fluss entlang ist ein Genuss. Vor Ort erwartet Sie das ganze Rheingau-Klischee in seiner schönsten Form: die enge, laute Drosselgasse mit ihren Weinschänken, eine Kabinenseilbahn, die direkt über die Reben hinauf zum wuchtigen Niederwalddenkmal schwebt, und von dort ein weiter Blick über den Rhein. Dazu ein Glas Rheingauer Riesling, für den die Region berühmt ist. Etwas ruhiger geht es im nahen Kloster Eberbach zu, der ehrwürdigen Zisterzienserabtei, die als Kulisse für den Film „Der Name der Rose“ diente.

Ein Hinweis zur Planung: Die Seilbahn fährt nur in der Saison, ungefähr von Ende März bis Anfang November. Wie Sie den Tag mit Seilbahn, der klassischen Ringtour aus Seilbahn, Sessellift und Rheinschiff sowie einer Weinprobe am besten takten, habe ich im ausführlichen Tagesausflug in den Rheingau beschrieben.

Das Obere Mittelrheintal und die Loreley: Burgen am Welterbe-Strom

Anreise: Bahn rund 1 bis 1,5 Stunden · Auto ca. 1 bis 1,5 Stunden

Gleich hinter Rüdesheim und Bingen zwängt sich der Rhein in seine berühmte Schlucht – das Obere Mittelrheintal, seit 2002 UNESCO-Welterbe. Auf den rund 65 Kilometern bis Koblenz drängen sich mehr Burgen als irgendwo sonst in Europa: die Marksburg über Braubach, die als einzige Höhenburg der Gegend nie zerstört wurde, die Zollburg Pfalzgrafenstein mitten im Fluss bei Kaub, dazu Burg Rheinstein, Burg Katz und Burg Maus. Der heimliche Star ist der Loreley-Felsen, ein schroffer Schieferfels, der sich bei St. Goarshausen über den Strom erhebt und um den sich die Sagen von der singenden Nixe ranken.

Am schönsten erleben Sie diesen Abschnitt vom Wasser aus (siehe unten) oder mit den Regionalzügen, die beide Rheinufer entlangfahren. Orte wie St. Goar oder das malerische Bacharach mit seinem Fachwerk sind gute Umsteige- und Zwischenstopps. Wer mag, kombiniert das Tal direkt mit einem Rheingau-Tag.

Heidelberg: die romantische Schlossstadt am Neckar

Anreise: Bahn rund 1 Stunde · Auto ca. 1 bis 1,5 Stunden

Kein Ausflugsziel ist so beliebt wie Heidelberg – und das zu Recht. Die Schlossruine thront über der Altstadt, unten schlängelt sich der Neckar unter der Alten Brücke hindurch, und die Hauptstraße gilt als eine der längsten Fußgängerzonen Europas. Die Universität ist die älteste Deutschlands, entsprechend jung und lebendig fühlt sich das Zentrum an. Mit der Bergbahn kommen Sie bequem zum Schloss und weiter hinauf zum Königstuhl, für den schönsten Panoramablick lohnt der Aufstieg auf den Philosophenweg am gegenüberliegenden Hang.

Heidelberg lässt sich hervorragend an einem Tag erleben, wenn man die Wege kennt. Mein erprobter Ablauf mit Anreise über Mannheim, Schloss, Bergbahn und Alter Brücke steht im ausführlichen Tagesausflug nach Heidelberg.

Mainz: Dom, Gutenberg und Rheinufer

Anreise: Bahn rund 40 Minuten (S8) · Auto ca. 40 Minuten

Mainz liegt Frankfurt am nächsten und wird trotzdem oft übersehen. Dabei ist die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt ein wunderbares, entspanntes Tagesziel. Über allem thront der mächtige Mainzer Dom, eine über tausend Jahre alte romanische Kathedrale aus rotem Sandstein. Rundherum lebt die Altstadt mit ihren Weinstuben, und der Kirschgarten, ein kleiner Platz voller schiefer Fachwerkhäuser, ist eines der hübschesten Fotomotive der Stadt. Mainz ist außerdem die Stadt Gutenbergs: Hier erfand Johannes Gutenberg um 1450 den Buchdruck mit beweglichen Lettern, und das Gutenberg-Museum zeigt originale Gutenberg-Bibeln und eine Nachbildung seiner Werkstatt.

Wer Zeit hat, spaziert am Rheinufer entlang oder besucht die leuchtend blauen Chagall-Fenster in der Kirche St. Stephan. Und wenn Sie im Februar kommen: Mainz ist eine der großen Karnevalshochburgen Deutschlands – die „Fastnacht“ legt die halbe Stadt lahm. Die S-Bahn S8 bringt Sie über den Flughafen in gut 40 Minuten hin.

