Frankfurt mit Freunden: Apfelwein, Bar-Hopping & Gruppen-Ideen
Bembel teilen, durchs Bahnhofsviertel ziehen, mit der klapprigen Straßenbahn eine Runde drehen: Frankfurt ist für eine Gruppe entspannter, als sein Ruf vermuten lässt. Meine erprobten Ideen mit konkreten Adressen.
Ein langes Wochenende mit Freunden, und Sie können sich nicht auf eine Stadt einigen? Nehmen Sie Frankfurt. Die Stadt hat den Ruf, nur aus Bankentürmen und einem Flughafen zu bestehen – und genau deshalb unterschätzen die meisten, wie gut sie sich für eine Gruppe eignet. Sie ist kompakt genug, dass Sie abends in zwei, drei U-Bahn-Stationen von der Skyline in die Apfelweinkneipe wechseln, und international genug, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Ich habe hier über die Jahre unzählige Freundesbesuche begleitet und dabei gelernt, was in der Gruppe wirklich funktioniert und was man sich sparen kann. Das Folgende ist meine erprobte Sammlung – vom geselligen Pflichttermin bis zum Regenprogramm, mit echten Adressen und Preisen (Stand 2026).
Der Pflichttermin: ein Abend in der Apfelweinwirtschaft
Wenn Ihre Gruppe in Frankfurt nur eine einzige Sache macht, dann diese: einen Abend in einer echten Apfelweinwirtschaft im alten Sachsenhausen. Das Format ist wie für Freundesgruppen gemacht. Man sitzt an langen Holzbänken, oft neben wildfremden Leuten, bestellt einen Bembel – den grau-blauen Steinzeugkrug – und schenkt sich reihum ein. Ein Bembel für vier oder acht Personen, dazu ein paar Gläser Wasser, und schon teilt man automatisch.
Meine erste Empfehlung ist das Fichtekränzi in der Wallstraße 5, mitten im kopfsteingepflasterten Alt-Sachsenhausen und seit 1849 in Betrieb – im Sommer sitzt man hier im schattigen Innenhof unter alten Bäumen. Etwas ruhiger und ohne Junggesellenabschiede geht es auf der Schweizer Straße zu: Apfelwein Wagner (Schweizer Straße 71, seit 1931 in Familienhand) und das benachbarte Zum Gemalten Haus (Schweizer Straße 67) sind für ihre bunt bemalte Fassade und die deftige Küche bekannt. Bestellen Sie ruhig quer über den Tisch: Handkäs mit Musik, Grüne Soße mit Ei und Kartoffeln, Rippchen mit Kraut oder ein Schnitzel, das über den Tellerrand hängt. Wer den herben Apfelwein pur nicht mag, bestellt ihn „sauergespritzt“ mit Mineralwasser oder süß mit Limo. Für Gruppen ab etwa sechs Personen lohnt eine Reservierung, und stecken Sie Bargeld ein – manche der alten Häuser nehmen bis heute keine Karte. Welche Wirtschaft zu Ihrer Runde passt und wie sich die Häuser unterscheiden, habe ich ausführlich im Guide zu den besten Apfelweinkneipen beschrieben.
Eine Runde mit dem Ebbelwei-Express
Bevor der eigentliche Abend losgeht, ist die bunte historische Straßenbahn ein wunderbarer Aufwärmer – und für viele Gruppen der Höhepunkt des Nachmittags. Der Ebbelwei-Express dreht an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen rund eine Stunde lang seine Runde durch die Stadt, vorbei an Römerberg, Zoo, Sachsenhausen und Messe. Im Preis von 8,00 Euro pro Person (ermäßigt 3,50 Euro, Stand 2026) sind eine Flasche Apfelwein – oder wahlweise Apfelsaft beziehungsweise Wasser – und eine Tüte Brezeln enthalten. Tickets gibt es beim Schaffner an Bord, halten Sie also passendes Bargeld bereit. Ein Nachteil für Spontane: Ein- und wieder Aussteigen unterwegs ist nicht vorgesehen, man fährt die Runde durch. Für Geburtstage lässt sich ein Wagen sogar komplett privat mieten. Alle Details zu Fahrplan und Haltestellen finden Sie in meinem Beitrag zum Ebbelwei-Express.