Wiesbaden: Kurstadt-Eleganz und der Neroberg

Anreise: Bahn rund 40 Minuten · Auto ca. 40 Minuten

Die hessische Landeshauptstadt ist das genaue Gegenteil des geschäftigen Frankfurt: eine gediegene Kurstadt der Belle Époque, in der das Geld leiser klimpert. Herzstück ist das prächtige Kurhaus mit Spielbank, davor die weite Rasenfläche des Bowling Green und die Kolonnaden. Rundherum reiht sich die typische Bäderarchitektur, unterbrochen von der roten Backsteinsilhouette der Marktkirche. Am Kochbrunnen sprudelt bis heute heißes Thermalwasser aus dem Boden – die Quellen sind der Grund, warum Wiesbaden überhaupt zur Kurstadt wurde.

Mein Tipp für den Nachmittag: Fahren Sie mit der historischen Nerobergbahn hinauf, einer wasserballastbetriebenen Standseilbahn von 1888. Oben auf dem Neroberg haben Sie den besten Blick über die Stadt, und die goldenen Kuppeln der russisch-orthodoxen Kapelle glänzen zwischen den Bäumen. Wer noch mag, schaut am Rhein beim barocken Schloss Biebrich vorbei. Die S-Bahnen S1, S8 und S9 fahren regelmäßig in rund 40 Minuten.

Der Taunus: Wald, Gipfel und Tierpark vor der Haustür

Anreise: Bahn und Bus 30 bis 60 Minuten · Auto 30 bis 45 Minuten

Für Natur müssen Sie gar nicht weit fahren – der Taunus beginnt direkt nordwestlich der Stadt. Der Große Feldberg ist mit rund 880 Metern die höchste Erhebung und ein Klassiker zum Wandern, für den Ausblick und im Winter sogar zum Rodeln; hinauf kommen Sie am besten mit dem Auto oder per Bus ab Oberursel oder Bad Homburg. Charmante Orte laden zum Bummeln ein: Kronberg (Endstation der S4) mit Burg und Altstadt, das noble Königstein mit seiner Burgruine, und Bad Homburg (S5) mit weitläufigem Kurpark und Schloss. Geschichtsfans steuern die Saalburg an, ein rekonstruiertes Römerkastell am Limes.

Besonders für Familien ist der Taunus ein Volltreffer: Der Opel-Zoo bei Kronberg mit Elefanten und Giraffen und das große Freilichtmuseum Hessenpark bei Neu-Anspach, in dem historische hessische Fachwerkhäuser wieder aufgebaut wurden, füllen mühelos einen ganzen Tag. Welche Ziele sich mit Kindern besonders lohnen und wie Sie sie clever verbinden, habe ich in den Ausflügen mit Kindern zusammengestellt.

Marburg: die Märchenstadt am Hang

Anreise: Bahn rund 1 bis 1,25 Stunden · Auto ca. 1 Stunde

Wer Heidelberg mag, aber die Menschenmassen scheut, sollte Marburg entdecken. Die kleine Universitätsstadt nördlich von Frankfurt klettert an einem steilen Hang empor: enge Gassen, überdachte Treppen und schiefe Fachwerkhäuser drängen sich unter dem Landgrafenschloss zusammen, das die ganze Oberstadt überragt. Am Fuß der Stadt steht die Elisabethkirche, die als erste rein gotische Kirche auf deutschem Boden gilt. Die Universität ist die älteste protestantische der Welt, und die Brüder Grimm haben hier studiert – kein Wunder, dass sich Marburg als Station der Deutschen Märchenstraße vermarktet und tatsächlich ein bisschen wie aus dem Bilderbuch wirkt.

Die Anreise führt meist mit dem Regionalexpress über Gießen. Marburg ist deutlich ruhiger und weniger touristisch als die großen Namen – genau das macht seinen Reiz aus.

Darmstadt: Jugendstil auf der Mathildenhöhe

Anreise: Bahn 15 bis 30 Minuten · Auto ca. 30 Minuten

Von allen Zielen liegt Darmstadt am nächsten – mit der S-Bahn oder dem Regionalzug sind Sie in gut 20 Minuten dort. Das große Highlight ist die Mathildenhöhe, eine Künstlerkolonie, die seit 2021 zum UNESCO-Welterbe zählt. Ihr Wahrzeichen ist der fünffingrige Hochzeitsturm von 1908, entworfen vom Architekten Joseph Maria Olbrich, daneben stehen die golden schimmernde russisch-orthodoxe Kapelle und die verspielten Ateliers und Wohnhäuser der Kolonie. Für alle, die sich für Kunst und Architektur begeistern, ist das ein kleines Wunderland, das erstaunlich wenige Frankfurter kennen.