Bar-Hopping im Bahnhofsviertel
Nach Einbruch der Dunkelheit führt für eine Gruppe kaum ein Weg am Bahnhofsviertel vorbei. Das frühere Rotlicht- und Problemviertel direkt hinter dem Hauptbahnhof hat sich in eines der lebendigsten Ausgehviertel Deutschlands verwandelt, und das Schöne ist: Alles liegt zu Fuß beieinander, sodass Sie in einer Nacht mühelos drei, vier Läden mitnehmen.
Klassischer Startpunkt ist der Kiosk Yok Yok, an dem sich abends halb Frankfurt mit einem Feierabendbier auf dem Gehweg trifft – unkompliziert und günstig. Für Craft Beer vom Fass gehen Sie zum BrewDog in der Kaiserstraße 51. Wer es an einem Punkt des Abends stilvoller mag, klingelt an der unscheinbaren Tür der Kinly Bar in der Elbestraße 34: eine im Stil der 1920er gehaltene Kellerbar mit handgeschlagenem Eis und einer der besten Cocktailkarten der Stadt. Ähnliches Niveau, versteckter gelegen, bietet The Parlour in der Zwingergasse 6. Zwei praktische Hinweise: Legen Sie in der Gruppe einen festen Treffpunkt fest, denn in den vollen Gassen verliert man sich schnell, und planen Sie den Heimweg über die U- und S-Bahn – so kommen alle sicher nach Hause. Wer noch mehr Abendideen sucht, wird in meinem Überblick, was man abends in Frankfurt machen kann, fündig.
Craft Beer und eine echte Brauerei
Frankfurt ist Apfelweinstadt, hat aber auch eine erstaunlich lebendige Bierszene. Mein Favorit für einen entspannten Nachmittag in der Gruppe ist die Brauerei BrauStil im Oeder Weg 57 im Nordend, untergebracht in einer umgebauten ehemaligen Tankstelle mit großem Biergarten. Hier gibt es die eigenen Sude vom Fass, gern als Flight aus vier kleinen Gläsern – ideal, wenn jeder etwas anderes probieren will. Näher an der Altstadt liegt Naïv in der Fahrgasse, gleichzeitig Bar, Restaurant, Pizzeria und Flaschenladen, mit einer wechselnden Auswahl von bis zu hundert Craft-Bieren aus aller Welt. Beide Adressen funktionieren auch mit einer Gruppe, die sich beim Bier nicht einig wird.
Mittagspause in der Kleinmarkthalle
Für das gemeinsame Mittagessen gibt es keinen besseren Ort als die Kleinmarkthalle in der Hasengasse 5–7. Die überdachte Markthalle mitten in der Altstadt ist kein Restaurant, sondern ein lebendiger Markt mit rund 150 Ständen – und genau das macht sie für Gruppen so gut: Jeder zieht los und holt sich, worauf er Lust hat. Ein Muss ist die frisch gebrühte Rindswurst vom Traditionsstand Gref-Völsing, dazu holt sich der Nächste Käse, Oliven oder ein Stück Fisch. Treffpunkt ist danach die Weinterrasse auf der Galerie im Obergeschoss: Dort schenkt ein Winzer offene Weine aus, und man steht mit einem Glas beisammen wie die Frankfurter, die hier nach dem Einkauf gern noch „einen heben“. Wichtig: Die Halle ist Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 16 Uhr geöffnet, sonntags bleibt sie geschlossen – planen Sie den Besuch also nicht für den Ruhetag ein.
Wenn es sportlich oder regnerisch wird
Nicht jeder Tag lädt zum Draußensitzen ein, und manche Gruppe braucht ein bisschen Wettbewerb. Für beides gibt es gute Adressen. Zum Bowling geht es ins Main-Bowling in Eschersheim, mit 32 Bahnen die größte Anlage Hessens, Ende 2025 komplett modernisiert und um Sportsbar, Billard und Darts erweitert – Platz genug auch für eine größere Runde. Wer lieber gemeinsam knobelt, bucht einen Raum bei TeamEscape direkt am Hauptbahnhof (Am Hauptbahnhof 8): In drei unterschiedlich gestalteten Escape-Rooms muss das Team in unter 60 Minuten Rätsel lösen und entkommen. Und für einen albernen, garantiert lustigen Abend sorgt die 3D-Schwarzlicht-Minigolfanlage von GolfZone in der Friesstraße 3 im Osten der Stadt (ab rund 13 bis 15 Euro pro Person), wo man in leuchtenden Kulissen puttet.