Darmstadt trägt außerdem den Titel „Wissenschaftsstadt“: Hier steuert das Europäische Raumflugkontrollzentrum ESOC die Satelliten der ESA. Und wer Farbe mag, sucht die Waldspirale, einen bunten Wohnbau des Künstlers Friedensreich Hundertwasser.

An der Lahn: Wetzlar und Limburg

Anreise: Bahn rund 50 Minuten bis 1 Stunde · Auto ca. 45 Minuten bis 1 Stunde

Zwei stille Perlen liegen an der Lahn. Wetzlar besticht mit einer verwinkelten Fachwerkaltstadt und einem außergewöhnlichen Dom, an dem romanische und gotische Bauteile unvollendet nebeneinanderstehen. Literaturfreunde besuchen das Lottehaus: Hier verliebte sich der junge Goethe in Charlotte Buff – ein Gefühl, das er später in „Die Leiden des jungen Werthers“ verarbeitete. Nebenbei ist Wetzlar die Heimat der deutschen Optik, mit Namen wie Leitz und Leica.

Limburg an der Lahn wiederum wird vom siebentürmigen Limburger Dom gekrönt, der spektakulär auf einem Felsen über dem Fluss thront und zu den vollständigsten spätromanischen Kathedralen Deutschlands gehört. Darunter breitet sich eine der schönsten mittelalterlichen Fachwerkaltstädte des Landes aus. Praktisch: Der ICE-Bahnhof Limburg Süd liegt an der Schnellstrecke Köln–Rhein/Main und ist in gut 35 Minuten erreicht, allerdings außerhalb der Stadt; die Regionalzüge halten dafür zentral, brauchen aber etwa eine Stunde.

Mit dem Schiff: Rheinfahrten ab Mainz und Rüdesheim

Der klassischste Weg, den Rhein zu erleben, ist das Schiff. Von Rüdesheim, Bingen und Mainz aus fahren Linienschiffe, etwa der Köln-Düsseldorfer (KD) oder der Bingen-Rüdesheimer, durch das Welterbetal an Loreley und Burgen vorbei. Meine liebste entspannte Variante: mit der Bahn nach Rüdesheim, von dort mit dem Schiff flussabwärts nach St. Goar oder Bacharach an den Burgen entlang – und mit dem Zug zurück. Ab Mainz gibt es kürzere Rundfahrten entlang der Uferpromenade, ideal, wenn Sie den Fluss nur schnuppern wollen. Für einen ganzen Tag ist die Rheingau-Ringtour die schönste Kombination aus Bahn, Seilbahn und Schiff.

Bahntickets clever wählen

Ein bisschen Ticketkunde spart bares Geld:

  • Deutschlandticket: Für rund 58 Euro im Monat (Stand 2026) gilt es in allen Regionalzügen, S-Bahnen und Nahverkehrslinien – also für Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, den Taunus, Rüdesheim und die Regionalverbindungen nach Marburg, Wetzlar oder Limburg sowie entlang der Rheinufer. Nicht gültig ist es im ICE und IC. Wer ohnehin eines besitzt, fährt die meisten dieser Ausflüge praktisch zum Nulltarif.
  • RMV-Tageskarte oder Gruppentageskarte: lohnt sich für einen Tag im näheren Umland und für Familien, solange das Ziel im RMV-Gebiet liegt.
  • Hessenticket / Länderticket: günstig für Gruppen in den Regionalzügen quer durch Hessen, etwa nach Marburg oder Wetzlar.
  • Heidelberg über Mannheim: Wer die schnelle ICE-Verbindung nutzt, bucht die Sparpreise am besten früh.
  • Saison und Zeiten prüfen: Von November bis März schließen viele Burgen, Museen und Seilbahnen oder haben verkürzte Zeiten – die Rüdesheimer Seilbahn pausiert im Winter ganz. Und wer früh startet, entgeht dem größten Andrang.

Das Schöne an Frankfurt ist genau diese Auswahl: An einem Tag probieren Sie Wein über dem Rhein, am nächsten erklimmen Sie eine Burg, am dritten spazieren Sie durch einen Jugendstil-Traum – und sind abends bequem wieder zu Hause. Wenn Sie gar nicht erst aus der Stadt hinaus möchten, lohnt sich übrigens auch ein Nachmittag in der Höchster Altstadt, die mit Fachwerk und Schloss ein Stück Kleinstadtidylle innerhalb der Stadtgrenzen bietet. Für alle anderen gilt: Suchen Sie sich ein Ziel nach Lust und Wetter aus, werfen Sie einen Blick in den passenden ausführlichen Guide – und lassen Sie den Zug die Arbeit machen.

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