Eine Runde auf dem Main
An einem schönen Tag sehen Sie die berühmte Skyline am besten vom Wasser aus. Die Primus-Linie legt direkt am Eisernen Steg ab, dem beliebten Fußgängersteg mitten in der Stadt. Die kurze 50-Minuten-Rundfahrt kostet 16,00 Euro für Erwachsene, die große 100-Minuten-Tour 19,50 Euro (Stand 2026); die Schiffe fahren stündlich, an Wochenenden und Feiertagen sogar im Halbstundentakt. An Bord gibt es Getränke, und mit einem kühlen Bier auf dem Oberdeck gleitet man ganz entspannt an Hochhäusern und Museumsufer vorbei – ein schöner, ruhiger Kontrapunkt zum Trubel an Land.
Ein Heimspiel von Eintracht Frankfurt
Wenn Ihre Gruppe auch nur ansatzweise fußballaffin ist, versuchen Sie, Karten für ein Heimspiel von Eintracht Frankfurt zu bekommen. Gespielt wird im Deutsche Bank Park, dem alten Waldstadion im grünen Frankfurter Stadtwald im Süden der Stadt, das nach dem Umbau rund 58.000 Zuschauer fasst und ein verschließbares Dach hat. Die Stimmung, besonders auf der Nordwestkurve, gehört zum Besten, was die Bundesliga zu bieten hat. Am einfachsten reisen Sie mit der S-Bahn an: Die Linien S7, S8 und S9 halten direkt an der Station Stadion, vom Hauptbahnhof aus sind das rund zwölf Minuten; an Spieltagen fahren zusätzlich Sonderbahnen der Linie 20 im Minutentakt. Beliebte Spiele sind früh ausverkauft, kümmern Sie sich also rechtzeitig um Tickets. Übrigens: Im Deutsche Bank Park finden auch große Konzerte statt – ein Blick in den Veranstaltungskalender lohnt sich, falls gerade kein Ligaspiel ansteht.
Raus ins Umland, wenn mehr Zeit bleibt
Haben Sie einen Tag übrig, lohnt ein gemeinsamer Ausflug ins Umland – alle folgenden Ziele erreichen Sie bequem mit der Bahn, und im Regionalverkehr gibt es oft günstige Gruppentickets. Der Rheingau lockt mit Weinproben in Rüdesheim und der Seilbahn hinauf zum Niederwalddenkmal, das romantische Heidelberg mit Schloss und Altstadt ist in gut einer Stunde erreicht, und wer die Beine vertreten will, wandert im Taunus auf den Großen Feldberg. Für eine Gruppe ist so ein Tagesausflug oft der Moment, an den sich hinterher alle am liebsten erinnern.
So wird das Wochenende reibungslos
Ein paar Dinge machen ein Gruppenwochenende deutlich entspannter. Reservieren Sie ab etwa sechs Personen überall vorab – in den Apfelweinwirtschaften wie in den Bars. Prüfen Sie im Nahverkehr und bei Ausflügen die Gruppentickets, die spürbar Geld sparen. Stecken Sie Bargeld ein, weil längst nicht alles per Karte geht. Und meiden Sie, wenn möglich, die großen Messetermine: Dann sind die Hotels teuer und schnell ausgebucht.
Am Ende ist Frankfurt für Freundesgruppen genau deshalb so dankbar, weil sich die Gegensätze so leicht verbinden lassen: nachmittags Bembel im Innenhof, abends Cocktails über den Dächern, dazwischen eine Mainfahrt oder ein Spiel im Stadion – und wegen der kurzen Wege passt all das in ein einziges Wochenende. Wenn Sie danach zu zweit wiederkommen möchten, finden Sie in meinem Beitrag über Frankfurt zu zweit die ruhigeren, romantischeren Ecken der Stadt. Für die Gruppe aber gilt: Reservieren, ein bisschen Bargeld einstecken, öffentlich unterwegs sein – und den Rest ergibt sich von selbst.
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